Österreichs „Adler“ um Ende der Tournee-Durststrecke

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Das Jubiläum bietet sich für ein Sieg-Comeback gut an. Die 70. Vierschanzentournee steht bevor, und Österreichs Skispringer warten mittlerweile sehr lange auf ein Erfolgserlebnis allererster Güte - also einen Gesamtsieg oder zumindest einen Erfolg in einem Einzelbewerb. Den hat zuletzt Stefan Kraft am 30. Dezember 2016 in Oberstdorf gefeiert, also vor fünf Jahren. Zwei Jahre davor hatte er sich zum bisher letzten ÖSV-Gesamtsieger gekürt. Favoriten sind auch diesmal andere.

Dabei ist Ryoyu Kobayashi noch etwas höher einzustufen als Karl Geiger. Der Japaner ist hinter dem Deutschen zwar nur Zweiter des Weltcup-Zwischenstands, hat allerdings wegen eines positiven Corona-Tests zwei Einzel-Bewerbe verpasst. Unmittelbar vor dieser Zwangspause hatte der 25-Jährige Ende November in Ruka gewonnen, an den vergangenen beiden Wochenenden legte er bei einem zweiten Platz mit Erfolgen in Klingenthal und Engelberg aber schon wieder nach.

Und Kobayashi hat Erfahrung darin, wie man eine Tournee gewinnt, vor drei Jahren siegte er gesamt überlegen mit 62,1 Punkten Vorsprung. Geiger hingegen fehlt eine solche Erfahrung noch. Der 28-Jährige stand im jeweils ersten zweier Bewerbe in Nischnij Tagil und Engelberg ganz oben, punktete jedoch vor allem durch seine Konstanz. Abgesehen von Platz 22 in der zweiten Klingenthal-Konkurrenz war der Allgäuer nie schlechter als Fünfter. Der Lohn sind 98 Punkte Vorsprung im Weltcup.

Diese Stabilität könnte beim am Mittwoch in Oberstdorf beginnenden, am Neujahrstag in Garmisch-Partenkirchen und am 4. Jänner in Innsbruck fortzusetzenden sowie am Dreikönigstag in Bischofshofen zu Ende gehenden Klassiker den Unterschied ausmachen. Dieser Faktor fehlte den Österreichern im ersten Saisondrittel ein wenig, wenn sie auch durch Premierensieger Jan Hörl in Wisla und Kraft in Klingenthal zwei der vier nicht von Kobayashi und Geiger gewonnenen Events für sich entschieden.

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„Wir sind ganz gut auf dem Weg, auch wenn wir sicher nicht die Top-Favoriten sind“, sagte ÖSV-Chefcoach Andreas Widhölzl nach der Tournee-Generalprobe am vergangenen Sonntag in Engelberg. Trainingstage am Dienstag und Mittwoch auf dem Bergisel sollten die Sicherheit und Gewissheit geben, mit den Top-Anwärtern auf den „Goldenen Adler“ mithalten zu können. „Als Außenseiter-Favorit zähle ich mich sicher dazu“, meinte Kraft selbstbewusst.

Für ihn und seine Kollegen geht es darum, die Serie an nicht gewonnenen Tourneen nicht so lange werden zu lassen wie die Erfolgsserie davor. Von 2008/09 bis 20014/15 hatten Wolfgang Loitzl, Andreas Kofler, Thomas Morgenstern, zweimal Gregor Schlierenzauer, Thomas Diethart und Kraft in dieser Reihenfolge sieben ÖSV-Triumphe en suite eingefahren. In den jüngsten sechs Auflagen waren aber andere obenauf, seit Michael Hayböcks drittem Rang 2016 gab es keinen ÖSV-Podestplatz.

Dabei waren in den vergangenen fünf Jahren mit Ausnahme der Kobayashi-Gala die Polen nicht zu biegen. Kamil Stoch machte 2016/17 den Anfang, legte im Jahr darauf mit dem Gewinn aller vier Tournee-Bewerbe eindrucksvoll nach und feierte heuer am 6. Jänner seinen dritten Tournee-Triumph. Damit hat der schon 34-Jährige nur noch den Finnen Janne Ahonen (5) und den Deutschen Jens Weißflog (4) vor sich. Vor zwei Jahren stand Stochs Landsmann Dawid Kubacki auf dem obersten Treppchen.

Mit sieben Tagessiegen hat Olympiasieger Stoch in den nächsten 14 Tagen die Chance, das bisherige Maximum von zehn des Norwegers Björn Wirkola und Weißflog zu erreichen oder zu übertreffen. Zu mehr als einem dritten Platz sowie Gesamtrang elf reichte es Stoch in diesem Weltcup-Winter noch nicht. Dass er und seine Teamkollegen sich zu Tournee-Spezialisten entwickelt haben, zeigt aber auch der Vorjahres-Endstand mit Kubacki, Piotr Zyla und Andrzej Stekala als Drittem, Fünftem und Sechstem.

Wie die vorherige steht die Jubiläumsauflage der Tournee im Corona-Schatten. Tests, Hygiene- und Vorsichtsmaßnahmen sind allgegenwärtig. Während in Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen keine Zuschauer erlaubt sind, werden die Konkurrenzen in Innsbruck und Bischofshofen zum gegenwärtigen Stand maximal 4.000 bzw. 3.500 Fans verfolgen. Das Preisgeld wurde endlich angehoben, für den Gesamtsieg gibt es nun 100.000 Franken (ca. 96.000 Euro).


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