Zeitlos: Fassbaender inszenierte „Figaro“ in Klagenfurt

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„Klar und transparent“ wollte Regisseurin Brigitte Fassbaender Mozarts „Le nozze di Figaro“ in Szene setzen. Bei der Premiere Donnerstagabend im Stadttheater Klagenfurt irritierten aber unmotivierte Nebenhandlungen und Videoprojektionen, die eher an Tschechow als an eine Opera buffa denken ließen. Eine starke Sängerriege und das zupackende Dirigat von Nicholas Milton machten den Abend dennoch zum Erlebnis.

Der „Figaro“ ist eine der meistgespielten und beliebtesten Opern von Wolfgang Amadeus Mozart, die er mit Librettist Lorenzo da Ponte nach einer Komödie von Beaumarchais schrieb. Das Verwirr- und Intrigenspiel rund um das einander entfremdete Adelspaar Almaviva und das Diener-Paar Figaro und Susanna würde keiner heutigen „Me too“-Diskussion standhalten. Wozu die zeitlos modernen Kostüme (von Camouflage-Hose bis Daunenjacke) die Handlung ins Heute verlegen, erschließt sich nicht. Ebenso wenig wie die schwarz-weißen Videoprojektionen von Militärstiefeln und Winterwald. Die luftigen, einsichtigen Räume des Bühnenbilds (Dietrich von Grebmer) sind dem Kärntner Barockschloss von Rosegg nachempfunden - samt angedeutetem Gartenlabyrinth im vierten Akt.

Der hochgefahrene Orchestergraben lässt die Kontraste der großartigen Partitur strahlen, die der neue musikalische Leiter Nicholas Milton mit dem Kärntner Sinfonieorchester feinsinnig ausleuchtet. Soloinstrumente stechen hervor, zügige Tempi treiben das Geschehen voran, wortdeutlich und klar sind die Sängerschauspieler zu verstehen.

Gesanglich und darstellerisch beeindruckt Matilda Sterby als unglücklich liebende Gräfin mit Stimmstärke und Eleganz à la Grace Kelly. Dara Savinova in der Hosenrolle des Cherubino (die übrigens auch Brigitte Fassbaender mehrfach verkörpert hat) gibt mit Barbarina Lisa Marie Lebitschnig ein queeres Pärchen ab. Wilfried Zelinka, der coronabedingt kurzfristig in der Titelrolle eingesprungen ist, meistert die Herausforderung bravourös. An seiner Seite überzeugt Sarah Gilford als seine quirlig-resolute Braut Susanna. Karikaturhaft, wenig bedrohlich aber stimmlich souverän wirkt German Enrique Alcantara als Graf Almaviva, Christa Ratzenböck ist eine spielfreudige Marcellina im Business-Anzug. Die ansprechende Ensembleleistung wird durch den Chor des Hauses (Choreinstudierung: Günter Wallner) solide ergänzt.

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Zu Beginn hatte Hausherr Aron Stiehl, der die Umbesetzung der Titelpartie bekannt gab, eindringlich aufgerufen: „Impfen schützt nicht nur Sie selbst, sondern auch die Kultur!“ Nach dreieinviertel Stunden bedankte sich das Publikum mit freundlichem Applaus.

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