Kein Lockdown, aber Fünf-Stufen-Plan für Bundesland Salzburg

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Salzburgs Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP) will für sein Bundesland einen Lockdown vermeiden, „so lange es möglich ist“. Er legte am Dienstagnachmittag einen fünfstufigen Aktionsplan vor. Dieser sieht zuerst eine Steigerung der Impfquote vor. Er hoffe, dass die Pandemie durch die gesetzten Maßnahmen einen „Knick“ erfahre und dies zu einer Entlastung der Spitäler führen werde. Ergebnisse werde man aber wohl erst in zwei bis vier Wochen sehen.

„Wir können nach wie vor alle Notfallpatienten versorgen“, erklärte auch Primaria Uta Hoppe von den Salzburger Landeskliniken (SALK) zur Lage in den Spitälern bei der gemeinsamen Pressekonferenz. „Es werden derzeit auch noch elektive Eingriffe durchgeführt - in unterschiedlichen Bereichen aber in unterschiedlichem Maße.“ Es wurden und würden zwar Eingriffe zurückgenommen oder verschoben. „Ich bin im Augenblick aber davon überzeugt, dass dadurch Patienten nicht zu Schaden kommen.“

Die Triagierungskommission habe man eingerichtet, weil dies vorausschauend sinnvoll erschien. „Wir hoffen, dass es nicht dazu kommen wird, jemandem eine Therapie vorenthalten zu müssen. Das sind aber noch viele Puffer dazwischen“, sagte Hoppe. Man baue jedoch ein System auf, um im potenziellen Fall überlegt handeln zu können.

SALK-Geschäftsführer Paul Sungler betonte heute, die „Überlastungsanzeige“ an das Land abgeben zu haben, um entsprechende Unterstützung zu bekommen. Derzeit würden 99 Covid-Patienten auf der Normalstation liegen - bei einer Möglichkeit für 164 Covid-Betten in der höchsten Stufe. „Erst dann wissen oder können wir nicht mehr weiter.“ Im Intensivbereich seien heute 31 von 51 Betten belegt gewesen.

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Um eine weitere Zuspitzung der Lage in den Spitälern zu verhindern, stellte Haslauer heute einen fünfstufigen Aktionsplan vor. Erstens soll die Auffrischungsimpfung generell für alle Impfstoffe bereits ab dem 4. Monat nach der Zweitimpfung durchgeführt werden. Das Rote Kreuz werde dazu mit kommender Woche beginnen, Leute aktiv zu kontaktieren und Termine zu vergeben. Zweitens soll der Impfbereitschaft auch Ungeimpfter mit einer breiten Werbe- und Marketing-Kampagne gefördert werden.

Drittens wird für die Entlastung der Spitalbetten etwa eine „Transferstation“ am Gelände der Christian-Doppler-Klinik aufgebaut. Sie dient als Quartier für positive stationäre Patienten, die weder Versorgung und Betreuung brauchen, die aber noch so infektiös sind, dass sie nicht zurück in Seniorenheim oder nach Hause verlegt werden können. Für den gleichen Zweck soll eine weitere Reha-Klinik in Salzburg akquiriert werden. Und in Abstimmung mit der Ärztekammer soll die Behandlung von Covid-Patienten auch dezentral durchgeführt werden - das heißt, Ordinationen sollen verstärkt eingebunden werden - auch wenn das mit hohem Schutzaufwand verbunden ist.

Viertens will Haslauer die Laborkapazitäten nach dem Test-Chaos der vergangenen Wochen ausbauen. „Die Dauer der Auswertung macht uns Probleme“, sagte der Landeshauptmann. Derzeit würden etwa 15 bis 20 Prozent der Tests bei „Salzburg gurgelt“ nicht binnen 24 Stunden ausgewertet. Und fünftens soll das Contact Tracing um 50 Mitarbeiter aufgestockt werden. „Ziel ist es, Indexpersonen und Haushaltsangehörige rasch zu kontaktieren - und wenn dann noch Luft bleibt, die Kontakte darüber hinaus nachzuverfolgen.“ Nachsatz: „Das geht derzeit fast nicht.“


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