„Mehr kooperative Prozesse“ beim Berliner Humboldt Forum

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Im Berliner Humboldt Forum wollen die beteiligten Institutionen Präsentation und Zusammenarbeit verbessern. Nach Kritik und einem schwierigem Start mit zahlreichen Verzögerungen machten dies Generalintendant Hartmut Dorgerloh, der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Hermann Parzinger, und Kultursenator Klaus Lederer in Gesprächen mit der Deutschen Presse-Agentur in Berlin deutlich.

Das 680 Millionen Euro teure Humboldt Forum ist als wichtigstes bundesdeutsches Kulturprojekt nach jahrelangen Diskussionen und einigen Verzögerungen im Juli in einem ersten Schritt eröffnet worden. Das 40.000 Quadratmeter umfassende Gebäude bespielen die Stiftung Preußischer Kulturbesitz mit zwei ihrer Museen, das Land Berlin, die Humboldt-Universität und die Stiftung Humboldt Forum. Gezeigt werden Exponate aus Asien, Afrika, Amerika und Ozeanien sowie Objekte zur Geschichte Berlins. Künftig präsentiert werden sollen auch die als koloniales Raubgut geltenden Benin-Bronzen, die mit dem letzten Öffnungsschritt dann vermutlich Mitte 2022 zu sehen sind.

Nach den Worten Dorgerlohs soll es künftig „mehr kooperative Prozesse“ geben. „Dass wir jetzt ein stabiler Verbund von Partnern sind, ist das Ergebnis intensiver Arbeit der letzten Jahre“, sagte er der dpa. „Das wird in der Praxis aber sicherlich noch klarer sichtbar werden müssen.“

„Unser Motto ist ja auch ‚von der Addition zur Integration‘“, sagte er. Alle Akteure seien erstmal mit ihren eigenen Programmen und Vorstellungen in das Haus gezogen. „Jetzt geht es um die Frage, was wir zusammen machen. Und das geht klar in Richtung mehr kooperative Prozesse.“ Seine Aufgabe sei es dabei, auch Themen zu setzen, die für das gesamte Haus besonders wichtig seien.

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Dorgerloh berichtete von viel Zustimmung. „Es gibt aber einzelne Bereiche, wo es, wie ich finde, auch berechtigte und nachvollziehbare Kritik gibt. Da werden jetzt die Beteiligten verbessern und nacharbeiten.“ Bedarf sieht er etwa beim Ethnologischen Museum. „Ich erwarte ganz klar – und das wird auch passieren –, dass man im Bereich des Luf-Boots noch mal Ansprache und Erklärung für das Publikum optimiert.“

Der Historiker Götz Aly hatte die Debatte befeuert, unter welchen kolonialen Bedingungen das große Auslegerboot von der Südseeinsel Luf in den Besitz des Museums gelangte. „Das ist aus unserer Sicht wichtig“, sagte Dorgerloh zur geplanten besseren Einordnung. „Es ist sehr schön zu wissen, dass die Staatlichen Museen das auch so sehen. Jetzt überlegen wir gemeinsam, wie sich das konkret machen lässt.“

Auch in anderen Bereichen des Hauses werde nachgebessert. Die Zusammenarbeit der Organisationen sei „keine defizitorientierte Konkurrenzgemeinschaft“. Es gehe um Verstärkung und Ergänzung der jeweiligen Potenziale.

Parzinger sieht die Museen gut aufgestellt. „Aber es ist eine sehr intensive Debatte, die natürlich weitergeht“, sagte er der dpa. „Wenn Museumsbereiche eröffnet werden, hört die Debatte nicht auf. Aber die Debatte darf nicht nur auf dem Rücken der Museen ausgetragen werden.“

„Man muss sich lösen von der Vorstellung eines statischen Museums, es wird in Bewegung bleiben“, sagte Parzinger. „Das Humboldt Forum ist ein Aushandlungsraum, ein Austragungsort, vielleicht ein Labor. Wir lernen immer weiter hinzu, besonders in den Kooperationen mit den Herkunftsländern und Ursprungsgesellschaften.“ Mit Blick auf die Debatte um Restitutionen sagte er: „Der Weg, den unsere Museen mit den Herkunftsländern gehen, ist alternativlos, und er wird Schule machen. Denn Rückgaben allein bringen noch keinen Dialog in Gang, wir wollen zusammen arbeiten, denken, forschen und ausstellen.“

Für die Zusammenarbeit der Institutionen im Humboldt Forum zeigte sich Parzinger zuversichtlich. Mit Eröffnung des gesamten Hauses fügten sich die einzelnen Teile Schritt für Schritt zusammen. Dabei gelte es zu sehen, was sich bewährt habe und was verändert werden sollte.

Lederer sieht das Humboldt Forum in einem Entwicklungsprozess. „Die Debatten um die außereuropäischen Sammlungen zeigen, dass beim Umgang mit den Kulturgütern noch viel zu lernen und viel zu tun ist“, sagte der Linke-Politiker der dpa. „Noch werden die Geschichten, wie sie hierhergekommen sind, und was ihre Funktion, ihre eigene Geschichte ist, zu wenig erzählt, stehen noch zu viele dieser Kunstschätze einfach in Vitrinen.“

„Das Humboldt Forum will ein Aushängeschild der auswärtigen Kulturpolitik der Bundesrepublik sein, das Weltoffenheit und Diversität charakterisieren soll – soll es diesem Anspruch gerecht werden, müssen wir genau hinschauen.“ Die „Wiedererrichtung dieses Stadtschlosses“ sei eine rein politische Entscheidung gewesen, „ohne dass zu dem Zeitpunkt klar war, was man mit dem Haus eigentlich will“, sagte er. „Letztlich können sich alle Beteiligten glücklich schätzen, dass da die Idee entstanden ist, man könne dort ein Humboldt Forum draus machen.“

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