Salzburger Festspiele zeigen Bartók, Orff, Puccini, Janáček

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Die Salzburger Festspiele feiern kommendes Jahr eine Ausgabe, der zwischen alten Bekannten und jungen Talenten changiert - und sich die „Göttliche Komödie“ als Referenzpunkt für viele der Werke nimmt. Das gab Intendant Markus Hinterhäuser am Freitag bei der Präsentation der 2022 von 18. Juli bis 31. August dauernden Festspiele bekannt.

Die kommendes Jahr nicht mehr im Amt befindliche Festspiel-Präsidentin Helga Rabl-Stadler nutzte die Gelegenheit der Programmpräsentation zu einer statistischen Rückschau auf ihre 27 Amtsjahre mit dem gewohnten Augenzwinkern: „Ich flüchte mich in Zahlen, damit mich die Rührung nicht übermannt - oder überfraut. Ich bin ja Feministin.“ Und vor allem wolle sie dem Publikum danken: „Sie sind die wichtigste Säule der Festspiele.“

Für das kommende Jahr bleibe die Corona-Pandemie indes immer noch ein gewisses Damoklesschwert, machte Intendant Hinterhäuser deutlich: „Es ist immer noch eine Situation, die es uns nicht gerade leicht macht zu sagen, was letztendlich realisierbar sein wird. Ich bleibe bei dem Bebriff des nicht vorauseilenden Pessimismus.“ Der Talon der Vorhaben ist jedenfalls prall gefüllt.

So kommt im Opernbereich wieder ein guter Teil jener „Festspielfamilie“ an die Salzach, den Markus Hinterhäuser in den vergangenen Jahren zu Stammgästen gemacht hat. So wird Bildermagier Romeo Castellucci erneut eine Inszenierung verantworten - um genau zu sein eigentlich zwei, markiert der Doppelabend aus Bartóks „Herzog Blaubarts Burg“ und Carl Orffs Mysterienspiel „De Temporum Fine Comoedia“ in der Felsenreitschule am 26. Juli doch den Auftakt des Premierenreigens. Hierbei findet sich mit Teodor Currentzis ein ebenfalls wohlvertrautes Festspielgesicht am Pult - wenn auch dieses Mal nicht, um seine musicAeterna durch den Abend zu führen, sondern das Gustav Mahler Jugendorchester. Und als Judith steht mit Ausrine Stundyte die gefeierte Elektra der Vorjahre auf der Bühne.

Auch Christof Loy ist nach seiner umjubelten „Cosí fan tutte“ aus 2020/21 wieder mit von der Partie und inszeniert am 29. Juli im Festspielhaus Puccinis „Il Trittico“, bei dem ihm mit Franz Welser-Möst ein Festspielveteran zur Seite steht. Und Salzburg-Liebling Asmik Grigorian singt in allen drei Teilen des Werks die Hauptrolle.

Nach seinem Festspieldebüt mit Offenbachs „Orphee aux enfers“ kehrt schließlich Regiestar Barrie Kosky zurück und nähert sich nun mit Leoš Janáčeks Drama „Káťa Kabanová“ (7. August) einem ganz und gar nicht operettenhaften Stoff.

Lydia Steier wird überdies am 30. Juli ihre bei der Premiere 2018 umstrittene „Zauberflöte“ an einem veränderten Spielort, nämlich im Haus für Mozart, neueinstudieren, wofür ihr die mit der „Cosí“ zum Star aufgestiegene Joana Mallwitz im Orchestergraben als Partnerin dient. Eine weitere Neueinstudierung verantwortet auch Shirin Neshat, die ihre aus 2017 stammende „Aida“ erneut bearbeitet - dieses Mal ohne Anna Netrebko in der Titelpartie. Und von den Pfingstfestspielen wird traditionell deren große Inszenierung übernommen, dieses Mal Rolando Villazóns Rossini-Deutung „Il Barbiere Di Siviglia“.

So vertraut die Gesichter im Opernbereich, so neu sind jene des Sprechtheaters - sieht man vom komplett gebliebenen „Jedermann“-Team um Lars Eidinger und Verena Altenberger ab, das in Michael Sturmingers bekannter Inszenierung den Festspielreigen am 18. Juli einläutet - vielleicht wirklich einmal auf dem Domplatz, sollte das Wetter halten.

Auf der Perner-Insel legt dann Ivo van Hove nach, der mit „Ingolstadt“ ein Marieluise-Fleißer-Mash-up vorlegt (27. Juli). Und auch Schnitzlers „Reigen“ gibt es in der Inszenierung von Yana Ross tags darauf nicht im Original zu sehen, sondern in einer Spiegelung, bei der zehn Autorinnen und Autoren wie Lydia Haider, Sharon Dodua Otoo, Hengameh Yaghoobifarah oder Lukas Bärfuss je eine Szene des Originals überschrieben.

Ebenfalls eine Reflexion über Klassisches stellt am 18. August Ewelina Marciniaks Theaterabend „Iphigenia“ auf der Perner-Insel dar, bei dem die junge, gebürtige Polin die Blicke von Autoren wie Euripides, Racine oder Goethe auf die weibliche Antikenfigur vereint und fortschreibt, wofür ihr mit dem Ensemble des Koproduktionspartners Thalia Theater prominente Spielpartner zur Verfügung stehen.

Und am 6. August kommt dann der freie Theatermacher Thorsten Lensing mit „Verrückt nach Trost“ zu Wort. Hierbei wird er mit Stars wie Sebastian Blomberg, Anna Grisebach, Ursina Lardi und Devid Striesow eine Uraufführung im Mozarteum erarbeiten.

Insgesamt bietet man 174 Aufführungen in 45 Tagen an 17 Spielstätten. Hinzu kommen weitere 54 Aufführungen im Jugendprogramm unter dem Titel „jung & jede*r“. Dafür werden 224.933 Karten mit einer Preisspanne zwischen 5 und 455 Euro aufgelegt, wie der kaufmännische Geschäftsführer Lukas Crepaz ankündigte.

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