Außenminister Linhart in Tadschikistan

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Ganz nach oben schaffte es am Samstag Außenminister Michael Linhart (ÖVP) bei seinem Besuch im zentralasiatischen Staat Tadschikistan. Nach einem Treffen mit Außenminister Sirojiddin Muhriddin besuchte Linhart den rund 50 Kilometer von der Hauptstadt Duschanbe entfernten Nurek-Staudamm, der gerade vom österreichischen Technologiekonzern Andritz inspiziert, saniert und modernisiert wird.

„Ein österreichisches Vorzeigeprojekt“, freute sich Linhart bereits am Vormittag (Ortszeit) bei einem gemeinsamen Pressestatement mit Muhriddin. Der Nurek-Staudamm am Fluss Wachsch wurde zwischen 1961 und 1980 in Sowjetzeiten erbaut, mittlerweile ist er für Tadschikistan standesgemäß mit einer Huldigung für den seit 1994 regierenden und im Land auf Plakaten allgegenwärtigen Langzeitpräsidenten Emomali Rachmon geschmückt. Mit einer Höhe von 300 Metern handelt es sich - gemeinsam mit dem Speicherkraftwerk Jinping I in China - aktuell um die höchste Talsperre der Welt.

Allerdings wird ihr dieser Rang in naher Zukunft von dem ebenfalls am Wachsch im Bau befindlichen Rogun-Damm streitig gemacht werden. Dieser wurde ebenfalls bereits zu UdSSR-Zeiten projektiert, wird aber erst seit Kurzem am Oberlauf des Flusses errichtet und soll im Endstadium einmal eine Höhe von 335 Metern erreichen.

Der Wachsch-Fluss mündet in den Amudarya, der in weiterer Folge nach Usbekistan fließt und dort der Bewässerung von Baumwoll- und Reisfeldern dient. In Taschkent klingelten daher die Alarmglocken: Die geplante Befüllung des knapp zwölf Quadratkilometer großen Staubeckens am Rogen-Damm werde mindestens fünf Jahre dauern, so das Argument.

Dies könne erhebliche Probleme für die Wasserversorgung der Felder mit sich bringen, wovon Millionen Menschen betroffen wären. Schon heute leiden die Usbeken unter Wassermangel. Der Amurdaya - einstmals größter Strom Zentralasiens - versiegt, lange bevor er den Aralsee erreicht. Über diesem braute sich früher ein Viertel jenes Niederschlags zusammen, der in den zentralasiatischen Bergen die Flüsse füllte.

Die usbekische Regierung legte daher Protest gegen das Rogun-Projekt ein, große diplomatische Spannungen blieben aber bisher durchaus unerwartet aus. Laut Medienberichten könnte das auch daran liegen, dass eine bilateral agierende Kommission geplant ist, um die hydrotechnischen und ökologisch-ökonomischen Risken zu untersuchen.

Der gigantische Speicherraum des Nurek-Stausees wiederum beträgt laut Internetquellen 10,5 Milliarden Kubikmeter, die Wasseroberfläche 98 Quadratkilometer. Das Reservoir dient auch der Bewässerung von 650.000 Hektar landwirtschaftlicher Fläche.

Mit einer Leistung von drei Gigawatt ist Nurek aktuell das größte Wasserkraftwerk Zentralasiens und deckt mehr als 70 Prozent des Strombedarfs von Tadschikistan. Der vom Kraftwerksbetreiber „Barqi Tojik“ an Andritz vergebene Sanierungsauftrag soll in zwei Phasen bis 2029 abgeschlossen werden und hat einen Wert von insgesamt rund 250 Millionen Euro.

Der Auftrag umfasst unter anderem die Erneuerung von Druckrohrleitungen und Wasserturbinen und soll die Leistung des Mega-Kraftwerks um rund zwölf Prozent steigern. „Das Herz kommt neu“, brachte es ein Kärntner Mitarbeiter von Andritz Hydro, der schon seit zwei Jahren auf der Baustelle stationiert ist, auf den Punkt. „Dann soll das alles wieder 50 Jahre halten.“ Dass seine Prognose eintrifft, davon ist der Techniker überzeugt. „Das ist ein weiches Wasser hier“, lautet die Begründung. Dass sich dadurch relativ wenig Sedimente im Stausee ansammeln würden, gebe der Technik eine längere Lebenserwartung.

Die Gesamtleistung wird Andritz zufolge nach der Sanierung circa 3,4 Gigawatt betragen. Das entspreche in etwa der Leistung von drei Kernkraftwerksblöcken und stelle die Versorgung von rund sechs Millionen Haushalten mit Strom sicher. Die Wasserkraft werde damit als nachhaltige Energiequelle und wichtiger Wirtschaftsfaktor in Tadschikstan weiter etabliert.

Dieser Großauftrag sowie andere in Abwicklung befindlichen Projekte in Kasachstan, Kirgistan, Pakistan und Usbekistan würden die gute Marktposition des Konzerns in der „wichtigen Region Zentralasien“ stärken, wurde von Andritz anlässlich der Ministervisite betont.

Außenminister Linhart wird bei seiner insgesamt sechstägigen Reise mit den Stationen Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan und Turkmenistan von einer Wirtschaftsdelegation begleitet. Daher stehen auch Termine im Rahmen des vom Außenministerium gemeinsam mit der Österreichischen Wirtschaftskammer (WKO) lancierten Corona-Wiederaufbauprojekts „ReFocus Austria“ am Programm. Ein Schwerpunkt ist dabei auch die Vorstellung von österreichischem Know-how im Bereich Wasserkraft.


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