Äthiopienhilfe „Menschen für Menschen“ wird 40

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Die Hilfsorganisation „Menschen für Menschen“ - Karlheinz Böhms Äthiopienhilfe - wird am kommenden Samstag 40 Jahre alt. Böhm gründete die Organisation am 13. November 1981. Zu diesem Anlass zog die Hilfsorganisation eine erfreuliche Bilanz und lädt Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter in den Wappensaal des Wiener Rathauses.

„Auch wenn es - wie aktuell - immer wieder turbulente Zeiten gab, konnten wir gemeinsam mit den Menschen vor Ort und unseren Unterstützerinnen und Unterstützern viel erreichen“, sagte Alexandra Bigl, Vorstand von „Menschen für Menschen“ in Österreich, unter Bezugnahme auf den Konflikt zwischen Zentralregierung und Rebellen aus Tigray.

Die Organisation leistet nach eigenen Angaben seit 40 Jahren „Hilfe zur Selbsthilfe“ in Äthiopien, wodurch ganze Regionen langfristig entwickelt werden. Gemeinsam mit der Bevölkerung werden Maßnahmen aus den Bereichen Landwirtschaft, Wasser, Bildung, Gesundheit und Einkommen miteinander verbunden und umgesetzt. Insgesamt profitieren heute rund sechs Millionen Menschen in Gebieten mit einer Gesamtfläche von 60.000 Quadratkilometern - mehr als zwei Drittel der Fläche Österreichs - von der Arbeit der Organisation. 13 der 25 Projektregionen wurden bereits abgeschlossen und in die Verantwortung der Bevölkerung übergeben, so „Menschen für Menschen“.

Seit Gründung der Hilfs-NGO wurden beispielsweise 2.751 Brunnen und Quellfassungen, 103 Krankenstationen und Kliniken sowie 458 Schulen errichtet. Zudem erhielten über 30.200 Frauen einen Mikrokredit, rund 68.800 Menschen eine Augenlicht rettende Operation und 743 Baumschulen wurden eingerichtet sowie über 266 Millionen Baumsetzlinge ausgegeben bzw. gepflanzt, teilte die Organisation mit.

Die militärischen Auseinandersetzungen in Äthiopien haben sich mittlerweile auf andere Landesteile ausgeweitet und die weitere Entwicklung sei zurzeit nicht absehbar, teilte „Menschen für Menschen“ mit. „Die aktuellen Entwicklungen in Äthiopien bereiten uns große Sorgen“, so Bigl. „Wir stehen im regelmäßigen Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen im Projektkoordinierungsbüro in Addis Abeba sowie in den Projektregionen. Die Organisation hat sich stets den Menschen verpflichtet und auch in der aktuellen Situation sehen wir es als unsere Aufgabe, die Menschen auch in den betroffenen Regionen bestmöglich zu unterstützen. Daher leisten wir soweit möglich auch Nothilfe.“

„Menschen für Menschen“ ist nach eigenen Angaben derzeit in keinen Projektregionen tätig, die sich in den betroffenen Gebieten befinden. In wenigen der Projektregionen in der Region Oromia komme es gegenwärtig zu einer angespannten Sicherheitssituation. Je nach Erfordernis sei in diesen Gebieten die Arbeit zum Schutz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eingeschränkt worden. In den zwei Projektregionen Wore Illu sowie Legehida, die von der deutschen Stiftung betrieben werden, wurde als Vorsichtsmaßnahme die Arbeit temporär ausgesetzt.

„Mittelfristig gehen wir jedoch davon aus, dass wir unsere Aktivitäten wieder ohne Einschränkungen aufnehmen und weiterführen können“, betonte Bigl. „‘Menschen für Menschen‘ hat in den vergangenen vier Jahrzehnten immer wieder unruhige Zeiten im Land miterlebt und sich als politisch, ethnisch und religiös neutrale Organisation dabei weiterhin für die Menschen engagiert.“

„Menschen für Menschen“ arbeitet nach eigenen Angaben an der Umsetzung einer Nothilfe in der Region Tigray. Um sicherzustellen, dass die Hilfsgüter auch tatsächlich bei den Menschen ankommen, die sie am dringendsten brauchen, würden Einkauf und Verteilung vom äthiopischen Team selbst übernommen. Die größte Herausforderung bestehe momentan darin, die Menschen mit den Hilfsgütern zu erreichen. Bis diese dringende Nothilfe umgesetzt werden kann, habe die Organisation Ende September bereits Soforthilfe für 6.200 geflüchtete Menschen geleistet, die behelfsmäßig in Schulen in der Region Amhara untergebracht waren.

Im Wiener Rathaus will die Hilfsorganisation am Samstag eine Brücke von den Anfangstagen Karlheinz Böhms in Äthiopien zu den Herausforderungen und Chancen in der Zukunft schlagen. „Vor dem Hintergrund der Entwicklungen in Äthiopien möchten wir unseren Unterstützerinnen und Unterstützern auch die Möglichkeit zum gemeinsamen Austausch bieten“, sagte Alexandra Bigl. Mit Expertinnen und Experten sowie langjährigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern werden dabei auch aktuelle gesellschaftliche Themen erörtert. Auf der Bühne wurden unter anderem Yilma Taye, Landesrepräsentant von „Menschen für Menschen“ in Äthiopien, Peter Krasser vom Verein Schule Äthiopien und Angela Kallhoff, Professorin für Ethik an der Universität Wien, erwartet. Durch den Abend führt ORF-Moderatorin Sandra Szabo. Für das künstlerische Rahmenprogramm sorgen Timna Brauer sowie das A-Cappella-Trio Insingizi.

Mit dem Gründungstag fällt auch der Startschuss für die Spenden-Aktion „40 Jahre Menschlichkeit“, die den Grundgedanken der Organisation in den Mittelpunkt stellt: „Einem Menschen zu helfen, verändert nicht die Welt. Aber es verändert die Welt für diesen einen Menschen.“ Das Kernstück der Aktion bildet eine Spendenseite, auf der auch Wegbegleiter und Unterstützer zu Wort kommen.

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