Wien-Halbfinali lauten Alcaraz-Zverev, Tiafoe-Sinner

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Die Halbfinali des mit 2,09 Mio. Euro dotierten Erste Bank Open in der Wiener Stadthalle heißen Carlos Alcaraz gegen Alexander Zverev und Frances Tiafoe gegen Jannik Sinner. Der 18-jährige Alcaraz setzte sich am Freitag nach toller Leistung gegen den als Nummer drei gesetzten Italiener Matteo Berrettini nach 2:40 Stunden mit 6:1,6:7(2),7:6(5) durch. Dann besiegte Olympiasieger Alexander Zverev (GER-2) Kanadias Felix Auger-Aliassime in 2:04 Stunden mit 6:4,3:6,6:3.

Erst am späten Freitagabend stand das zweite Halbfinale fest. Zunächst gewann der Bezwinger des topgesetzten Stefanos Tsitsipas, Frances Tiafoe, gegen den als Nummer 8 gesetzten Argentinier Diego Schwartzman nach fast zwei Stunden mit 6:4,7:6(6). Der US-Qualifikant geriet nach einer 6:4,5:1-Führung noch ins Wanken, vergab bei 5:2 einen Matchball und siegte doch noch im Tiebreak. Tiafoe steht erstmals im Halbfinale eines 500er-Turniers. Dann setzte sich Sinner gegen Casper Ruud mit 7:5,6:1 durch und blieb weiter ohne Satzverlust.

Der jüngste Mann im Halbfinale ist aber Alcaraz. Der Spanier erreichte in Wien sein erstes Tour-Halbfinale auf ATP-500-Level. Der Teenager hatte sich dieses Jahr in Umag seinen ersten Titel geholt und in der Folge besiegte er in der dritten US-Open-Runde Stefanos Tsitsipas im Tiebreak des fünften Satzes. Er erreichte danach das Viertelfinale und wurde zum jüngsten Viertelfinalisten in Flushing Meadows der Open Era und zum jüngsten bei einem der vier Major-Turniere seit Michael Chang 1990 bei den French Open.

Das Match gegen Berrettini war einmal mehr hochklassig, geprägt von großartigen Grundlinien-Duellen und ein weiteres Schauspiel des Talents und der ungemeinen Power von Alcaraz. Nicht weniger als 8.500 Fans waren schon beim ersten Match in der Stadthalle, der Freitag war fast ausverkauft. Im ersten Satz hätte Alcaraz dem diesjährigen Wimbledon-Finalisten sogar beinahe die Null gegeben, ehe dem Italiener doch noch ein Game gelang.

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Der vom Ex-Weltranglisten-Ersten Juan Carlos Ferrero betreute Spanier behielt auch im engen Finish die Nerven. Im dritten Satz gab er einen 4:1-Vorsprung aus der Hand und musste noch ins Tiebreak gegen den Weltranglisten-Siebenten. In diesem setzte sich der auch mental schon ungewöhnlich starke Youngster durch und jubelte danach über seinen zweitgrößten Erfolg nach jenem über Tsitsipas in New York.

„Das Match war unglaublich. Es war eine meiner besten Leistungen überhaupt“, freute sich Alcaraz. Für ihn war seine mentale Leistung der Schlüssel zum Sieg. „Der mentale Part hat den wichtigsten Anteil im Tennis. Ich glaube, es ist der Schlüssel, um von Anfang bis zum Ende tolles Tennis zu spielen. Es war heute auch mein Schlüssel, um dieses Match zu gewinnen.“

Gegen seinen nächsten Gegner ist er neuerlich Außenseiter, denn Olympiasieger Zverev ist nach dem Aus des topgesetzten Stefanos Tsitsipas und Berrettinis der am höchsten gesetzte verbliebene Spieler - und ebenfalls in starker Form. Im insgesamt fünften Duell mit dem drei Jahre jüngeren Auger-Aliassime revanchierte sich der 24-jährige Hamburger für die jüngst im Wimbledon-Achtelfinale erlittene Fünf-Satz-Niederlage. Er führt im Head-to-Head nun mit 4:1. Die Entscheidung fiel im umkämpften, rund 16 Minuten dauernden sechsten Game des dritten Satzes, als Zverev letztlich seinen sechsten Breakball zum 4:2 nutzen konnte.

„Ich freue mich, dass ich im Halbfinale bin. Es war ein schwieriges Match, das ich mir selber ein bisschen schwer gemacht habe“, meinte Zverev noch in der Halle und bezog sich auf einen verschlagenen Volley, der ihm einen Aufschlagverlust eingebracht hat. „Den würde jeder einzelne Zuschauer hier ins Feld spielen“, meinte er lachend zu den Fans. „Man sieht halt, dass auch Profis Menschen sind.“ Zverev war äußerst offen in seiner Analyse. „Ich bin froh, dass ich weiter bin, weil um ehrlich zu sein, ich habe mir irgendwann auch in die Hose geschissen Anfang des dritten Satzes.“

Vor dem nächsten Duell mit Alcaraz, den er in der ersten Acapulco-Runde dieses Jahr noch mit 6:3,6:1 vom Platz geschossen hatte, ist Zverev gewarnt. „Er hat sich seither extrem verbessert. Er hat das Viertelfinale der US Open erreicht und spielt das beste Tennis seines Lebens. Er wird sich noch enorm verbessern. Als ich noch so jung war, vor gefühlt sehr, sehr langer Zeit, da hat man keinen Druck.“ Und dies sehe man Alcaraz an. „Ich habe gesagt, 2023 wird er in den Top Ten stehen - vielleicht wird es auch noch schneller gehen.“ Zverev ist übrigens in den vergangenen 25 Partien 23-mal als Sieger vom Court gegangen. Und auch die Formkurve von Alcaraz steigt und steigt, für Samstag (14.00 Uhr/live ServusTV) wurde jedenfalls ein spannendes Semifinale erwartet.

Tiafoe wird neuerlich als allerdings gefährlicher Außenseiter in sein bisher wichtigstes Halbfinale auf der ATP-Tour gehen. Denn Jannik Sinner zeigte im letzten Viertelfinale gegen den Norweger Casper Ruud eindrucksvoll, warum er in diesem Jahr schon vier Turniere gewonnen hat. Der erst 20-jährige Italiener zog mit dem 7:5,6:1-Erfolg ohne Satzverlust ins Halbfinale ein und hat auch wichtige Punkte im Kampf um das „Masters“ in Turin geholt.

„Wir haben beide nicht so gut gespielt, es war nicht so viel Rhythmus. Ich hab besser aufgeschlagen als er. Das hat mir die Chancen gegeben, ihn öfters zu breaken“, meinte Sinner im Südtiroler Dialekt. Gegen Tiafoe erwartet er wieder ein schweres Match. „Wir haben zweimal gegeneinander gespielt, er ist ein Supertalent, es wird nicht einfach.“ Beide Matches gegen den US-Amerikaner waren 2019: Einmal ein Dreisatz-Sieg im Antwerpen-Viertelfinale und dann im ATP-Nachwuchs-Finals „NextGen“ setzte sich Sinner im Endspiel ebenfalls durch.


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