Skurriler Prozess um in Wiener Park zerbrochene Flöte

  • Artikel
  • Diskussion

Ein nicht alltäglicher Prozess ist am Dienstag am Landesgericht über die Bühne gegangen. Eine 41-Jährige hatte am 22. Juli 2021 am Keplerplatz in Wien-Favoriten einem Musiker die Blockflöte zerbrochen. Im Zuge der folgenden Rangelei soll die Frau aus einem Mistkübel eine abgebrochene Glasflasche genommen haben, um damit auf den 37-Jährigen loszugehen. Die Angeklagte, der Sachbeschädigung und versuchte absichtlich schwere Körperverletzung vorgeworfen wurde, stritt alles ab.

Der 37-Jährige hatte sich mit Freunden in einer Parkanlage am Keplerplatz zum Musizieren verabredet. Während Passanten sich daran erfreuten und der Gruppe Aufmerksamkeit und Münzen schenkten, fühlte sich die 41-Jährige gestört. Sie saß mit drei polnischen Landsleuten auf einer Bank und konsumierte Alkohol. Die Truppe stellte aufgrund des Keppelns der 41-Jährigen das Musizieren ein. Darauf wollte die Frau selbst die Blockflöte ausprobieren, ging zu dem 37-Jährigen und bat ihn um sein Instrument. Sie brachte dann jedoch keinen Ton heraus - entweder aufgrund mangelnden Talents oder ihrer nicht unerheblichen Alkoholisierung.

Als auch ein zweiter Versuch scheiterte, der Flöte Töne zu entlocken, riet ihr einer der Musikanten: „Mit mehr Gefühl!“ Darauf soll die 41-Jährige derart in Wut geraten sein, dass sie das Instrument in zwei Teile zerbrach und mit der einen Hälfte auf den Besitzer einschlug.

Die Angeklagte schilderte den Vorfall ganz anders. Der Blockflöten-Spieler habe ihr Drogen verkaufen wollen: „Wir nehmen aber keine Drogen. Ich habe gesagt, er soll weggehen“, verriet die Frau, die eigenen Angaben zufolge gemeinsam mit ihren Bekannten vier Flaschen Wodka und alleine zwei Dosen Bier „getankt“ hatte. Da habe sie der Musiker beschimpft - den genauen Wortlaut, den die Polin zu Protokoll gab, weigerte sich die Dolmetscherin ins Deutsche zu übertragen: „Das kann man nicht übersetzen. Das geht hier nicht.“

Es sei dann zu einer Rangelei mit dem Blockflöten-Spieler gekommen, setzte die 41-Jährige fort: „Wir waren beide am Boden, am Asphalt.“ Sie sei schließlich „weggezerrt“ worden: „Zum Glück. Ich glaube, er (der Musiker, Anm.) hätte mich sonst dort erschlagen.“ Dass die Flöte in Brüche ging, räumte die Frau ein. Während der Auseinandersetzung habe sie diese zerbrochen, aber nicht vorsätzlich.

Der Flöten-Besitzer kam seiner Zeugenladung nicht nach. Er soll zum nächsten Verhandlungstermin notfalls von der Polizei vorgeführt werden. Bis dahin wird ein psychiatrischer Sachverständiger klären, ob die Angeklagte überhaupt verhandlungsfähig bzw. zurechnungsfähig ist. Es ist nicht auszuschließen, dass der jahrelange Alkoholmissbrauch sich nachhaltig auf ihre Dispositions- und Diskretionsfähigkeit ausgewirkt hat. Der Prozess wurde auf unbestimmte Zeit vertagt.


Kommentieren


Schlagworte