Rechtsgerichteter Kast bei Präsidentenwahl in Chile vorne

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Bei der Präsidentschaftswahl in Chile liegt der Rechtspopulist Jose Antonio Kast nach Auszählung von knapp der Hälfte der abgegebenen Stimmen vor dem Linken Gabriel Boric. Auf Kast entfielen demnach 28,64 Prozent, auf Boric 24,44 Prozent der Stimmen, wie offizielle Daten am Sonntag zeigten. Sollte sich dieser Trend fortsetzen, käme es am 19. Dezember zu einer Stichwahl, wenn keiner der beiden Kandidaten im ersten Wahlgang über 50 Prozent der Stimmen auf sich vereinen kann.

Die Wahl erfolgt nach zwei Jahren teils gewalttätiger Proteste für mehr soziale Gerechtigkeit. Die Demonstrationen trugen dazu bei, dass die Verfassung aus der Ära des Diktators Augusto Pinochet derzeit überarbeitet wird und beflügelten die Kandidatur von Boric, der über weite Strecken einen komfortablen Vorsprung hatte. Doch die zunehmende Kriminalität und politische Gewalt hat Kast Auftrieb gegeben.

„Er wird den Drogenhandel bekämpfen, der unserem Land so viel Schaden zufügt“, sagte ein 66-jähriger Witwer aus dem gehobenen Santiago-Viertel Las Condes, über den rechten Kandidaten. „Er wird auch die Einwanderung kontrollieren, denn es gibt viele Einwanderer, die kommen, um Chile zu schaden.“ „Für mich ist das Wichtigste, dass wir ein Land schaffen, in dem die Menschen Rechte haben“, sagte ein 54-jähriger Rechtsanwalt vor einem Wahllokal im Zentrum Santiagos, um für Boric zu stimmen. Es gehe ihm um „Persönlichkeitsrechte, Wohnung, Gesundheitsversorgung, unabhängig vom Einkommen“.

Der Militärgeneral Pinochet stürzte 1973 durch einen blutigen Staatsstreich die demokratisch gewählte Regierung des südamerikanischen Landes. Während seiner 17-jährigen Herrschaft wurden mehr als 3.000 Menschen getötet oder verschwanden, Zehntausende wurden gefoltert. Kast, ein 55-jähriger Katholik und Vater von neun Kindern, hatte das neoliberale „wirtschaftliche Erbe“ des ehemaligen Diktators gelobt. Seine offenen Worte, sein pauschaler Konservatismus und seine manchmal eigenwilligen politischen Ideen - wie zum Beispiel das Ausheben eines Grabens zur Eindämmung der illegalen Einwanderung - haben häufig Vergleiche mit dem ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump und dem brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro aufkommen lassen.

Ebenfalls zur Wahl stehen alle 155 Sitze im chilenischen Unterhaus, 27 der 50 Sitze im Oberhaus des Landes und alle Positionen in den 16 Regionalräten des Landes.


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