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Wohl kein tschechisches Atommüll-Endlager vor 2065

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Am Mittwoch will die EU ihre umstrittene Taxonomie-Regelung veröffentlichen. Dass darin Atomkraft als nachhaltig eingestuft werden könnte, hat im Vorfeld für hitzige Diskussionen gesorgt. Der EU schwebt vor, das grüne Label für die Kernkraft an einen konkreten Plan für ein 2050 betriebsbereites Endlager zu knüpfen. Österreichs Nachbarland Tschechien scheint aber selbst nicht daran zu glauben, dass es diese Hürde nehmen kann. Frühester Termin dürfte 2065 sein.

Die Taxonomie soll Investoren und Banken einen Leitfaden in die Hand geben, welche Technik als nachhaltig einzustufen ist. Österreich und Deutschland lehnen das bei der Atomkraft ab, Frankreich drängt aber darauf. Auch die neue tschechische Regierung von Premier Petr Fiala will die Atomkraft weiter forcieren. Weniger Tempo legt das Land aber bei der Frage der Entsorgung an den Tag: Die im delegierten Rechtsakt enthaltene Vorgabe, die Endlagerung bis 2050 sicherzustellen, kritisiert man heftig, Umweltministerin Anna Hubackova bezeichnete sie erst kürzlich gegenüber der tschechischen Agentur CTK als „Fiktion“ - und ein Blick auf die kursierenden Zeitpläne zeigt, warum: 2023 will Tschechien erst mit geologischen Untersuchungen beginnen, bis 2025 - ev. auch erst bis 2030 - soll der genaue Standort ausgewählt werden. Als Baubeginn ist 2050 angedacht, an eine Inbetriebnahme ist erst 2065 zu denken.

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Widerstand gibt es in Tschechien seit langem, die Plattform gegen das Atommüll-Endlager vereint 35 Gemeinden und 16 Vereine. Andererseits unterstützen laut einer Umfrage der Agentur IBRS vom Dezember 2021 auch zwei Drittel der Bevölkerung die Atomkraft. Die Mehrheit sieht darin eine saubere und emissionsfreie Energiequelle. Die Frage der Lagerung des Atommülls hielt ein Drittel der Befragten für „wichtig“.

In Österreich besteht hingegen parteiübergreifende Einigkeit, dass es zu keinem weiteren Atomkraft-Ausbau in Tschechien kommen soll, die Politik wendet sich auch gegen grenznahe Atommülllager. Gabriele Schweiger von der Plattform atomstopp_oberoesterreich, die sich seit Jahren aktiv gegen die Atomkraft und deren Ausbau in Tschechien engagiert, will allerdings nicht die Grenznähe als zentrale Entscheidungsgröße sehen: „Es kommt auf die Geologie an“, betont sie.

Atomgegner diesseits und jenseits der Grenze werfen Tschechien aber seit langem vor, es suche statt nach geologisch geeigneten Orten nach solchen, wo wenig Widerstand zu erwarten sei - z.B. weil die Menschen ohnehin bereits mit Atomkraft oder Radioaktivität leben. In Kravi Hora etwa gibt es in der Nähe alte Uranminen, Janoch und Na Skalim liegen nahe an bestehenden Atommeilern.

Zehn Gemeinden rund um den in der engeren Auswahl befindlichen Standortkandidaten Horka kritisieren in einem Brief an die Regionalvertretung Vysočina u.a., dass weltweit nirgends ein Tiefenlager in einem so dicht besiedelten Gebiet geplant werde. Rund 42.000 Menschen würden im Umkreis von nur zehn Kilometern um Horka leben. Zudem sei nicht nachgewiesen, dass das Lager für Hunderttausende Jahre sicher sei, „es handelt sich vielmehr um ein Experiment“.

Wie die Atomgegner von Horka und andere Gruppen kritisiert auch Renate Brandner-Weiß, die sich im Rahmen des Waldviertler EnergieStammtischs mit dem Thema Endlager befasst, dass das versprochene tschechische Gesetz zur Einbindung der Gemeinden bis heute nicht beschlossen sei und die Betroffenen immer noch keine Parteienstellung hätten. Sie moniert auch, dass die Verengung von neun auf vier Standortkandidaten nicht transparent abgelaufen und nur schwer argumentierbar sei, da es ja kaum (geologische) Untersuchungen gebe.

Im Auftrag von Ober- und Niederösterreich hat das deutsche Ökologieinstitut bereits 2017 eine Studie erstellt. Darin ist die Rede davon, dass Tschechien für sein Endlager im kristallinen Wirtsgestein zwar skandinavische Projekte als Vorbild nenne, statt der dort vorgesehenen Kupfercontainer aber eine auf Stahl basierende Behältertechnologie aus der Schweiz übernehmen wolle, die für die Einlagerung in Tongestein gedacht ist. Was das für die Langzeitsicherheit bedeute, sei unklar. Zudem arbeite Tschechien zu viel mit „oberflächennahen Erkenntnissen, generischen Annahmen und standortfremden Analogieschlüssen“ und zu wenig mit unmittelbaren Erkundungen, heißt es darin sinngemäß.

Genau auf diese Punkte könnte die österreichische Position in einer grenzüberschreitenden strategischen Umweltprüfung, in die man sich laut dem oberösterreichischen Umweltlandesrat Stefan Kaineder (Grüne) einbringen will, abzielen. Er kritisiert, dass Tschechien die aktuelle Diskussion um die EU-Taxonomie nutze, um den Atomkraft-Ausbau zu forcieren. Die Endlagersuche führe vor Augen, dass es sich bei der Atomkraft wohl kaum um saubere Energie handle. „Seit den 1980ern wird in Tschechien Atomstrom erzeugt und seither gibt es keine Lösung für den anfallenden hochgefährlichen Müll. Solange der Atomkraftausstieg nicht beschlossen ist, werden wir auch der Endlagersuche nicht zustimmen“, betont Kaineder. „Jeder Gewerbebetrieb muss nachweisen wie die Abfälle konkret behandelt werden, beim hoch radioaktiven Atommüll, der die nächsten 30.000 Generationen schwer belastet, wird ein Auge zugedrückt und halbseidene Konzepte für 2050 genügen, um den Stempel ‚nachhaltig‘ zu bekommen“, fürchtet er, dass aus dem Green Deal ein „schmutziger Deal“ werden könnte.

Auch wenn Österreich einen recht strikten Anti-Atom-Kurs fährt - hierzulande gibt es ebenfalls radioaktive Abfälle, wenn auch nur leicht- und mittelbelastetes Material aus Medizin und Forschung. Anti-Atom-Aktivistin Schweiger kritisiert, dass Österreich selbst kein Endlager vorweisen könne. Nötig wäre wohl das Volumen „eines größeren Veranstaltungssaales“, wie sie sagt. Laut Klimaschutzministerium fällt jährlich rund 300 Tonnen radioaktiver Müll an, der im Zwischenlager Seibersdorf gelagert wird.


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