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Richtungsentscheid in Chile: Stichwahl um Präsidentenamt

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Chile hat am Sonntag einen neuen Präsidenten gewählt. In der Stichwahl ums höchste Staatsamt standen sich zwei Bewerber von den äußersten Rändern des politischen Spektrums gegenüber: Der frühere linke Studentenführer Gabriel Boric (35) und der Rechtsaußen José Antonio Kast (55), dessen Familie deutsche Wurzeln hat. In den letzten Umfragen lag Boric knapp vorn. Mit ersten Ergebnissen wurde in der Nacht auf Montag gerechnet.

Die Wahllokale schließen um 18:00 Uhr (22:00 Uhr MEZ). Insgesamt sind in dem südamerikanischen Land rund 15 Millionen Menschen wahlberechtigt. Beide Kandidaten warben bei der Stimmabgabe nochmals um Unterstützung. „Wir werden mit allen voranschreiten, damit niemand zurückbleibt“, versprach Boric für den Fall seines Sieges. „Es liegt an Ihnen, Chile zu verändern.“ Kast rief zu Dialog und Einheit auf der Grundlage von Justiz, Ordnung und Sicherheit auf.

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Die Wahl ist eine echte Richtungsentscheidung: Boric will ein öffentliches Bildungswesen, bessere Gesundheitsversorgung und setzt sich für die Rechte von Migranten, Indigenen und Homosexuellen ein. Kast - Vater von neun Kindern und strenggläubiger Katholik - verspricht Steuersenkungen, einen Grenzgraben gegen illegale Einwanderung und eine harte Hand gegen Kriminelle. Er gilt als Sympathisant des früheren Diktators Augusto Pinochet. Im Wahlkampf sagte er: „Wenn Pinochet noch lebte, würde er mich wählen“.

José Antonio Kast ließ bereits durchblicken, dass er eine knappe Niederlage anfechten werde. Der rechtsextreme Kandidat erklärte am Sonntag laut spanischer Nachrichtenagentur EFE, wenn das Rennen sehr knapp ausfalle und der Unterschied zwischen den beiden Kandidaten weniger als 50.000 Stimmen betrage, könne die Präsidentschaftswahl „von den Wahlgerichten entschieden werden“.

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„Es ist eine knappe Wahl, wir müssen das Ergebnis abwarten, und das könnte vor den Wahlgerichten geklärt werden“, sagte der Vorsitzende der Republikanischen Partei nach der Abstimmung im Süden Santiagos. Der 55-jährige hatte die erste Runde im November mit nur knapp über zwei Punkten Vorsprung (27,9 Prozent) gewonnen, Boric kam auf 25,8 Prozent.

Lange galt Chile als leuchtendes Beispiel in einer von Armut, Gewalt und politischer Unruhe geprägten Region. Das Land mit mehr als 19 Millionen Einwohnern hat das höchste Pro-Kopf-Einkommen in Südamerika. Die Armut konnte in den vergangenen Jahrzehnten deutlich gesenkt werden.

Aber Chile leidet auch unter großer sozialer Ungleichheit. Weite Teile des Gesundheits- und Bildungswesens sind privatisiert, immer mehr Menschen fühlen sich abgehängt. Vor zwei Jahren gingen über Wochen hinweg jeden Tag Tausende auf die Straße, um soziale Reformen und den Rücktritt von Präsident Sebastián Piñera zu fordern.


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