Gütesiegel von AMA entspricht Erwartungen nicht

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92 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher kennen das AMA-Gütesiegel - 53 Prozent davon sind laut Umfrage der Meinung, es stehe für gentechnikfreie Fütterung, 48 Prozent subsumieren ausreichend Platz und Auslauf ins Freie für die Tiere. Dem ist aber nicht so, berichteten die Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“ und die Arbeiterkammer (AK) Oberösterreich am Dienstag. Die AK fordert klare gesetzliche Regelungen beim Tierwohl in Österreich.

Mehr als die Hälfte jener, die das Siegel kennen, gehen davon aus, dass AMA für Tierwohl steht und achten beim Einkauf darauf, jeder Fünfte sogar sehr intensiv. Das ergab eine Umfrage des Market-Instituts im Auftrag von Vier Pfoten und AK unter 1.000 Österreichern ab 16 Jahren.

53 Prozent der Menschen, die das Abzeichen kennen, meinen, dass Schweinefleisch mit AMA-Gütesiegel von einem Tier stammt, das gentechnikfreies Futter erhielt. Tatsächlich sei nach AMA-Kriterien gentechnisch verändertes Soja aus Lateinamerika als Futter in der Schweinezucht erlaubt, hieß es in der Presseaussendung. Fast die Hälfte glaubt, dass Schweinen gemäß Siegel-Kriterien ausreichend Platz zur Verfügung steht und sie Auslauf ins Freie oder ständigen Zugang zu Frischluft haben. Tatsächlich garantieren erst freiwillige Zusatzmodule, wie etwa AMA +Tierwohl, derartige Standards.

Zwar habe die AMA-Marketing notwendige Weiterentwicklungen des Gütesiegels in der Schweinemast ab 2022 angekündigt, wobei das endgültige Aus für Vollspaltenböden in Schweinemastbetrieben erst bis Ende 2032 geplant sei. Davor gebe es nur minimale Verbesserungen bei dieser tierquälerischen Haltungsform. Außerdem sollen erst bis 2030 die Importe von Übersee-Soja um 50 Prozent reduziert werden.

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Der Konsumentenschutz der AK OÖ fordert klare gesetzliche Regelungen im Bereich Tierwohl - nicht zuletzt, um auch den durch Werbung geschürten Erwartungen gerecht zu werden. In Deutschland sei es seit Anfang 2021 allen Schweineproduzenten per Gesetz verboten, Ferkel ohne Betäubung zu kastrieren - eine Praxis, die in Österreich erlaubt ist.

Die Österreicher würden sich hohe Tierwohlstandards auch etwas kosten lassen: Acht von zehn Befragten sind bereit, für solches Fleisch mehr zu bezahlen - 37 Prozent einen bis zu zehn Prozent höheren Preis, immerhin 27 Prozent sogar um bis zu 20 Prozent mehr, acht Prozent sogar fast ein Drittel mehr.

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