Auch NÖ führt 2G für Nachtgastro und Großveranstaltungen ein

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Niederösterreich ist am Samstag dem Vorbild mehrerer anderer Bundesländer gefolgt und hat Verschärfungen der Corona-Maßnahmen angekündigt. Ab 8. November ist für die Nachtgastronomie und bei Großveranstaltungen ab 500 Personen eine 2G-Pflicht vorgesehen. Außerdem kommt eine FFP2-Maskenpflicht im gesamten Handel sowie in Museen und Bibliotheken. Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) forderte unterdessen bundesweit einheitliche Regelungen.

Die Nachtgastronomie sowie größere Veranstaltungen können ab 8. November auch in Niederösterreich nur mehr geimpft oder genesen besucht werden. Die strengere Maskenpflicht ist sowohl für Geimpfte, Getestete als auch für Genesene vorgesehen - und auch in Einkaufszentren und Markthallen, wie Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf (ÖVP) und Gesundheitslandesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ) in einer Aussendung betonten. Begründet wurde der Schritt u.a. mit der Lage in den Spitälern. Es könne aktuell für manche Bereiche nicht mehr ausgeschlossen werden, dass in absehbarer Zeit Routineoperationen verschoben werden müssen. Verwiesen wurde darauf, dass in Niederösterreich mit Stand Samstag 216 Covid-Patienten auf Normal- und 51 auf Intensivstationen behandelt wurden. Zudem befand sich die Zahl der Neuinfektionen mit 1.076 im vierstelligen Bereich.

Ziel sei es, die „Kliniken in den nächsten Wochen nicht wieder an den Rand des Möglichen“ zu bringen, ergänzte Königsberger-Ludwig. Im Zentrum der Bemühungen des Landes steht laut Aussendung weiter die Erhöhung der Impfquote. Verwiesen wurde aber auch auf eine breite Testpalette. So werden ab Mitte November in Kooperation mit der Handelskette Spar und dem Biotechnologieunternehmen Novogenia in allen Bezirkshauptstädten PCR-Gurgeltests angeboten.

Kritik an den Maßnahmen kam am Samstagabend von FPÖ-NÖ-Chef Udo Landbauer. Die geplanten Schritte würden der „ohnehin angeschlagenen Nachtgastronomie den Todesstoß versetzen und die Christkindlmärkte massiv beeinträchtigen“, hielt er in einer Aussendung fest. Die Verschärfung entbehre jeglicher Grundlage.

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Niederösterreich reiht sich mit der Ankündigung unter die zuvor sechs Länder ein, die bereits schärfere Maßnahmen eingeführt bzw. angekündigt haben als jene, die der Bund aktuell als Mindeststandard vorsieht. In Wien gelten schon lange strengere Vorgaben, etwa die FFP2-Pflicht im gesamten Handel sowie 2G in der Nachtgastronomie. Vergangene Woche zog dann die Steiermark nach und kündigte ab 8. November ebenfalls die 2G-Regel für Nachtgastronomie und Events mit mehr als 500 Personen an, außerdem die FFP2-Maskenpflicht. Am Freitag setzten dann auch die Länder Tirol, Oberösterreich und Kärnten ähnliche bzw. die gleichen Schritte, wobei die strengere FFP2-Maskenpflicht in Oberösterreich gleich am Freitag in Kraft trat. Während Tirol und Oberösterreich die weiteren Schritte mit 8. November vorgesehen haben, will Kärnten die Verschärfungen schon am 4. November umsetzen. Und im Bundesland Salzburg ist die FFP2-Pflicht bereits etabliert.

Mit den Maßnahmen greifen die Bundesländer (abgesehen von der FFP2-Pflicht) wohl nur den ohnehin bevorstehenden Verschärfungen seitens des Bundes vor: Die von den Ländern angekündigten Schritte ab 4. bzw. 8. November könnten durchaus vom Stufenplan des Bundes überholt werden. Denn im Gesundheitsministerium rechnet man mit einem raschen weiteren Anstieg der Corona-Patienten an den Intensivstationen: In den kommenden Tagen dürften 300 Covid-Intensivpatienten und damit Stufe zwei erreicht werde. Sieben Tage nach Überschreiten dieser Marke gilt österreichweit die von den Ländern ins Auge gefasste 2G-Regel in Nachtgastronomie und bei Großveranstaltungen ab 500 Personen. Aktuell werden 273 Personen auf Intensivstationen betreut. Diese Zahl sank im Tagesvergleich zwar um sieben Betroffene, stieg aber innerhalb einer Woche um 46 Patienten.

Die Verschärfungen könnten freilich sogar noch schneller kommen, denn Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein erwartet schon Ende kommender Woche/Anfang übernächster Woche, dass man mit einer Belegung von 400 Intensiv-Betten konfrontiert sein dürfte. Ab dieser Marke greift dann Stufe 3 - und das sofort. Dann würde auch gleich die zweite Stufe mit in Kraft treten, selbst wenn noch keine sieben Tage seit Überschreiten der 300er-Marke verstrichen sind. Zusätzlich brächte die Stufe 3 auch das komplette Aus für die Gültigkeit von Antigentests in ganz Österreich. Zutritt hätten damit überall nur mehr Geimpfte, Genesene oder Personen mit aktuellem PCR-Test.

Aktuell orientieren sich nur mehr Vorarlberg und das Burgenland an den vom Bund vorgegebenen Mindest-Maßnahmen. In Vorarlberg soll die Corona-Lage hinsichtlich neuer Verschärfungen Anfang nächster Woche neu beurteilt werden - abhängig von der Entwicklung der Sieben-Tages-Inzidenz sowie von der Situation in den Spitälern. Im Burgenland sind vorerst keine Verschärfungen geplant, man will aber auch dort die Situation genau im Auge behalten.

Wiens Bürgermeister Ludwig appellierte unterdessen in einem schriftlichen Statement gegenüber mehreren Medien sowie gegenüber der APA an die Bundesregierung, „klare, bundeseinheitliche Regelungen im Sinne der Sicherheit der Bevölkerung“ festzuschreiben und umzusetzen. Nur durch eine rasche Rückkehr zu strengeren, bundeseinheitlichen Maßnahmen könne die Entwicklung der vierten Welle und deren Auswirkungen nachhaltig eingedämmt werden, hieß es aus dem Wiener Rathaus. Damit solle auch verhindert werden, dass Österreich immer weiter zu einem „Fleckerlteppich“ von unterschiedlichen Regelungen wird.

Auch verwies sein Büro auf die seit längerem strengere Linie in der Bundeshauptstadt: Mit diesem „Weg der Sicherheit“ habe man recht behalten, hieß es mit Blick auf die 7-Tages-Inzidenz, bei der Wien aktuell den niedrigsten Wert aller Bundesländer aufweist.


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