Künstler schafft umgekehrte Graffiti im Fußballfeldformat

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Sein jüngstes Werk ist sein bislang größtes: Es prangt auf einer riesigen Staumauer auf einer Fläche von rund sieben Fußballfeldern. Etliche Wochen hat Künstler Klaus Dauven (55) mit seinem Team im französischen Vouglans daran gearbeitet. 2.500 Lasermesspunkte mussten gesetzt werden - und das Unwetter Mitte Juli machte zwei Wochen Arbeit zunichte. „Nach dem großen Regen konnten wir von vorne anfangen“, berichtet Dauven. Aber nun ist „La Forêt“ („Der Wald“) vollendet.

Gerade ist Dauven aus Frankreich zurück in Deutschland. „Meine Kunstwerke sind teilweise recht großformatig“, sagt er. Dauven gilt als Pionier der zur Street Art zählenden Kunstform „Reverse Graffiti“ (umgekehrte Graffiti).

Dauven kommt aus der Kunst-, nicht aus der Sprayerszene und sieht sich damit in der Tradition des „Sprayers von Zürich“, Harald Naegeli, hat aber seine eigene Methode entwickelt. Bei „Reverse Graffiti“ werden Wände nicht mit Farbe besprüht, sondern mit Hochdruckreinigern bearbeitet. Mit gewaltigem Druck von 250 bar schneidet und spritzt ein Wasserstrahl abgelagerten Dreck und Patina von Jahrzehnten von den Oberflächen. So entstehen Dauvens scherenschnittartige Motive.

„Reverse Graffiti“ habe er nicht ganz allein erfunden, räumt Dauven ein: „Unabhängig von mir ist auch der Engländer Paul „Moose“ Curtis etwa zur gleichen Zeit auf die Idee gekommen.“ Es war 1997, als Dauven, der an der Kunstakademie in Düsseldorf und in Münster studiert hat, auf die Idee kam.

Damals zeichnete er auf einem fast zwei mal zwei Meter großen Papierbogen, wobei viel Kohlestaub anfiel. „Mir ist eine Zeichnung misslungen. Als ich den Staub mit einem Staubsauger vom Papier gesaugt habe, war die Idee da.“

Weil Dauvens Kunstform sehr aufwendig und schwer verkäuflich ist, ist er auf einen Sponsor angewiesen, um seine Werke zu realisieren. Ein deutscher Hersteller von Hochdruckreinigern unterstützt ihn, wenn er - wie in Frankreich - mit mehreren Industriekletterern, weiteren Helfern und 100 Meter langen Wasserschläuchen unterwegs ist.

Inzwischen hat der 55-Jährige große Werke in Deutschland, Frankreich, Japan und Südkorea realisiert. Er wurde auf Brücken, Staumauern und Hafenmolen kreativ, hinterließ Pflanzen, Tiere und Gesichter. Bei der Wahl der Motive lasse er sich vor allem vom Umfeld des Bauwerks inspirieren, sagt er.

Seine Kunstwerke sind vergänglich. „Das hängt von der Neigung der Mauern, der Himmelsrichtung und dem Klima ab. In Japan war meine Zeichnung auf einer Staumauer nach zwei Jahren komplett verschwunden, in der Eifel hat sie fünf bis sechs Jahre gehalten.“ Dokumentiert sind seine umgekehrten Graffiti aber als Fotografien in Bildbänden.

Was seine Werke von herkömmlichen Graffiti unterscheidet, sei auch die Akzeptanz: „Es gefällt auch den Leuten, die nicht so kunstaffin sind. Ich werde nicht angefeindet.“

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