Große Mehrheit des Gesundheitspersonals gegen Corona geimpft

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Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) hat eine Impfpflicht für Gesundheitsberufe angekündigt. Ein Blick in die Bundesländer zeigt - konkret aufgeschlüsselte Daten zum Impfstatus des Personals großer Landesträger gab es u.a. aus Datenschutzgründen meist nicht. Nach einem APA-Rundruf stand aber fest, dass eine große Mehrheit geimpft ist. Was mögliche Folgen einer solchen Regelung betrifft, können etwa Oberösterreich und Kärnten Personalengpässe nicht ausschließen.

In der Bundeshauptstadt Wien sind beim größten Träger des Landes, dem Wiener Gesundheitsverbund, mehr als 80 Prozent der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Einrichtungen geimpft. Zur geplanten Impfpflicht per se, wollte sich der Gesundheitsverbund nicht äußern, weil es bisher nur die Absichtserklärung gebe. Im Falle einer Umsetzung, so wird gehofft, dass es zu keinen Personalengpässen aufgrund zu vieler Impfverweigerer kommt: „Wir hoffen, dass so eine Situation nicht eintreten wird, denn der Trend geht hin zu einer immer höheren Impfbereitschaft. Schon bei den ersten beiden Covid-19-Impfrunden, die Anfang 2021 noch von unseren Häusern selbst durchgeführt wurden, war die Impfbereitschaft sehr hoch und auch danach haben sich kontinuierlich weitere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen impfen lassen“, sagte Gesundheitsverbund-Sprecher Christoph Mierau auf APA-Anfrage. Für das neu eintretende Personal gilt übrigens beim Gesundheitsverbund schon seit geraumer Zeit die Impfpflicht - treffen würde eine neue gesetzliche Regelung Mitarbeiter mit älteren Verträgen.

Bei den Salzburger Landeskliniken liegt die aktuelle Durchimpfungsrate im Ärztesektor bei 92 Prozent. Beim Pflegepersonal liegt die Quote bei 82 Prozent. „Auf der Onkologie oder der Covid-Intensivstation sind nahezu alle geimpft“, teilte Sprecher Wolfgang Füreder der APA auf Anfrage mit. Ob es im Ernstfall zu einem Engpass komme, wenn nicht geimpftes Personal nicht mehr arbeiten darf, könne man so nicht beurteilen, hieß es. Indem die genaue Verordnung noch nicht bekannt sei, könne man auch keine aussagekräftigen Prognosen treffen.

In Kärnten liegt die Impfquote bei Ärzten derzeit bei 90 Prozent, beim Gesundheitspersonal sind es rund 80 Prozent, erklärte Gerd Kurath, Pressesprecher des Landes gegenüber der APA. Sollte eine Impfpflicht für das Gesundheitspersonal kommen, „gibt es die Vermutung, dass Leute aussteigen würden. Nachdem die Situation derzeit sowieso angespannt ist, wäre das vielleicht ein Grund für einige, sich etwas anderes zu suchen“, so Kurath.

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Von der niederösterreichischen Landesgesundheitsagentur (LGA) hieß es, dass die überwiegende Mehrheit des Personals gegen Corona geimpft sei. Aufgrund des an den LGA-Standorten an Beschäftigte verabreichten Vakzins liege der Anteil der immunisierten Mitarbeiter auf jeden Fall bei 75 Prozent, sagte ein Sprecher auf Anfrage. Darüber hinaus habe die Belegschaft zusätzlich auch Impfangebote außerhalb der LGA in Anspruch genommen. Genaue Zahlen dürfen dem Sprecher zufolge vom Dienstgeber aus Datenschutzgründen zentral nicht erhoben werden.

Bezüglich einer Impfpflicht für Gesundheitsberufe warte man erst einmal auf den konkreten Verordnungstext, „auch aufgrund der darin enthaltenen Übergangsbestimmungen“, sagte der Sprecher. Dann werde man in enger Abstimmung mit den Mitarbeitern sowie den Betriebsräten alles daran setzen, tragfähige Lösungen zu finden. Seit 1. September gilt in Niederösterreich eine Impfpflicht für neue Mitarbeiter im Landesdienst, dazu zählt auch die LGA mit ihren Klinikstandorten.

Seitens der Steiermärkischen Krankenanstaltengesellschaft (KAGes) gab es keine Angaben über die Anzahl der bereits Geimpften: „Wir dürfen das nicht erheben“, erklärte Sprecher Reinhard Marczik auf APA-Anfrage. Der Betriebsrat hatte am Vortag von einer Impfquote von „über 80 Prozent“ beim Gesundheitspersonal gesprochen. Mit personellen Engpässen aufgrund einer starken Fluktuation im Falle einer Umsetzung der Impfpflicht rechne man seitens der KAGes nicht.

In Tirol ist die „überwiegende Mehrheit über alle Berufsgruppen in den öffentlichen Krankenanstalten hinweg“ geimpft, hieß es seitens des Landes auf APA-Anfrage. Eine erneute aktualisierte Abfrage mit dem genauen Ist-Stand werde noch folgen. Die Frage möglicher personeller Engpässe nach Umsetzung der Impfpflicht könne man derzeit seriöserweise nicht beantworten, diese liege im spekulativen Bereich.

Die Impfquote bei den Mitarbeitern in den oberösterreichischen Spitälern lag aktuell bei 75 bis 80 Prozent, gab der Krisenstab des Landes der APA auf Anfrage bekannt. „Personalengpässe können bei solchen avisierten Maßnahmen nicht ausgeschlossen werden“, hieß es. Man betonte, dass vom Gesundheitsministerium auch noch nicht klar definiert ist, welche Berufsgruppen konkret darunter fallen. „Das wäre ein Lesen in der Glaskugel“. meinte dazu die Sprecherin der OÖ. Gesundheitsholding, Jutta Oberweger, im APA-Gespräch zu möglichen Ausfällen beim Personal. Sie betonte auch, dass es keine Berichtspflicht über den Impfstatus gebe und Spitalsmitarbeiter auch privat Impfangebote nutzen würden.

Auch in Vorarlberg ist die Impfquote beim Gesundheitspersonal eine hohe - vor allem in den Krankenhäusern. Dort beträgt sie 86 Prozent. In den Pflegeheimen liegt sie bei über 70 Prozent beim Personal und über 90 Prozent bei den Bewohnern, teilte das Land auf APA-Anfrage mit. Welche Auswirkung eine Impflicht im Gesundheitsbereich auf die Personalsituation hat, lasse sich indes „ohne Kenntnis des Verordnungsentwurfs“ nicht klar einschätzen.

Einen Einblick gab es auch zur Situation im Burgenland: Im Krankenhaus Barmherzige Brüder Eisenstadt sind nach einer Schätzung an die 90 Prozent der Mitarbeiter geimpft. Ob es bei Umsetzung einer Pflicht zur Immunisierung zu personellen Engpässen kommen würde, ließe sich derzeit nicht sagen, meinte eine Sprecherin auf Anfrage.


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