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Salzburger Festspiele mit Grigorian, Bartoli und Huppert

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Die Salzburger Festspiele blicken erneut ohne „vorauseilenden Pessimismus“ auf die nächste Saison - bereits die dritte im Vorzeichen von Corona. „Es ist immer noch eine Situation, die es uns nicht gerade leicht macht zu sagen, was letztendlich realisierbar sein wird“, gab Intendant Markus Hinterhäuser am Freitag bei der Präsentation der Pläne für 2022 zu. Geplant sind aber je vier Neuinszenierungen bei Oper und Schauspiel. Von 18. Juli bis 31. August gibt es 174 Aufführungen.

Als Referenzpunkt für einen großen Teil des Programms wurde Dantes „Göttliche Komödie“ genannt, für den Intendanten „eine Erzählung darüber, wie es war, wie es ist und wie es sein wird“. Zudem seien drei der neu inszenierten Opernwerke 1918 bzw. 1921 entstanden. Die Ausnahme bildet Carl Orffs Mysterienspiel „De Temporum Fine Comoedia“, das als Doppelabend mit Bartóks „Herzog Blaubarts Burg“ in der Felsenreitschule am 26. Juli den Auftakt des Premierenreigens bildet. Bildermagier Romeo Castellucci inszeniert, Teodor Currentzis dirigiert das Gustav Mahler Jugendorchester. Als Judith steht mit Ausrine Stundyte die gefeierte Elektra der Vorjahre auf der Bühne.

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Auch sonst trifft man auf gute alte Bekannte: Christof Loy ist nach seiner umjubelten „Cosí fan tutte“ aus 2020/21 wieder mit von der Partie und inszeniert am 29. Juli im Festspielhaus Puccinis „Il Trittico“, bei dem ihm mit Franz Welser-Möst ein Festspielveteran zur Seite steht. Salzburg-Liebling Asmik Grigorian singt in allen drei Teilen des Werks die Hauptrolle. Nach seinem Festspieldebüt mit Offenbachs „Orphee aux enfers“ 2019 kehrt Barrie Kosky zurück und inszeniert Leoš Janáčeks „Káťa Kabanová“.

Mit Neueinstudierungen (Hinterhäuser: „Keine Wiederaufnahmen!“) bekommen zwei frühere Operninszenierungen eine zweite Chance: Lydia Steier bringt am 30. Juli ihre bei der Festspielhaus-Premiere 2018 umstrittene „Zauberflöte“ ins kleiner dimensionierte Haus für Mozart (Joana Mallwitz steht im Orchestergraben), Shirin Neshat bearbeitet ihre aus 2017 stammende „Aida“ - dieses Mal ohne Anna Netrebko in der Titelpartie. Hinterhäuser: „Es wird deutlich mehr von Shirin Neshats Welt in dieser Neueinstudierung zu sehen sein.“ Von den Pfingstfestspielen wird traditionell deren große Inszenierung übernommen, dieses Mal Rolando Villazóns Rossini-Deutung „Il Barbiere Di Siviglia“, natürlich mit Cecilia Bartoli.

Abgesehen vom komplett gebliebenen „Jedermann“-Team um Lars Eidinger und Verena Altenberger (Michael Sturmingers Inszenierung läutet den Festspielreigen am 18. Juli ein) gibt es im Schauspiel viele neue Gesichter. Alle Regisseurinnen und Regisseure der Neuproduktionen geben ihr Festspiel-Debüt. Auf der Perner-Insel legt der Belgier Ivo van Hove mit der Burgtheater-Koproduktion „Ingolstadt“ ein Marieluise-Fleißer-Mash-up vor (27. Juli). Auch Schnitzlers „Reigen“ gibt es in einer Koproduktion mit dem Zürcher Schauspielhaus und in der Inszenierung von Yana Ross tags darauf in der Szene Salzburg nicht im Original zu sehen, sondern in Überschreibungen durch zehn zeitgenössische Autorinnen und Autoren.

Ebenfalls eine Reflexion über Klassisches stellt am 18. August Ewelina Marciniaks Thalia-Theater-Koproduktion „Iphigenia“ auf der Perner-Insel dar, bei der die junge Polin die Blicke von Autoren wie Euripides, Racine oder Goethe auf die weibliche Antikenfigur vereint und fortschreibt. „Wenn das Ensemble nicht mehr sprechen kann, dann tanzt es“, versprach Schauspielchefin Bettina Hering, die auch eine Marathonlesung der „Göttlichen Komödie“ angesetzt hat. Am 6. August zeigt dann Theatermacher Thorsten Lensing seine Uraufführung „Verrückt nach Trost“ im Max Schlereth Saal der Universität Mozarteum. Umbaubedingt fällt das Landestheater 2022 als Spielstätte aus.

Die Ouverture spirituelle 2022 steht unter dem Motto „Sacrificium“, worunter sich Werke wie Arthur Honeggers Oratorium „Jeanne d‘Arc au bûcher“ in der Rezitation von Filmstar Isabelle Huppert versammeln. „Wir spannen einen Bogen von Geschichten aus dem Alten Testament bis ins 20. Jahrhundert“, kündigte Konzertchef Florian Wiegand an, der insgesamt 79 Konzerte bei den kommenden Festspielen verantworten wird.

Insgesamt werden 224.933 Karten aufgelegt, wie der kaufmännische Geschäftsführer Lukas Crepaz ankündigte. Und auch die mit Jahreswechsel scheidende Festspiel-Präsidentin Helga Rabl-Stadler meinte bei ihrer Rückschau auf 27 Amtsjahre: „Ich flüchte mich in Zahlen, damit mich die Rührung nicht übermannt - oder überfraut. Ich bin ja Feministin.“ Vor allem aber dankte sie dem Publikum: „Sie sind die wichtigste Säule der Festspiele.“

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