Ausreisekontrollen für Tiroler Bezirke Landeck und Reutte

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Wegen der steigenden Corona-Infektionszahlen kommt es nun auch in Tirol zu Ausreisekontrollen. Diese betreffen die eine hohe Inzidenz aufweisenden Bezirke Landeck und Reutte im Außerfern und gelten ab Freitag, teilte Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) am Mittwoch bei einer Pressekonferenz im Innsbrucker Landhaus mit. Für das Verlassen der Bezirke wird ein gültiger 3G-Nachweis notwendig sein. Indes will sich Platter für bundesweit einheitliche Regeln einsetzen.

Man muss beim Verlassen der Bezirke Reutte und Landeck entweder geimpft oder genesen sein oder einen negativen Corona-Test vorweisen. Vorerst gelte auch noch ein negativer Antigen-Test, sagte der Landeshauptmann. Er rechnete aber damit, dass es wegen des Anstiegs bei den Intensivkapazitäten der Krankenhäuser „nicht mehr viele Tage dauern wird“, bis Stufe 3 des Plans der Bundesregierung in Kraft tritt - und damit Antigen-Tests „der Vergangenheit angehören“. Dann wird bei den Ausreisekontrollen nur mehr ein negativer PCR-Test gültig sein. Der Bezirk Reutte weise derzeit eine Inzidenz von 774 auf, der Bezirk Landeck von 667. Für ein Ende der Ausreisekontrollen wäre nötig, dass die Inzidenz unter 500 sinkt bzw. die Impfquote erhöht wird.

Einmal mehr appellierte Platter an die Bevölkerung, sich impfen zu lassen. „Ich habe überhaupt kein Verständnis für Impfverweigerer“, erklärte der Landeshauptmann. Platter verwies unter anderem auf die Beispiele Spanien und Portugal, wo die Impfquote wesentlich höher sei als in Österreich. Portugal habe beispielsweise bereits alle Maßnahmen aufheben können. Dort könne man wieder ein „normales Leben“ führen. Für Gesundheitslandesrätin Annette Leja (ÖVP) stand mittlerweile fest: „Impfen ist eine moralische Verpflichtung“. Bis Mitte November werde eine Auslastung von 33 Prozent auf den Intensivstationen erwartet, berichtete sie.

Angesichts der Verschärfungen der Corona-Regeln, die der Großteil der Bundesländer vergangene Woche auf eigene Faust beschlossen hat, will sich Platter als Vorsitzender der Landeshauptleute-Konferenz am Freitag bei einem Bund-Länder-Gipfel für einheitliche Maßnahmen in Österreich einsetzen. Auch Tirol hatte vergangenen Freitag angekündigt, ab 8. November u.a. eine 2G-Regel in der Nachtgastronomie und bei Großveranstaltungen einzuführen.

Um dem steigenden Bedarf an PCR-Tests gerecht zu werden und weil Antigentests voraussichtlich bald ungültig sein werden, werden ab 12. November alle Teststraßen des Landes komplett auf PCR-Tests umgestellt, sagte Elmar Rizzoli vom Corona-Einsatzstab des Landes. Die Labore haben die Vorgabe, binnen 14 Stunden das Ergebnis des Abstriches zu liefern, derzeit verzeichne man in den Teststraßen eine Auslastung von 25 Prozent. Darüber hinaus sollen noch im November 200 PCR-Selbsttestboxen aufgestellt werden, das Testangebot in den Apotheken bleibe weiterhin bestehen.

anmelden. Infektiologe und Direktor der Uni-Klinik für Innere Medizin, Günter Weiss, wies auf die Relevanz der dritten Impfung hin - sie sei eine „Grundimmunisierung“, wie man sie bereits bei vielen anderen Impfungen kenne. Während er im September noch gute Chancen auf einen Winter ohne große Einschränkungen sah, relativierte er dies nun etwas: „Jetzt wird es schon ziemlich sportlich“. Sozialkontakte seien jedoch wichtig, dennoch sollte man nun wieder vermehrt auf Abstände, Händehygiene und regelmäßiges Lüften achten.

Weiss betonte, dass man nun auf die Spitalskapazitäten achten müsse - immerhin seien Corona-Intensivpatienten sehr pflegeintensiv und würden lange Zeit auf der Station bleiben müssen. Man müsse nun Rücksicht auf das Krankenhauspersonal nehmen, das „psychisch und physisch“ stark belastet sei. In der kalten Jahreszeit würden „alle möglichen Krankheiten“ vermehrt auftreten, daher sei man im Spital auch ohne Corona mit den Kapazitäten am Limit, meinte er.

Der Infektiologe erklärte, dass man Impfmythen, dass die Impfung etwa nicht vor schweren Verläufen schütze oder zu Unfruchtbarkeit führen könne, entgegen treten müsse. Er räumte ein, dass die Wissenschaft das Virus „noch nicht einmal zwei Jahre kenne“, daher lerne man ständig dazu. Es gäbe „nichts, das zu 100 Prozent hilft“. Dennoch: „Die Impfung bietet einen guten Schutz vor Erkrankung und Tod“, hielt er fest. Etwa 80 bis 90 Prozent der schweren Erkrankungen durch Corona können durch die Impfung verhindert werden, war er überzeugt.


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