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Volksoper lädt mit Kurt Weill zur Psychoanalyse als Musical

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Eine Psychoanalyse ist meist keine allzu amüsante Angelegenheit - es sei denn, die verdrängten Traumata kommen mit so schmissiger Musik daher wie bei Kurt Weills „Lady in the Dark“. Die Wiener Volksoper hat das selten gespielte Musical des legendären „Dreigroschenoper“-Komponisten am Samstagabend nach Coronaverschiebungen auf den Spielplan gehoben und musikalisch einen vollen Erfolg eingefahren, der zugleich die Längen des Theaterstückes unter Beweis stellte.

Schließlich hat sich das Trio aus dem Tonsetzer Weill, dem Librettisten Ira Gershwin sowie dem Autor Moss Hart für eine ungewöhnliche Struktur bei dem beinahe exakt vor 80 Jahren, am 23. Jänner 1941, am Broadway uraufgeführten Stück entschieden. Im Wesentlichen handelt es sich um ein Sprechstück über Liza Elliott, Herausgeberin einer Modezeitschrift, die sich beim Psychoanalytiker einfindet, da sie in letzter Zeit mit Entscheidungsschwäche und Ängsten zu kämpfen hat. Deren Materialisierungen sind dann wiederum als längere Musicalnummern gehalten.

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Und vor allem bei diesen Musikeinlagen laufen Regisseur Matthias Davids und sein Bühnenbildner Hans Kudlich zur Hochform auf. Hier setzt man auf schnelle Wechsel und originelle Lösungen, wenn eine Showtreppe flux zum Auto mutiert oder ein Richterstuhl sich in einem weiblichen Torso findet. Mit großem Ensemble und den von der in jeder Hinsicht eleganten Juli Koci und dem quirligen Sprechakrobaten Jakob Semotan angeführten Leadsängern gelingt hier ein Feuerwerk der Broadwayklänge aus der US-Phase Kurt Weills, auf die immer wieder mit einer gewissen europäischen Arroganz geblickt wird.

Schließlich hat das kompositorische Chamäleon Weill nach dem erzwungenen Exil in den USA den Kern seiner Tonsprache mit der Broadwaydiktion zu verschmelzen gewusst, sich als einer der integrativsten Exilanten an die Kultur seines neuen Heimatlandes angeglichen. Und doch scheint auch bei „Lady in the Dark“ der „deutsche“ Weill immer wieder durch, etwa bei einer der beiden bekannten Nummern des Werkes, der „Saga of Jenny“, während die zweite, „My Ship“, eher die Rodgers & Hammerstein-Ära durchhören lässt. Und beide Traditionslinien weiß der Weill-Spezialist James Holmes am Pult kurz-weillig zu bedienen.

Die Schwäche der „Lady in the Dark“ stellen hingegen die langen Textpassagen dar. Zum einen sind gute Sängerinnen und Sänger nicht per se gute Schauspielerinnen und Schauspieler. Zum anderen fehlt in diesen Szenen just das, was die Muscialakte auszeichnet: Das Tempo und das Timing. Aber so ist es halt bei einer Psychoanalyse - da gibt es immer wieder Durchhänger, bevor wieder was weitergeht.

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