Singen, steppen, scherzen: „The Big Bronski Christmas Show“

  • Artikel
  • Diskussion

Endlich wieder ein Wort, das mit C beginnt und Freude macht: Christmas! Wie ein Weihnachtswunder mutet es den Betreibern des Bronski & Grünberg Theaters in Wien-Alsergrund an, dass sie „The Big Bronski Christmas Show“ doch zeigen dürfen. Dafür haben sie sich nicht nur in Schale geworfen, sondern auch ins Zeug gelegt. Das Präventionskonzept wurde ebenso erweitert wie die Gästeliste. „Plus“ heißt daher nicht nur: mit Test, sondern auch mit Sona MacDonald und Aurora Marthens.

Ein richtiger Rentierschlitten, ein großer Kamin für Santa Claus, ein silberglänzender Weihnachtsbaum, ein Berg Geschenke, jede Menge Hochprozentiges und fröhliche Menschen in Smoking, Abendkleid, Pyjama oder Weihnachtspulli: Das kleine Theater setzt auf große Show. Julia Edtmeier, Mitbegründerin des Bronski & Grünberg und gemeinsam mit Ruth Brauer-Kvam für Konzept und Buch des Abends verantwortlich, führt mit Jakob Semotan als „Julia & Jacob“ charmant und professionell überdreht durch den Abend. Man orientiert sich ganz an großen US-Weihnachtsshows der 60er-Jahre und lässt diese Zeit auch mit ein paar Schwarz-Weiß-Werbespots von damals wiederauferstehen.

Dass an diesem Abend nur englisch gesprochen wird, erinnert an das früher hier beheimatete „International Theatre“ (da spielte man vor Weihnachten immer „A Christmas Carol“) und begeistert auch Stargast Sona MacDonald, die ebenso für einen Song („I‘ll Be Seeing You“) die Bühne entert wie die in Turku und Helsinki ausgebildete Sopranistin Aurora Marthens, Mitglied des Opernstudios der Wiener Staatsoper. Tatsächlich bleibt kaum ein englisches Weihnachtslied ungesungen, kaum ein passender Witz unerzählt, kaum ein Whiskey-Glas unberührt - denn der Kunstschmäh zum Kunstschnee lautet: The same procedure as every year. Die routiniert verbreitete Weihnachtsfreude steht im Mittelpunkt der Inszenierung von Ruth Brauer-Kvam und der musikalischen Begleitung von Christian Frank. Der Witz dabei ist: Alle haben einen großen Spaß daran.

Diseuse Lucy McEvil, Musicalstar Drew Sarich und Ex-Burgschauspieler David Oberkogler sind Teil eines hoch motivierten und bestens gelaunten Ensembles, das sich beim Spielen, Singen, Scherzen und Steppen abwechselt. Dass dabei statt „Leise rieselt der Schnee“ Dean Martins „It‘s a marshmallow world in the winter / When the snow comes to cover the ground“ gesungen wird und statt „All I Want for Christmas Is You“ der aus den 40er-Jahren stammende, wesentlich vergnüglichere Vorläufer „All I Want for Christmas Is My Two Front Teeth“, ist eine gute Wahl. Dass das andere C-Wort ganz ausgespart wird, ebenso. Weihnachten steht vor der Tür? Soll reinkommen!

)


Kommentieren


Schlagworte