Entgeltliche Einschaltung

„Das Versprechen“: Preisgekrönter Roman nun auf Deutsch

  • Artikel
  • Diskussion

Eine Farm in der Nähe von Pretoria und vier Todesfälle: Ma stirbt an Krebs, Pa an einem Kobra-Biss, Schwester Astrid wird ermordet und Bruder Anton erschießt sich selbst. Ausgerechnet Amor, die als Mädchen vom Blitz getroffen worden war, überlebt die ganze Familie. Und kann endlich das Versprechen einlösen, das ihre Mutter Jahrzehnte zuvor dem schwarzen Hausmädchen Salome gegeben hatte. Der Roman „Das Versprechen“ des Südafrikaners Damon Galgut ist nun auf Deutsch erschienen.

Die südafrikanische Familiengeschichte gewann im Vorjahr den renommierten Booker Preis und führt im Februar die ORF-Bestenliste an. Das ist wohl nicht nur der Auseinandersetzung mit dem Umbruch Südafrikas aus weißer Perspektive geschuldet, der Überwindung der Apartheid und den anschließenden Enttäuschungen über Korruption und Misswirtschaft, sondern auch der außergewöhnlichen Erzählweise.

Entgeltliche Einschaltung

Der Autor, 1963 in Pretoria geboren und heute in Kapstadt lebend, streut in seine parabelhafte Erzählung vom Niedergang der weißen Herrschaft immer wieder kommentierende und ironisierende Passagen, in denen er aus dem Handlungsablauf heraustritt, um aus der Distanz größere Zusammenhänge zu erkennen und zu benennen. Gleichzeitig ist er immer wieder ganz nahe an seinen Figuren und wagt sich bei der Beschreibung ihrer Gefühle und ihrer Verbindungen zu Natur und Menschen waghalsig auf steile Terrains, in denen einzig die souveräne Beherrschung der sprachlichen Mittel Halt gibt. Doch Galgut stürzt dabei nicht ab, sondern sorgt für Momente des Innehaltens, bei denen er mitunter atemberaubende Ausblicke eröffnet.

Das kontrastiert gut mit der eigentlich sehr horizontal und überschaubar entwickelten Handlung. Im Zentrum steht die Farm der Familie Swart, die im Laufe der Zeit immer stärker dezimiert wird. Die Kapitelüberschriften kündigen jeweils das bevorstehende Ende einer Hauptfigur an: „Ma“ Rachel stirbt nach jahrelangem Leiden im Krankenhaus, ihre Tochter Amor wird für die Abschieds- und Begräbnisfeierlichkeiten aus dem ungeliebten Internat geholt - und muss wieder hin, obwohl Vater Manie ihr das Gegenteil verspricht.

Mit Versprechen nimmt es die Familie ohnedies nicht genau. Amor will genau gehört haben, dass ihre Mutter dem Vater am Krankenbett das Versprechen abgenommen hat, dem Hausmädchen, das ihr ganzes Leben lang im Dienste der Familie steht, das baufällige und windschiefe Häuschen, in dem sie wohnt, zu schenken. Neben den Todesfällen ist das beharrliche Insistieren Amors auf die Einlösung dieses Versprechens der Rote Faden, der sich durch das Buch zieht.

Es müssen erst „Pa“ (der einen unsinnigen Weltrekordversuch im Zusammenleben mit Giftschlangen unternimmt), Schwester Astrid (die bei der Entführung ihres Autos als unliebsame Zeugin ganz beiläufig erschossen wird) und Bruder Anton (der seine einstigen Talente und Hoffnungen in den Sand gesetzt hat und als Wrack auf der Farm endet) nacheinander sterben, um Amor die Möglichkeiten in die Hände zu geben, das einstige Versprechen ganz alleine einhalten zu können. Der Moment, in dem Amor Salome und ihrem Sohn, dem gleichaltrigen Lukas, mit dem sie als Kind gespielt hatte, die Besitzurkunde schlussendlich überreichen kann, ist von Galgut nicht nur großartig inszeniert, sondern mit aller Ambivalenz ausgestattet, die auch die politische Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte gekennzeichnet hatte.

Politische und persönliche Schuld, Verbrechen der Vergangenheit und Probleme der Gegenwart, die Schwierigkeit, inmitten dieses Dickichts aufrecht einen eigenen, geraden Weg zu finden - all‘ dies hat Damon Galgut in „Das Versprechen“ meisterhaft in eine Geschichte umgesetzt, die viele große Themen berührt, vor allem aber zeigt: Es gibt mehr als bloß gut und böse, schwarz und weiß. Es gibt aber auch Verantwortung, die über einen selbst hinausweist.

(S E R V I C E - Damon Galgut: „Das Versprechen“, Luchterhand, Aus dem Englischen von Thomas Mohr, 368 Seiten, 24,70 Euro)


Kommentieren


Schlagworte

Entgeltliche Einschaltung