Anti-Apartheid-Ikone Desmond Tutu gestorben

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Der Friedensnobelpreisträger und Anti-Apartheid-Kämpfer Erzbischof Desmond Tutu ist im Alter von 90 Jahren gestorben. Das teilte die südafrikanische Präsidentschaft am Sonntag mit. Als prominentester Geistlicher war er jahrzehntelang das moralische Gewissen des Landes, für das er nach der Überwindung der Apartheid einst den Begriff der „Regenbogennation“ prägte.

Ob Rassentrennung oder andere Ungerechtigkeit: Tutu fand stets klare Worte. Als streitbarer anglikanischer Gottesmann wurde er zur Stimme des Widerstands und erhielt 1984 für seinen gewaltlosen Einsatz gegen das Apartheidregime den Friedensnobelpreis. Er sei ein pragmatischer und prinzipienfester Mensch gewesen, schrieb Präsident Cyril Ramaphosa. „Er nahm Gott, Gottes Willen und Gottes Schöpfung todernst“, schrieb Kapstadts Erzbischof Thabo Makgoba.

Das Nobelpreiskomitee sprach in einer Stellungnahme von einer „betrüblichen Nachricht“, der britische Premierminister Boris Johnson würdigte Tutu als wichtige Persönlichkeit im Kampf gegen die Apartheid und beim Aufbau eines neuen demokratischen Südafrikas. David Sassoli, der Präsident des Europaparlaments, würdigte ihn als eine echte Inspiration und „einen Giganten im Kampf gegen Südafrikas Apartheid“.

„Der Tod des emeritierten Erzbischofs Desmond Tutu ist ein weiteres Kapitel der Trauer im Abschied unseres Landes von einer Generation herausragender Südafrikaner, die uns ein befreites Südafrika hinterlassen haben“, betonte Ramaphosa. „Für viele in Südafrika und auch der Welt war sein Leben ein Segen“, schrieb seine Stiftung. Er sei ein außergewöhnlicher Mensch gewesen.

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Tutu sei friedlich im Pflegezentrum Oasis Frail in Kapstadt verstorben, teilte Ramphela Mamphele, die Vorsitzende des Erzbischof Desmond Tutu IP Trusts, im Namen der Familie mit. Zur Todesursache machte sie keine Angaben. „Der Erzbischof war ein moralischer Kompass für unsere Gesellschaft“, sagte Verne Harris von der Nelson-Mandela-Stiftung im TV-Sender eNCA. Er sei seiner Zeit oft voraus gewesen.

Der am 7. Oktober 1931 in der Bergbaustadt Klerksdorp bei Johannesburg geborene Tutu war nach dem Ende der Apartheid einer der Verfechter der Aussöhnung zwischen Schwarzen und Weißen. Obwohl er sich dem heute regierenden Afrikanischen Nationalkongress (ANC) seines Freundes Nelson Mandela im Anti-Apartheid-Kampf verbunden fühlte, kritisierte er den ANC später für Missstände oder Fehlentwicklungen.

1996 ging Tutu nach zehn Jahren als Erzbischof von Kapstadt in den Ruhestand und übernahm im selben Jahr den Vorsitz der Wahrheits- und Versöhnungskommission, die Verbrechen der Apartheidzeit aufarbeitete. Er prägte den Begriff Regenbogennation für das südafrikanische Volk. In seinen letzten Jahren bedauerte er es, dass sein Traum von der Regenbogennation noch nicht in Erfüllung gegangen ist. „Manchmal schrill, oft zärtlich, nie ängstlich und selten ohne Humor, wird Desmond Tutus Stimme immer die Stimme der Stimmlosen sein“, beschrieb Mandela, der im Dezember 2013 starb, einmal seinen Freund.

Aus der Öffentlichkeit zog sich Tutu nach der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika immer mehr zurück. Bei ihm war Ende der 90er Jahre Prostatakrebs festgestellt worden. Obwohl er zunehmend zur Behandlung ins Krankenhaus musste, meldete er sich aber bei ihm ungerecht erscheinenden Ereignissen noch immer stets lautstark zu Wort. Er kämpfte auch für die Gleichberechtigung Homosexueller und gegen die Ausbreitung von Aids. Er hinterlässt seine Frau Leah und vier Kinder.

Einen seiner letzten öffentlichen Auftritte hatte er Mitte September 2019, als ihm der britische Prinz Harry bei einer Afrikareise seine kleine Familie vorstellte und der bereits sehr gebrechlich wirkende Tutu dem kleinen Archie einen Kuss auf die Stirn hauchte.

Zu den Auszeichnungen Tutus zählen neben dem Friedensnobelpreis, der Martin-Luther-King-Preis, die Presidential Medal of Freedom der USA, das deutsche Große Bundesverdienstkreuz (1996) sowie rund drei Dutzend Ehrendoktorwürden - unter anderem der Universität Wien. 2016 erschien Tutus Buch „The Book of Joy“ (Das Buch der Freude), das er gemeinsam mit dem 14. Dalai Lama verfasste.


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