Mindestens 55 Migranten bei Lkw-Unfall in Mexiko gestorben

  • Artikel
  • Diskussion

Beim Unfall eines Lastwagens in Mexiko, der zahlreiche Migranten transportierte, sind mindestens 55 Menschen ums Leben gekommen. Es gebe zudem mehr als 100 Verletzte, teilte der Gouverneur des südmexikanischen Bundesstaates Chiapas, Rutilio Escandón, in der Nacht auf Freitag (Ortszeit) auf Twitter mit. Der Laster war am Donnerstag im Ort Chiapa de Corzo, in der Nähe von Tuxtla Gutiérrez, der Hauptstadt des südmexikanischen Bundesstaates, umgekippt.

Der Anhänger, in dem die Migranten vermutlich Richtung USA unterwegs waren, krachte gegen eine Fußgängerbrücke, wie der Chef der Zivilschutzbehörde von Chiapas, Luis García, dem Sender Milenio TV sagte. Nach seinen Angaben war der Lkw laut Augenzeugen in einer Kurve zu schnell gefahren. Nach einer Liste des Zivilschutzes stammten die Verletzten, die in Krankenhäusern behandelt wurden, größtenteils aus Mexikos südlichem Nachbarland Guatemala.

Auf Bildern war zu sehen, wie zahlreiche Leichen, mit Tüchern bedeckt, Seite an Seite neben dem Wrack des Lkw-Anhängers auf der Straße lagen. Laut Escandón starben 49 der Todesopfer noch am Ort des Geschehens. Die Präsidenten von Mexiko und Guatemala sprachen auf Twitter ihr Mitgefühl aus. Auch Papst Franziskus drückte in einem Telegramm den Familien der Opfer seine „tiefe Trauer“ aus.

Hunderttausende Migranten versuchen jedes Jahr, über Mexiko in die USA zu gelangen. Die Mehrheit stammt aus Mexiko oder aus einem der mittelamerikanischen Länder Guatemala, Honduras und El Salvador. Dort herrschen viel Armut, Gewalt und Korruption, hinzu kommen die Folgen von Dürren und Naturkatastrophen. Viele der Migranten werden von Schleusern dicht gedrängt in Lastwagen-Anhängern transportiert. Immer wieder melden mexikanische Behörden, Migranten aus einer solchen Situation befreit zu haben - diese Menschen werden dann meist abgeschoben.

Zwischen Jänner und September haben die mexikanischen Behörden mehr als 190.000 Migranten registriert, dreimal mehr als im Jahr 2020. Etwa 74.300 wurden abgeschoben. Von Jänner bis Oktober verzeichnete das Land nach den jüngsten offiziellen Zahlen 108.195 Asylanträge, ein Rekord.

Das Unglück passierte an dem Tag, an dem die ersten beiden Migranten im Rahmen eines reaktivierten Programms zur Rückführung von Asylbewerbern aus den USA nach Mexiko abgeschoben wurden. Das zu Zeiten Trumps eingeführte Programm mit dem Titel „Quedate en Mexico“ (Bleibe in Mexiko) sieht vor, dass Asylbewerber im südlichen Nachbarland auf die Entscheidung der US-Behörden über eine Anerkennung ihres Flüchtlingsstatus warten müssen.

Biden hatte das Programm ausgesetzt, doch nach einer Entscheidung des Obersten Gerichtshofs der USA wurde es reaktiviert. Die Internationale Organisation für Migration (IOM) forderte, dieses „unmenschliche und gegen das Völkerrecht verstoßende“ Programm „so schnell wie möglich und endgültig“ zu beenden.


Kommentieren


Schlagworte