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Manuel Rubey setzt beim Landkrimi auf „gemeinsamen Groove“

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Der Benzinkanister knallt auf den Boden, das Feuerzeug wird gezückt und schon züngeln die Flammen im Haus: Der neue Salzburger Landkrimi „Flammenmädchen“ (am 21. Dezember um 20.15 Uhr auf ORF 1) macht seinem Namen alle Ehre. Für Manuel Rubey und Stefanie Reinsperger geht es im dritten gemeinsamen Fall aber nicht nur darum, die jugendliche Täterin zu fangen. Mit der APA sprach Rubey über den Reiz seiner Figur, die Besonderheiten des Falls und die mystische Landschaft.

APA: Es ist für Sie der dritte Einsatz als Martin Merana. Die Dreharbeiten zum ersten Film fanden bereits 2015 statt. Wie ist es, über so eine lange Zeit hinweg immer wieder mit demselben Charakter konfrontiert zu werden?

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Manuel Rubey: Es ist schön, weil ich es mir schon gewünscht habe, eine Reihe zu haben. Ich hätte nichts dagegen, wenn die Abstände ein bisserl geringer wären. Andererseits ist es mir ganz recht, dass es nicht drei Fälle pro Jahr sind. Dann macht man ja gar nichts anderes mehr. So aber muss man sich die Figur immer wieder herholen. Nach erstem Lesen des Buches plaudern wir im Team mal, was privat passiert sein könnte. Das ist für das Spielen gar nicht so wesentlich, aber ich habe eine große Freude daran, dass man nachdenkt, was er so erlebt hat und wie sich die Beziehung entwickelt hat.

APA: Die Landkrimis zeichnen sich ohnehin dadurch aus, dass das Persönliche der Ermittler stark durchscheint. Macht das für Sie einen besonderen Reiz aus?

Rubey: Ich habe zwar einige Landkrimis gesehen, aber nicht alle. Aber es ist schon auch mein Eindruck, dass das eines der Qualitätskriterien ist. Es wird zugemutet, dass der Fall nicht 100 Prozent ausmacht. Es gibt Platz für Unspektakuläres, für Verzettelungen, für private Dinge. Da liegt auch ein Humor begraben, den ich sehr mag. Im ersten Fall ging es um den Merana, im zweiten Fall um die Franziska und jetzt um beide. Ich finde das persönlich oft viel spannender als den eigentlichen Fall. Eben die Frage: Wie geht es den Leuten eigentlich drum herum? Wo sind diese Schwierigkeiten? Ich denke, das sehen die Menschen auch gerne.

APA: Wie hat sich aus Ihrer Sicht einerseits die Beziehung zwischen den Ermittlern verändert, andererseits aber auch Ihre Zusammenarbeit mit Stefanie Reinsperger?

Rubey: Es ist wie in Beziehungen oder Freundschaften auch: Man merkt relativ schnell, ob man einen gemeinsamen Groove hat. Der lässt sich auch künstlich nur schwer herstellen. Wir kannten uns schon von „Braunschlag“, da hatten wir aber nicht viel miteinander zu tun. Wir haben uns aber abseits des Sets sehr gut verstanden und das fast ein bisschen herbeigesehnt. Das hat sich auch bestätigt. Mittlerweile ist es ein ganz großes Selbstverständnis, dass man sich wahnsinnig gut kennt und oft vieles gar nicht mehr besprechen muss. Es gibt auch kein Konkurrenzverhalten. Es ist immer daran orientiert, wie wir die Szene zum Klingen bringen, um es mal pathetisch zu sagen. Und nicht, wer mehr Sätze hat oder auf wen die Kamera gerichtet ist. Das sagt sich leicht, aber in dem Fall ist es ein großes Vergnügen, ein großes Vertrauen und - ganz wichtig - eine gemeinsame Humorebene.

APA: Nun ist der Film kein klassischer Whodunit-Krimi, sondern mehr ein Gesellschafts- und Familiendrama. Man leidet mit dieser jungen Frau, die keinen Ausweg findet. Wie sehen Sie diese Ausrichtung?

Rubey: Es war ein Glücksgriff, mit Annika Wonner jemanden zu finden, der das so spielen kann in jungen Jahren. Man könnte den Fall weglassen, auch die ermittelnden Kommissare - alleine die Tragödie, die sich in dieser Vater-Tochter-Beziehung mit Alkoholismus und Enge des Dorfes entspinnt, wäre schon eine Geschichte wert. Bei diesem Film wurde wirklich an den ganzen Schrauben weitergedreht. Man gewann an Sicherheit, diese Langsamkeit zu erzählen und die klassischen Krimierzählstränge zu verlassen, um die Enge eines Dorfes darzustellen.

APA: Kennen Sie diese Enge und das sich nicht verstanden Fühlen, das die Figur von Annika Wonner prägt, auch aus persönlicher Erfahrung?

Rubey: Ich bin in Wien geboren und in die Schule gegangen, habe aber eigentlich in Wiener Neudorf an der Stadtgrenze gelebt. Insofern konnte ich mich natürlich damit identifizieren. Ich glaube, meine ganze Pubertät war ein einziges Missverstandenwerden. Das ist aber auch sehr universell und nicht unbedingt eine Stadt-Land-Frage. Vielleicht ist es am Land verstärkt, weil es weniger Möglichkeiten gibt, wo man sich hinflüchten kann. Es gibt von Funny van Dannen dazu einen wunderbaren Satz: „Pubertät, jeden Tag ein Auswärtsspiel.“ Darum geht es. Bei mir fiel vielleicht die Enge eines Dorfes weg, aber es waren genug andere Schwierigkeiten da. (lacht)

APA: Bei den Landkrimis spielt die Region klarerweise eine wichtige Rolle. Wie wichtig ist für Sie als Schauspieler das örtliche Setting?

Rubey: Das ist eigentlich ganz unterschiedlich. Bei einigen Filmen ist es egal, bei den Salzburger Landkrimis ist es wiederum massiv. Diese Orte haben etwas Mystisches, und das sage ich nicht, um mich anzubiedern. Als ich für den ersten Fall erstmals bei den Krimmler Wasserfällen gestanden bin, fand ich es einfach unglaublich, dass es so was in Österreich gibt. Das macht etwas mit einem, das muss man einbeziehen. Gegen diese Naturgewalten kannst und sollst du nicht anspielen. Wenn du das Glück hast, dass du wie im Fall von Klemens Hufnagl einen Kameramann hast, der das nicht kitschig-verherrlichend zeigt, sondern so wichtig nimmt wie die Charaktere und Geschichte, erschließt sich das auch.

(Das Gespräch führte Christoph Griessner/APA)


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