Diplomaten bemühen sich um Ende der Kämpfe in Äthiopien

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In Äthiopien bemühen sich Diplomaten fieberhaft um eine politische Lösung des eskalierenden Tigray-Konflikts. Der US-Sondergesandte für das Horn von Afrika, Jeffrey Feltman, wurde im Lauf des Donnerstags in der Hauptstadt Addis Abeba erwartet. Feltman will ein Ende der Kampfhandlungen zwischen Regierungstruppen und der Tigray-Volksbefreiungsfront (TPLF) sowie die Aufnahme von Gesprächen über einen Waffenstillstand erreichen.

Ugandas Präsident Yoweri Museveni rief zu einem Krisengipfel der ostafrikanischen Staaten für den 16. November auf. Kenias Präsident Uhuru Kenyatta forderte ein sofortiges Ende der Kämpfe. UN-Generalsekretär Antonio Guterres erklärte, er habe am Mittwoch mit Äthiopiens Ministerpräsident Abiy Ahmed gesprochen und ihm angeboten zu vermitteln. Befürchtet wird, dass die TPLF schon bald auf die Hauptstadt vorrückt. Die US-Botschaft in Addis Abeba zeigte sich besorgt und stellte es Teilen ihrer Beschäftigten und deren Angehörigen frei, das Land am Horn von Afrika zu verlassen. Dies gelte für nicht essenzielle Mitarbeiter und deren Familien sowie die Familien der Beschäftigten, die für den Betrieb der Botschaft unverzichtbar seien. Zugleich warnte die Botschaft vor Reisen nach Äthiopien, da eine Eskalation der Lage absehbar sei.

Das Außenministerium in Wien warnt bisher mittels partieller Reisewarnung auf seiner Homepage vor Reisen in die Regionalstaaten Somali, Gambella, Tigray und Benishangul-Gumuz sowie für die Grenzregion zum Sudan und für die an Tigray angrenzenden Gebiete in den Regionen Afar und Amhara.

Der Konflikt dauert mittlerweile bereits ein Jahr an. Damals war die Regionalregierung in Tigray zunächst von Truppen der Zentralregierung wegen ethnischer Spannungen vertrieben worden. Die TPLF konnte aber die Kontrolle weitgehend zurückgewinnen und rückte in die Nachbarregionen vor. Zuletzt konnte sie die strategisch wichtigen Städte Dessie und Kombulcha erobern, die etwa 380 Kilometer von Addis Abeba entfernt liegen. Äthiopien, eine Föderation aus zehn ethnischen Regionen, wurde drei Jahrzehnte lang von Tigray und der TPLF dominiert, bis Abiy 2018 Ministerpräsident wurde. Er gehört der Bevölkerungsmehrheit der Oromo an und hat auch familiäre Wurzeln in Amhara. 2019 erhielt Abiy den Friedensnobelpreis für seine Bemühungen um Aussöhnung mit dem Nachbarland Eritrea.

Mittlerweile schlägt Abiy aber andere Töne an. Am Mittwoch kündigte er an, den Kampf gegen die Tigray-Rebellen mit unverminderter Härte bis zum Ende führen. Die Regierung werde ihre Feinde „mit unserem Blut“ beerdigen, sagte er. Seit Beginn der Kämpfe wurden Tausende Menschen getötet und mehr als zwei Millionen aus ihrer Heimat vertrieben. 400.000 Menschen droht der Hungertod.


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