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Vatikan: Papst bringt zwölf Flüchtlinge aus Zypern nach Rom

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Im Rahmen seiner derzeitigen Reise will Papst Franziskus zwölf Flüchtlinge von Zypern mit nach Rom bringen lassen. Dies teilte der Vatikan am Freitag mit. Die zypriotische Regierung hatte eine solche Geste bereits angekündigt, aber die Zahl von 50 Migranten genannt. Dem Vernehmen nach sind die zwölf Personen eine erste Gruppe. Weitere Personen der geplanten 50 Migranten sollen demnach noch vor Weihnachten folgen, sowie Anfang des nächsten Jahres.

Diese „humanitären Geste“ solle die Apostolische Reise des Papstes nach Zypern und Griechenland begleiten, so der Vatikan. Einige der zwölf Migranten habe er am Freitagabend am Ende des ökumenischen Gebetstreffens begrüßt, so die Mitteilung des vatikanischen Pressebüros. Zyperns Präsident Nikos Anastasiadis hatte die „symbolische Initiative“ des Papstes als „in erster Linie deutliches Signal für eine dringend notwendige Überarbeitung der EU-Einwanderungspolitik“ bezeichnet.

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Die Überstellung und Aufnahme der Migranten wird laut Vatikan-Angaben durch eine Vereinbarung zwischen dem vatikanischen Staatssekretariat, den italienischen und zyprischen Behörden ermöglicht. Zudem seien die Abteilung für Migranten und Flüchtlinge des Heiligen Stuhls und die katholische Gemeinschaft Sant‘Egidio beteiligt.

Die Personen sollen aus Ländern des Nahen Ostens und Afrikas stammen und sich schon längere Zeit auf Zypern aufhalten. Die Insel verzeichnet in Europa aktuell die höchste Zahl an Asylanträgen pro Einwohner. Unter den Migranten, die Franziskus nach Rom bringen lässt, sind dem Vernehmen nach eine syrische Familie, ein Paar aus Kamerun und eine Mutter mit Kind aus dem Kongo.

Bereits bei seinem Besuch der Insel Lesbos 2016 hatte der Papst zwölf Flüchtlinge aus Auffanglagern auf der griechischen Insel mit nach Rom genommen. Diese wurden von kirchlichen Organisationen in Italien aufgenommen und betreut.

Bei seinem Besuichn auf Zypern geißelte der Papst die Auswüchse der Migration und des Schleuser-Geschäfts mit harschen Worten. Bei einem Treffen mit Geflüchteten in der Hauptstadt Nikosia sagte der Pontifex am Freitag: „Das ist die Geschichte einer universalen Sklaverei!“ Das Oberhaupt der katholischen Kirche prangerte dabei die Gleichgültigkeit vieler an. „Wir sehen, was passiert“, sagte er. „Noch schlimmer, wir gewöhnen uns daran.“

Das Sich-Gewöhnen sei aber eine „sehr schwere Krankheit, gegen die es kein Antibiotikum gibt“. Auch wohlhabendere Gegenden der Welt - etwa in Europa - machten sich schuldig, deutete der Papst an. Er erinnerte daran, dass Migranten oft abgewiesen oder in Lager gesteckt werden. Orte des Eingesperrtseins, „der Folter und der Sklaverei“, nannte Franziskus diese. Er erinnerte daran, dass sich heute viele Menschen wundern, wie im 20. Jahrhundert Internierungslager der Nazis oder von Stalin möglich waren. „Brüder und Schwestern, das passiert heute!“, unterstrich der Papst.

Franziskus entschuldigte sich laut Kathpress für seine deutlichen und spontanen Worte. „Aber es ist meine Verantwortung, Augen zu öffnen“, so Franziskus. Er erinnerte an die vielen Flüchtlinge und Migranten, die auf dem Mittelmeer gestorben seien, und die vielen, die sich noch auf gefährlichen Wegen nach Europa befänden. „Dies muss jedem einen Stich versetzen“, so der sichtlich bewegte 84-Jährige. Stattdessen würden Stacheldrahtzäune errichtet, um Menschen abzuwehren, die Freiheit suchten oder ein Stück Brot. „Es reicht mit dem Stacheldraht, es reicht mit den Lagern“, forderte Franziskus.

Er denke an viele Geflüchteten, die in solchen Lagern landeten, „wo die Frauen verkauft, die Männer gefoltert und versklavt werden“. Und mit Verweis auf reichere Länder ergänzte er: „Das ist die Geschichte dieser entwickelten Gesellschaft, die wir den Westen nennen.“

Am zweiten Tag seines Besuchs auf Zypern hatte Franziskus zuvor die herzliche Zusammenarbeit der wenigen Katholiken und der orthodoxen Mehrheit auf der Insel gelobt. Der Pontifex hoffe, die Kirche durch den Dialog für die Zukunft zu wappnen. Er habe „das Bedürfnis, noch intensiver mit euch, liebe Brüder, zusammenzuarbeiten“, sagte der 84-Jährige.

Zugleich wurde Franziskus aber auch mit der wenig harmonischen Gegenwart auf der seit fast fünf Jahrzehnten geteilten Mittelmeerinsel konfrontiert. Der orthodoxen Erzbischof Chrysostomos bat seinen Gast aus Rom um Unterstützung im Kampf gegen die Folgen der türkischen Invasion im Norden Zyperns im Jahr 1974.

Seit damals ist die Insel durch eine von UNO-Blauhelmen bewachte Grenze getrennt. Viele griechisch-zypriotische Einwohner aus dem Norden mussten ihre Häuser und Gemeinden verlassen und in den Süden flüchten. Chrysostomos sprach von einer „barbarischen“ Besetzung und einer „ethnischen Säuberung“ durch die Türkei, die anstelle der Einheimischen im Norden Türken aus Anatolien ansiedle.


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