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Australien widerruft Djokovic-Visum - Star muss abreisen

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Australien hat dem am Flughafen in Melbourne gestrandeten Tennis-Weltranglisten-Ersten Novak Djokovic die Einreise verweigert und sein Visum für ungültig erklärt. Dem 34-jährigen Serben wurde in einem Regierungsbescheid mitgeteilt, dass er Australien am Donnerstag verlassen muss, berichtete Reuters am Mittwochabend. Djokovic will nun dagegen rechtlich vorgehen. Auch Serbiens Präsident Aleksandar Vucic intervenierte und bestellte den australischen Botschafter in Belgrad ein.

Nach der Behördenentscheidung wurde Djokovic am Donnerstagvormittag (Ortszeit) in ein Quarantänehotel in Melbourne gebracht, berichteten australische Medien. Er solle im Laufe des Tages mit einem Flug außer Landes gebracht werden, hieß es. Sein Vater Srdjan rief indes bereits zu einem Massenempfang für den Tennisstar in Serbien auf. „Unser Stolz, unser Novak kehrt zurück. Wir alle müssen ihn so empfangen, wie es sich gehört“, schrieb er auf Instagram.

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Der australische Premierminister Scott Morrison verteidigte die Entscheidung am Donnerstagvormittag in einer Pressekonferenz. Dem australischen Tennisverband sei schon im November schriftlich mitgeteilt worden, dass nur doppelt geimpfte Personen einreisen dürfen, betonte er. Der Verband könne Djokovic das Antreten in Melbourne gestatten, doch über die Einreise entscheiden einzig und allein die Grenzbehörden, sagte der konservative Politiker. Er wolle keine Details über die Gesundheit von Djokovic preisgeben. „Was ich sagen kann ist, dass die vorgelegten Unterlagen für eine medizinische Ausnahme als unzureichend eingestuft wurden“, so Morrison. Zugleich wies er Vorwürfe zurück, die Behörden seien schikanös gegenüber Djokovic vorgegangen seien. Ähnliche Regelverletzungen seien wiederholt festgestellt worden.

Der neunmalige Melbourne-Sieger hatte zuvor noch grünes Licht für eine medizinischen Ausnahme-Regelung erhalten, die ihn bei der Einreise von der Impfpflicht gegen Covid-19 befreit und ihm somit ermöglichen sollte, bei den Australian Open in Melbourne an den Start gehen. Der Weltranglisten-Erste war am Mittwoch mit einem Flieger aus Dubai kurz vor Mitternacht (Ortszeit) in Melbourne gelandet. Djokovic wurde nach seiner Ankunft mehrere Stunden auf dem Flughafen der Metropole festgehalten, nachdem die Grenzschutzbehörden erste Bedenken hinsichtlich des Einreisevisums geäußert hatten.

Die Dokumente, die Djokovic vorgelegt hatte, sahen Medien zufolge medizinische Ausnahmen für Ungeimpfte gar nicht vor. Die daher kontaktierten Behörden des australischen Bundesstaats Victoria verweigerten ihm die Unterstützung. Sein Sohn sei stundenlang in einem bewachten Raum festgehalten worden, beklagte Srdjan Djokovic gegenüber serbischen Medien.

In die Causa schaltete sich am Abend auch Serbiens Präsident Aleksandar Vucic ein, er bot dem Tennisstar in einem Telefonat seine Hilfe an. „Ganz Serbien ist mit Novak und unsere Behörden tun alles, um diese Schikane sofort zu beenden“, erklärte Vucic, der den australischen Botschafter einbestellte. Die Causa könnte damit auch diplomatische Konsequenzen verursachen.

Morrison erwiderte, dass niemand über dem Gesetz stehe. „Regeln sind Regeln, speziell wenn es um unsere Grenzen geht. Niemand steht über diesen Regeln“, twitterte er. Auch Innenministerin Karen Andrews sprach Klartext: „Jede Person, die nach Australien einreisen möchte, muss unsere strengen Grenzbestimmungen einhalten“, betonte sie.

Schon vor der Ankunft des 34-Jährigen in Australien hatte sich eine Welle der Empörung im Gastgeberland des ersten Grand-Slam-Turniers der Saison aufgebaut. Die Ausnahme-Erlaubnis für Djokovic sorgte für „Zorn und Konfusion“, wie es der Sender ABC nannte. Andere Äußerungen reichten von „Ohrfeige für alle Australier“ bis „Schlag ins Gesicht für Millionen von Australiern“.

Australien hatte in der Pandemie auf besonders strikte Maßnahmen wie monatelange Lockdowns bei vergleichsweise moderaten Infektionszahlen gesetzt, verbunden mit strengen Einreisekontrollen. „Unsere starken Grenzregeln haben entscheidend dazu beigetragen, dass Australien zu den Staaten mit der niedrigsten Zahl an Covid-Toten zählt, und wir werden weiter wachsam bleiben“, betonte Morrison.

Turnierdirektor Craig Tiley verteidigte die umstrittene Entscheidung, bat den 20-maligen Grand-Slam-Sieger aber um Aufklärung. Das Turnier startet am 17. Jänner in Melbourne. Nur Spieler und Spielerinnen, die gegen das Coronavirus geimpft sind oder eine medizinische Ausnahmegenehmigung erhalten haben, dürfen daran teilnehmen.

Am Dienstag hatte der weltbeste Tennisspieler nach wochenlangem Schweigen und Zaudern mitgeteilt, dass er nun dank genau einer solchen Ausnahmegenehmigung nach Australien fliegen werde. Seinen Impfstatus hat er bisher nicht öffentlich gemacht. Djokovic hat die Australian Open bereits neunmal gewonnen und wollte als Titelverteidiger antreten. Bei einem Sieg würde er seine Konkurrenten Roger Federer und Rafael Nadal mit Grand-Slam-Triumph Nummer 21 hinter sich lassen.


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