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Linker Kandidat Boric gewinnt Richtungsentscheid in Chile

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Der frühere Studentenführer Gabriel Boric ist mit 35 Jahren zum neuen Präsidenten Chiles gewählt worden. Der Kandidat des linken Wahlbündnisses „Apruebo Dignidad“ (Ich stimme der Würde zu) kam in der Stichwahl am Sonntag nach Auszählung von 99,5 Prozent auf 55,9 Prozent. Sein rechtsgerichteter Rivale José Antonio Kast, dessen Familie deutsche Wurzeln hat, erkannte seine Niederlage an.

„Ich habe gerade mit Gabriel Boric gesprochen und ihn zu seinem großen Triumph beglückwünscht“, schrieb der 55-jährige Kandidat der Republikanischen Partei auf Twitter. „Ab heute ist er der gewählte Präsident Chiles.“ Boric ist der Nachfolger des konservativen Staatschefs Sebastian Pinera, der nach zwei Amtszeiten nicht noch einmal antreten durfte.

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Die Wahl galt aufgrund der gewaltigen politischen Kluft zwischen beiden Kandidaten als Weichenstellung, vielen sogar als wichtigste Wahl seit Chiles Rückkehr zur Demokratie 1990. Boric hatte 2011 die Studentenproteste in Chile angeführt und im ersten Wahlgang vor vier Wochen knapp hinter Kast Platz zwei belegt.

Boric, Sohn kroatischer und katalanischer Einwanderer, will das Land wirtschaftspolitisch vom Erbe des früheren Militärdiktators Augusto Pinochets lösen, das er für die große soziale Ungleichheit in Chile verantwortlich macht. Er hat ein öffentliches Bildungswesen und bessere Gesundheitsversorgung versprochen, setzt sich für die Rechte von Migranten, Indigenen und Homosexuellen ein. Kast hingegen hatte seinen Wählern Steuersenkungen, einen Grenzgraben gegen illegale Einwanderung und hartes Vorgehen gegen Kriminelle in Aussicht gestellt. Der neunfache Vater und strenggläubige Katholik gilt als Sympathisant des früheren Diktators Augusto Pinochet.

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Insgesamt waren in dem südamerikanischen Land rund 15 Millionen Menschen wahlberechtigt. Chile gilt als leuchtendes Beispiel in der Region. Das Land hat das höchste Pro-Kopf-Einkommen in Südamerika, die Armut konnte in den vergangenen Jahrzehnten deutlich gesenkt werden. Probleme bereitet vielen Menschen aber nach wie vor die große soziale Ungleichheit. Weite Teile des Gesundheits- und Bildungswesens sind privatisiert, immer mehr Chileninnen und Chilenen fühlen sich abgehängt vom privilegierteren Teil der Gesellschaft. Vor zwei Jahren gingen über Wochen hinweg jeden Tag Tausende auf die Straße, um soziale Reformen und den Rücktritt von Präsident Sebastián Piñera zu fordern.


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