Sieg gegen Israel beschert ÖFB-Teamchef Foda Atempause

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Die Erleichterung war einigermaßen groß - auch beim Teamchef. Österreichs Fußball-Nationalmannschaft hat Franco Foda mit dem 4:2-Heimsieg am Freitag in der WM-Qualifikation gegen Israel eine Atempause beschert. Himmelhoch jauchzen wollte der Deutsche danach nicht, gilt es die ansprechende Leistung doch bereits am Montag (20.45 Uhr/live ORF 1) erneut in Klagenfurt gegen die Republik Moldau zu bestätigen. Und im WM-Play-off im März noch zu übertreffen.

Foda lobte nach den jüngsten Rückschlägen vor allem die Einstellung seiner Truppe. „Die Mannschaft war willig, sie wollte diesen Sieg unbedingt. Sie wollte es allen zeigen, dass sie besser Fußballspielen kann.“ Das gelang, die Fehlerzahl wurde von der ersten zur zweiten Hälfte reduziert, zweimal ein Rückstand aufgeholt. Der Jubel nach Schlusspfiff fiel ausgelassen aus, auch wenn in der Tabelle immer noch Rang vier steht. Foda: „Wir haben uns über den Sieg sehr gefreut. Wir haben ja zuletzt auch viel Kritik einstecken müssen.“

Seine Aussichten, auch im März im Play-off als Teamchef tätig zu sein, sind durch den Erfolg gestiegen. „Aber wir haben am Montag das nächste Spiel, da müssen wir die Leistung wieder abrufen und neu bestätigen“, betonte Foda. Mit den Moldauern wartet ein sehr defensiv eingestellter Gegner, der dem ÖFB-Team das Toreschießen schwerer machen könnte als die Israelis. Foda: „Da müssen wir wieder schnell nach vorne Spielen, wenn sich die Möglichkeit bietet, und Lösungen finden im letzten Drittel.“

Gelingen muss dies neuerlich ohne Christoph Baumgartner. Der Offensivmann war gegen Israel wegen einer im Abschlusstraining erlittenen Muskelverletzung ausgefallen und wird laut Foda definitiv auch am Montag fehlen. Der Hoffenheim-Legionär bleibe allerdings im ÖFB-Camp und werde dort therapiert. „Schade, er war sehr gut drauf, hätte der Mannschaft Impulse geben können“, sagte der Teamchef.

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Die Verletzung sei typisch für den Verlauf der WM-Qualifikation, erinnerte Foda an die Ausfälle verschiedener Schlüsselspieler. „Es hat sich wie ein roter Faden ein bisschen durchgezogen. Immer wieder Veränderungen, immer wieder Improvisieren. Es ist logisch, dass dann vielleicht ein bisschen Harmonie abhandenkommt.“ Diese Woche hätte sich das Team aber gut vorbereiten können. „Es war ein guter Zug im Training. Man hat jeden Tag das Gefühl gehabt in der Mannschaft, dass sie sich beweisen wollen.“

Auch die Fans wollte das ÖFB-Team zurückgewinnen. 4.300 waren ins Wörthersee-Stadion gekommen - Minusrekord in einem ÖFB-Länderspiel der Nachkriegszeit ohne Corona-Kapazitätsbeschränkung. Laut Foda sei klar gewesen, dass die Rückgewinnung nur mit einer „leidenschaftlichen, couragierten Leistung“ möglich war. Die sah der 55-Jährige bei seinem Team. „Es gilt aber auch, diesen Sieg richtig einzuordnen, nicht zu übertreiben, bodenständig zu bleiben.“

Israel ist die Nummer 80 der FIFA-Weltrangliste, Österreich die Nummer 32. „Das Problem in der ersten Hälfte war, dass wir den Ball fast ins Tor tragen wollten“, erklärte Foda. „Da gab es Riesensituationen, da haben wir zu viel kombiniert.“ Trotz des 0:1 zur Pause sei man in der Kabine zuversichtlich gewesen, das Spiel noch zu drehen. „Das hat man auch gespürt in der Mannschaft. Sie haben sich gegenseitig motiviert.“

Lob gab es für Debütant Nicolas Seiwald. Der 20-Jährige, der in Salzburgs 4-4-2 in der Mittelfeld-Raute spielt, habe zwar etwas Zeit benötigt, sich auf seine ÖFB-Position im defensiven Mittelfeld neben Florian Grillitsch einzustellen. „Aber er hat extreme Energie, einen extremen Willen“, sagte Foda. „Er ist ein guter Balleroberer. Und wenn er an den Ball kommt, spielt er schnell nach vorne. Ich bin mit seinem Debüt absolut zufrieden.“

Philipp Lienhart erhielt im Abwehrzentrum den Vorzug gegenüber Aleksandar Dragovic. Weil Martin Hinteregger nach seiner zweiten Gelben Karte am Montag gesperrt fehlt, werde dann auf jeden Fall Dragovic spielen, kündigte der ÖFB-Coach an. „In der Innenverteidigung haben wir die Qual der Wahl. Wir haben fünf sehr gute Innenverteidiger.“ Auch der vielseitige Kapitän David Alaba und Stefan Posch seien dazuzuzählen. Diesmal habe er sich für Lienhart entschieden, weil wie Hinteregger auch Dragovic mit Gelb vorbelastet war.

Neben den Ausfällen von Baumgartner und Hinteregger könnte Foda vor dem Moldau-Spiel laut eigener Aussage auch noch „ein oder zwei Akteure“ für die U21 abstellen, die am Dienstag in der EM-Quali Kroatien empfängt. Im Tor dürfte gegen die Moldauer erneut Daniel Bachmann stehen. Foda attestierte dem Watford-Reservisten trotz zweier Gegentore gegen Israel, „über 90 Minuten keine Fehler gemacht“ zu haben. Die Expertise von Tormanntrainer Robert Almer sei ihm zwar wichtig. „Aber ich selbst habe es als solide Leistung empfunden.“

Man sei grundsätzlich mit dem Spiel zufrieden, sagte Foda. „Aber unser Ziel in der Gruppe haben wir nicht erreicht.“ Die angestrebten ersten beiden Plätze waren schon vor dem Abschluss-Doppel außer Reichweite. Auch für Endrang drei hinter Dänemark und Schottland müsste das ÖFB-Team gegen Moldau um drei Tore höher gewinnen als Israel gegen die Färöer. In der vergangenen WM-Quali für 2018 waren die Österreicher hinter Serbien, Irland und Wales Vierter geworden. Teamchef Marcel Koller musste danach gehen.


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