Forscher hofft auf Bewusstseinsbildung durch Rax-Waldbrand

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Obwohl sich die Lage beim Waldbrand in Hirschwang bei Reichenau a.d. Rax (NÖ) entspannt hat, wird der Einsatz noch bis zum Wochenende dauern. Der für Harald Vacik von der Universität für Bodenkultur (Boku) Wien überraschende Großbrand könnte aber auch Positives mit sich bringen, wenn das Bewusstsein für derartige Gefahren in den Bevölkerung steigt. Waldbrände sind immerhin zu 85 Prozent von Menschen verursacht: „Das haben wir in der Hand“, so der Forscher.

Dass ein für Österreich so untypisch großer Waldbrand mit einer Fläche über 100 Hektar Ende Oktober entstehen kann, habe viele überrascht, so der Experte vom Institut für Waldbau der Boku. Trotz Trockenheit lag die Einschätzung der Waldbrandgefahr bei eher „mäßig“. Richtige Extrembedingungen haben zumindest in der Gesamteinschätzung nicht geherrscht: „Man sieht aber, wie bedeutend kleinklimatische Bedingungen bei der Waldbrandgefahr sind.“

Hier handle es sich um einen Schwarzkiefern-Wald auf einem Südhang, wo mitunter kurze Zeiträume für die Austrocknung reichen. Dazu kommt die Hanglage mit mitunter starken Aufwinden, die aus einem eher leicht zu kontrollierenden kleinen Brand ein flächiges Feuer machen können. „Das war für die Feuerwehren in dieser Dimension vermutlich unüblich“, sagte Vacik im Gespräch mit der APA. Unter „normalen“ Bedingungen im Oktober mit höherer Luftfeuchtigkeit sei so etwas kaum möglich.

Die Modellrechnungen der Forscher zeigen aber für den Osten Österreichs, dass sich das Risiko insgesamt erhöht. Die Klimaänderung könnte in den nächsten 50 Jahren um die 50 bis 60 zusätzliche Tage Waldbrandgefahr in der höchsten Stufe bringen. „Ja, wir werden solche Bedingungen öfters haben. Ob es aber vermehrt zu Waldbränden kommt, hängt natürlich von uns Menschen ab“, betonte der Wissenschafter.

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Der große Brand im südlichen Niederösterreich könne vielleicht das Bewusstsein dahin gehend stärken, künftig vorsichtiger zu sein. Nahezu jedem Skifahrer ist klar, wie man sich bei erhöhter Lawinenwarnstufe zu verhalten hat. Auch im Wald müsse man sein Risikoverhalten anpassen, sich informieren, wie die Risikolage ist, und sich dementsprechend verhalten. Derartige tragische Ereignisse könnten durchaus zu mehr Achtsamkeit führen, damit es auch bei erhöhter Gefahr nicht zu solchen Bränden kommt, hofft der Forscher.

Was sich nach dem Ende des Feuers auf der abgebrannten Fläche tut, sei noch schwer abzuschätzen. Dort, wo es Bodenfeuer gab, kann die starke Borke die Schwarzkiefern durchaus geschützt haben. Wo die Baumkronen gebrannt haben, sehe dies anders aus. Vacik und Kollegen werden diese Entwicklungen auch im Rahmen eines Monitorings wissenschaftlich nachverfolgen. Es gelte herauszufinden, unter welchen Umständen Bäume absterben und was sie am Leben hält. Dazu gebe es in Österreich - auch aus Ermangelung solcher Großbrandereignisse - eher wenige Erfahrungswerte.

Sollte mancherorts wirklich der ganze Humus verbrannt sein und es folgt in der nächsten Zeit Starkregen, könne dies zum „Worst case“ führen, „dass es ganz schwierig ist, das wieder zu regenerieren“, sagte Vacik. Komme der nackte Fels zum Vorschein, spreche man von Jahrzehnten, bis es dort über zuerst Gras und Sträucher wieder zu einer Baumvegetation kommt. Eine Frage sei auch, welche Schäden das Löschen mit Millionen Litern Wasser da und dort verursacht hat. Letztlich können die Auswirkungen sehr unterschiedlich sein, so der Experte.

Einen nachhaltigen negativen Effekt über den unmittelbaren Brandort hinaus befürchtet Vacik nicht: „Das Problem ist aber, wenn auf diesen steilen Lagen der Wald abbrennt und er dann seine Steinschlags-, Erosions- und Murenschutzfunktion nicht mehr wahrnehmen kann.“ Bis dies wieder gegeben ist, kann es tatsächlich Jahrzehnte dauern, da ein Jungwald dies nicht leisten kann.


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