Gastgeber Johnson fordert mehr Ehrgeiz bei Klimagipfel

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Der britische Premier Boris Johnson hat zur Halbzeit der Weltklimakonferenz COP26 in Glasgow zu mehr Ehrgeiz bei den Verhandlungen aufgerufen. „Die COP26 hat noch eine Woche Zeit, um für die Welt zu liefern, wir müssen alle an einem Strang ziehen und die Ziellinie ansteuern“, sagte der Gipfel-Gastgeber in London. Johnson äußerte sich am Ende eines globalen Aktionstags, bei dem Tausende Menschen weltweit für Ergebnisse in Glasgow demonstriert hatten.

Es habe in der ersten Woche einige konkrete Ankündigungen gegeben, etwa zum Stopp der Entwaldung oder zur Reduktion des schädlichen Treibhausgases Methan. „Aber wir dürfen die Aufgabe, das 1,5-Grad-Ziel am Leben zu erhalten, nicht unterschätzen“, sagte Johnson. Es brauche „große Kompromisse und ambitionierte Verpflichtungen“.

In Glasgow verhandeln derzeit Vertreterinnen und Vertreter von rund 200 Nationen darüber, wie die in Paris beschlossenen Klimaziele erreicht und konkret umgesetzt werden sollen. Die bisherigen Pläne der Staaten reichen dafür bei weitem nicht aus. Der oppositionelle britische Labour-Politiker Ed Miliband forderte Johnson auf, selbst das Ruder zu übernehmen und die Verhandlungen nach vorne zu bringen.

Tausende Menschen in aller Welt hatten am Samstag mit großen Protestaktionen ihre Forderung nach mehr Klimaschutz bekräftigt. Im Zuge eines globalen Aktionstages zogen allein Zehntausende Demonstranten durch das schottische Glasgow, wo seit einer Woche die Weltklimakonferenz COP26 stattfindet. Ausgestattet mit Flaggen und Schildern mit Klimabotschaften forderten die Protestteilnehmer zur Halbzeit der Konferenz mehr Klimagerechtigkeit für Menschen in ärmeren Regionen.

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Während der Himmel am Nachmittag etwas aufklarte, sprachen die Organisatoren der „COP26 Coalition“ von mehr als 100.000 Teilnehmern bei dem Protestmarsch in der schottischen Großstadt. Die Polizei teilte zunächst keine Schätzung zur Teilnehmerzahl mit. Auch anderswo in der Welt kamen Tausende Menschen für Klimademos zusammen, unter anderem in Amsterdam und vielen britischen Städten.

„Systemwandel, nicht Klimawandel!“, stand auf einem großen Banner an der Spitze eines Protestmarsches in London. Ähnliche Botschaften fanden sich auch anderswo. Überall riefen Teilnehmerinnen und Teilnehmer zudem einen der bekanntesten Slogans der Klimabewegung: „Was wollen wir? Klimagerechtigkeit! Wann wollen wir sie? Jetzt!“ Mehr als 300 Aktionen waren nach Angaben der Veranstalter für den Samstag rund um den Globus geplant gewesen.

In Amsterdam demonstrierten Tausende für mehr Klimaschutz. „Rettet die Umwelt, rettet die Erde“ oder „Rettet unsere Zukunft“ stand auf den Transparenten der vielfach jungen Teilnehmer des Demonstrationszugs am Samstag durch die niederländische Hauptstadt. Die Organisatoren sprachen von geschätzt 40 000 Teilnehmern, die Polizei und die Stadt machten dazu zunächst keine Angaben, wie der öffentlich-rechtliche Sender NOS berichtete. Auf die Frage, was ihr am meisten Sorge mache, sagte eine Jugendliche: „Einfach, dass die Niederlande vollkommen überflutet werden, und dass die Welt vollkommen kaputt geht.“

„Die Ära der Ungerechtigkeit ist vorbei“, schrieb die „COP26 Coalition“, die ein Netzwerk verschiedener Organisationen und Kampagnen darstellt, auf Twitter. „Wir brauchen Klimaschutz, der für alle von uns funktioniert, nicht nur für die Leute mit dem meisten Geld in der Tasche.“

Viele Staaten etwa in Afrika, Asien und Südamerika spüren die Klimakrise bereits heute sehr stark - obwohl diese Länder mit ihren weitaus geringeren Emissionen deutlich weniger zum Klimawandel beigetragen haben als Industriestaaten wie Deutschland und die USA. Die Klimabewegung Fridays for Future fordert deshalb, dass reichere Staaten entscheidend mehr für das Klima tun und zudem genügend Geld bereitstellen, damit ärmere Länder mit den Folgen des Klimawandels fertig werden können.

Passend dazu rief der britische Schauspieler Idris Elba („Luther“) auf der Klimakonferenz dazu auf, die Stimme schwarzer Menschen in der Klima-Debatte stärker zu berücksichtigen. Elba ist wie seine Frau Sabrina „Botschafter des guten Willens“ für den UN-Hilfsfonds für landwirtschaftliche Entwicklung (IFAD). Wie er betonte auch die ugandische Klimaaktivistin Vanessa Nakate, dass der globale Süden „an vorderster Front der Klimakrise und Versorgungskrise“ stehe. Das spiegele sich aber nicht auf den Titelseiten der Zeitungen wider, kritisierte sie.

Nakate hatte den Medien vergangenes Jahr Rassismus vorgeworfen, weil sie aus einem Foto mit anderen prominenten Klimaaktivistinnen wie Greta Thunberg und Luisa Neubauer herausgeschnitten worden war. Auch Elba bezog sich auf dieses Foto, das 2020 beim Weltwirtschaftsforum in Davos entstanden war: Die Medien würden „nicht nur Vanessa herausschneiden, sondern einen ganzen Kontinent“, sagte er.

Bei der Klimakonferenz COP26 ringen rund 200 Staaten in Glasgow darum, wie das Ziel noch erreicht werden kann, die Erderwärmung auf ein erträgliches Maß von maximal 1,5 Grad zu begrenzen. Geplantes Ende der Konferenz ist der 12. November.

Bereits am Freitag hatten Tausende Menschen bei einer Klimademo in Glasgow mehr Tempo von den Staaten beim Klimaschutz gefordert. Die führende Klimaaktivistin Greta Thunberg aus Schweden hatte in einer Rede vor den Demonstranten erneute Kritik an der Konferenz geäußert. Es handle sich um „ein Greenwashing-Festival des globalen Nordens, eine zweiwöchige Feier des Business as usual und des Blablabla“, sagte sie. Auch bei dem Protest am Samstag sollte sie dabei sein.


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