Tigray-Rebellen nehmen wichtige Stadt in Äthiopien ein

  • Artikel
  • Diskussion

Im Norden Äthiopiens haben Einheiten der Tigray-Volksbefreiungsfront (TPLF) nach eigenen Angaben Truppen der Zentralregierung zurückgedrängt und eine strategisch wichtige Stadt in der Region Amhara eingenommen. Die Stadt Dessie sei unter Kontrolle, sagte TPLF-Sprecher Getachew Reda am Samstag der Nachrichtenagentur Reuters. Nun rückten die TPLF-Einheiten auf die Stadt Kombolcha vor.

Vor etwa einem Jahr brachen in der Region Tigray Kämpfe zwischen Truppen der von der TPLF geführten Regionalregierung und der Zentralregierung unter Ministerpräsident Abiy Ahmed aus. Die Regionalregierung wurde zunächst vertrieben, die TPLF konnte aber die Kontrolle weitgehend zurückgewinnen und rückt in Nachbarregionen vor. Äthiopien, eine Föderation aus zehn ethnischen Regionen, wurde drei Jahrzehnte lang von Tigray und der TPLF dominiert, bis Abiy 2018 Ministerpräsident wurde und sie langsam aus den hohen Ämtern hinausdrängte.

Die Einnahme Dessies wäre ein großer strategischer Erfolg für die Einheiten aus Tigray. Truppen der Zentralregierung versuchen seit einiger Zeit, die TPLF-Kämpfer aus Amhara zu vertreiben. Dessie liegt rund 385 Kilometer von der Hauptstadt Addis Abeba entfernt. Es ist die südlichste Stadt, die die TPLF-Truppen bisher erreicht haben. Sie sind nicht nur in Amhara, sondern auch in die Nachbarregion Afar vorgedrungen. In den seit etwa einem Jahr dauernden Kämpfen wurden Tausende Menschen getötet, mehr als zwei Millionen Menschen flohen vor der Gewalt.

Ministerpräsident Abiy gehört der Bevölkerungsmehrheit der Oromo an und hat auch familiäre Wurzeln in Amhara. 2019 erhielt Abiy den Friedensnobelpreis für seine Bemühungen um Aussöhnung mit dem Nachbarland Eritrea.


Kommentieren


Schlagworte