Aaron Friesz: „Maria Theresia hat Mutti-Gefühl vermittelt“

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Maria Theresia hatte nicht nur ein langes Regentinnenleben, sondern mittlerweile auch eine lange TV-Existenz. Am Donnerstag (6. Jänner) ist mit Teil 5 nun aber der letzte der Fernsehfilmreihe auf ORF 2 zu sehen. Ursula Strauss verkörpert darin die reife und alte Habsburger-Monarchin bis zu deren Tod. Da ist Sohnemann Joseph II., der Reformer am Kaiserthron, als Mitregent bereits an ihrer Seite. Verkörpert wird dieser von Shootingstar Aaron Friesz.

Der 33-jährige Wiener hat derzeit nicht nur einen Erfolgslauf im Serienbereich, wo er in Formaten wie „Freud“ oder „Vienna Blood“ reüssierte. Auch im Filmbereich kommt derzeit kaum ein großes Projekt ohne den Schauspieler aus, der 2022 gleich zwei Habsburger-Söhne personifiziert: Neben Joseph II. ist er auch in Marie Kreutzers neuem Sisi-Film „Corsage“ als Kronprinz Rudolf zu sehen. Mit der APA sprach Aaron Friesz über die Parallelen von Maria Theresia und Angela Merkel, sein historisches Gesicht und die Frage, warum zu wenig über Leibeigene gesprochen wird.

APA: Sie surfen derzeit auf einer ziemlichen Erfolgswelle - Coronablues ist für Sie kein Thema?

Aaron Friesz: Das wird von außen viel intensiver wahrgenommen, als ich das für mich selbst erlebt habe. Aber es stimmt schon, dass im vergangenen Jahr für mich viel zu tun war - vor allem, wenn es um Habsburger-Söhne geht.

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APA: Sie sind überhaupt in sehr vielen historischen Projekten zu sehen. Haben Sie das Gesicht des 19. Jahrhunderts?

Friesz: Es ist wohl Zufall, aber ich scheine bei vielen eine Fantasie anzuregen. Und viele sagen mir, ich hätte ein historisches Gesicht. Ich habe mich aber auch sehr bemüht um solche Projekte, die mich sehr interessiert haben.

APA: Was reizt Sie konkret daran?

Friesz: Ich liebe es einerseits, mit den Kostümen in eine andere Welt einzusteigen - und andererseits Figuren zu spielen, die mit Problemen zu kämpfen haben, die wir heute nicht mehr zu kennen glauben. Ich liebe es, mich da hineinzurecherchieren und meiner Figur Hintergründe zu geben, selbst wenn die vielleicht nicht vor der Kamera zu sehen sind.

APA: Macht es da einen Unterschied, ob es sich um einen realen oder fiktiven Charakter handelt?

Friesz: Ich arbeite insofern anders, weil das Material ein anderes ist. Bei den Familienbeziehungen ist man bei einer realen Figur eingeschränkter, während man bei fiktiven Charakteren hier größere Freiheiten hat. Aber letztlich ist es sehr ähnlich, da man sich immer mit den historischen Gegebenheiten auseinandersetzen muss.

APA: Zugleich sind Sie ja nicht der Einzige mit Interesse an der Verfilmung historischer Stoffe. Haben Sie eine Erklärung, was unsere Gesellschaft an den historischen Stoffen derzeit so anzieht?

Friesz: Ich glaube, dieses Interesse hat es immer gegeben. Aber es wird sicher verstärkt nach „Märchen“ mit Prinzen und Prinzessinnen gesucht. Letztlich sind das Märchen mit einer Moral, in denen wir unsere Ängste und Probleme spiegeln können. Diese Figuren sind gute Projektionsflächen. Aber meiner Meinung nach wird oft zu viel über Prinzen und Prinzessinnen geredet und zu wenig über Leibeigene und deren durchaus spannende Geschichten.

APA: Weshalb ist Maria Theresia heute so viel populärer als Joseph II. ungeachtet all seiner Reformen?

Friesz: Ich habe das Gefühl, dass sich die Menschheit gerne in Sicherheit wiegt. Und ich glaube, dass diese Frau den Menschen das Mutti-Gefühl gegeben hat, wie heute eine Merkel. Dieses Mutti-Gefühl ist tief im Menschen drin und löst sehr viel aus. Ein junger Mann mit Erneuerungen und Reformen löst hingegen Unruhe aus - und auf die möchte man sich im Nachhinein weniger berufen und erinnern. Joseph war ein sehr zwiegespaltener Mensch, hatte viele Traumata, die wir heute therapieren würden, die man damals aber nicht gesehen hat. Und zugleich war er sehr zielstrebig und willensstark.

APA: Könnte man die Habsburg-Reihe mit ihm als Hauptfigur fortsetzen?

Friesz: Das wäre natürlich vorstellbar und eine tolle Figur. Man wird sehen, was kommt. Es ist schwierig, solche Geschichten zu erzählen, ohne im Kitsch unterzugehen.

APA: Sehen Sie sich selbst als Schauspieler schon dort angekommen, wo Sie hinwollen? Ist Regie für Sie ein Thema?

Friesz: Ich würde sehr gerne wieder einmal am Theater spielen. Regie wird jetzt noch nicht, aber sicher in der Zukunft einmal eine Rolle spielen. Ich bin aber noch lange nicht da, wohin ich als Schauspieler will und hoffe, dass ich noch auf viele spannende, auch zeitgenössische Charaktere treffen werde.

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