Experte Elling sieht Gecko als „Hinterzimmer-Debattierklub“

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Molekularbiologe Ulrich Elling kritisiert, dass die Politik bei der neuen Corona-Variante Omikron „wieder viel zu langsam“ reagiert. „Bei der Dynamik, die Omikron entfaltet, müssen wir mehr denn je bremsen, bevor es zu spät ist.“ Trotz der neuen Gecko-Kommission sei die Vorgangsweise in der Pandemie nicht transparent: „Auch ich weiß nicht genau, was in der Gecko läuft. Für mich ist das jetzt noch ein Hinterzimmer-Debattierklub“, meinte Elling im „Kurier“ am Samstag.

Bei Omikron verliefen die Wellen steiler und schneller, erklärte Elling. Es gebe aber sehr wohl die Möglichkeit, die Situation zu steuern. Die Regierung handelt nach Ansicht des Experten aber nicht schnell genug: „Die Reaktionszeit ist wieder viel zu langsam.“ Man habe bei der Deltawelle „hoffentlich gelernt, dass der Blick auf die Intensivstationen ein Fahren mit dem Blick in den Rückspiegel ist“, erinnerte Elling. „Das ist mit Omikron indiskutabel. Wir können auch nicht Weihnachtspause machen“, verwies er auf die Situation in den Krankenhäusern in London oder Dänemark.

„Trotz der Gecko-Kommission schaut transparentes Fahren durch die Pandemie für mich anders aus“, merkte der Experte an. „Wir stehen vor der Entscheidung: Bremsen wir die Omikron-Welle jetzt oder bremsen wir sie nicht? Ich befürchte, dass wir die Entscheidung solange vertagen - möglicherweise auch mit Druck aus der Wirtschaft -, bis uns Omikron die Entscheidung abgenommen hat.“ Was dann passiere, sei „Durchseuchung“, sagte Elling. „Wenn wir Omikron durchlaufen lassen, weil wir die Schnauze von der Pandemie voll haben, dann nehmen wir auf die Schwachen keine Rücksicht mehr.“ Dies wäre ein Paradigmenwechsel, den die Politik dann auch klar definieren sollte, findet Elling.

Wenn man die Omikron-Variante durchlaufen lasse, werde man im Messezentrum Feldbetten aufstellen müssen, um alle, die parallel krank sind, zu versorgen, erwartet Elling. Es müsse jetzt eine Strategie definiert werden, „bevor wir wohl im Jänner noch die 50.000er-Marke knacken“. Was das Ende der Ferien betrifft, merkte der Experte an: „Wenn sich die Kinder in der Schule treffen, zündet Omikron durch.“

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Epidemiologe Gerald Gartlehner erwartete in der „Presse“ ebenfalls, dass Omikron die Spitäler schwer belasten wird: Er halte es durchaus für möglich, dass das Gesundheitssystem während der Infektionswelle im Jänner und Februar vor große Herausforderungen gestellt wird. „Damit meine ich die akute Gefahr von einer Überlastung der Intensivstationen.“ Denn selbst dann, wenn Omikron seltener schwere Verläufe verursachen sollte, könne die zu erwartende hohe Zahl an Infektionen zu sehr vielen Spitalsaufenthalten führen.

Gartlehner spricht sich zur Aufrechterhaltung der Infrastruktur dafür aus, die Quarantäne für positiv Getestete sowie ihre engen Kontaktpersonen zu verkürzen und die Erlaubnis zu erteilen, zu arbeiten, wenn jemand zwar infiziert ist, aber nur milde Symptome zeigt. Dreifach Geimpfte sollten automatisch zu Kontaktpersonen der Kategorie zwei herabgestuft und damit von der Quarantäne befreit werden, obwohl sie die Kriterien für K1-Personen erfüllen. Die Chancen für einen neuerlichen harten Lockdown sieht Gartlehner „höher als die dagegen“.

Einmal mehr warb Gartlehner dafür, sich impfen zu lassen. Medikamente seien nicht die Lösung. „Praktisch alle, die derzeit noch vollkommen ohne Immunität sind, werden sich mit Omikron infizieren.“


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