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Experten für bessere Nachsorge bei immer mehr Krebspatienten

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Rund 375.000 Personen leben in Österreich mit einer Krebserkrankung. „Es werden immer mehr Menschen, die von Krebs geheilt sind oder mit Krebs leben.“ Das hat „unsere Strukturen überholt“, was die Nachsorge betrifft, sagte der Onkologe Hannes Kaufmann anlässlich des Weltkrebstages am 4. Februar im APA-Gespräch. Er fordert die Errichtung von wohnortnahen Nachsorgezentren. Dutzende Experten trugen mit dem Pharmakonzern Sanofi weitere Vorschläge in einem Weißbuch zusammen.

Kaufmann sieht „einen Paradigmenwechsel“ durch mehr Heilungen mit personalisierter Medizin, mehr Patientinnen und Patienten mit „chronifizierten“ Formen von Krebs und mehr ältere Betroffene. „Eine Brustkrebspatientin lebt heute mit entsprechender Begleitung länger als früher“, erläuterte der Leiter der 3. Medizinischen Abteilung, Zentrum Onkologie und Hämatologie an der Klinik Favoriten und der Klinik Landstraße in Wien. Sobald eine Krebserkrankung geheilt oder chronifiziert ist, benötige es weitere Begleitung, sagte der Facharzt.

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Dazu brauche es etwa Zentren mit molekularer Diagnostik, Strahlentherapie, Rehabilitation, Diätologie oder psychologischer Betreuung. Es werde derzeit mit der Gesundheitskasse ÖGK evaluiert, was sinnvoll wäre anzubieten. Das Versorgungsproblem bestehe weniger in der Stadt, aber teilweise würden Patienten bis zu 300 Kilometer Wegstrecke für eine Kontrolle in Kauf nehmen, kritisierte Kaufmann. Die Medizin müsse zu den Patienten gebracht, aber die Entscheidungen in Versorgungszentren von Spezialisten getroffen werden. Es brauche dabei Öffnungszeiten, die „es ermöglichen auch berufsbegleitend Kontrollen wahrzunehmen“.

„Wir brauchen diese Zentren gerade am Beginn der Behandlung“, forderte der Mediziner. „Häufig beginnt die Problematik für die Patientinnen und Patienten mit der Entlassung aus dem Akutbereich“, sagte auch die Präsidentin des Gesundheits- und Krankenpflegeverbandes ÖGKV, Elisabeth Potzmann, in dem Hintergrundgespräch. Das Entlassungsmanagement in einem Spital kann „nur managen, was bereits da ist“. Es gebe Lücken außerhalb der Krankenhausmauern, die geschlossen werden müssen.

„Es ist häufig so, dass Patienten nicht wissen, worauf sie Anspruch haben, wo sie Hilfe finden können“, berichtete Potzmann. „Wir leben in Österreich in einem Antragssystem.“ Hilfe müsse aktiv eingefordert werden. Besserung verspricht sich die ÖGKV-Präsidentin vom geplanten Modell der „Community Nurse“. Diese könne neben der üblichen Versorgung der Patienten auch bei derartigen Anträgen helfen. „Eine konkrete Stellenbeschreibung der ‚Community Nurses‘ fehlt noch“, schränkt Potzmann allerdings in dem „Weißbuch onkologische Nachsorge“ ein. Sie kritisierte auch, dass Betroffene bestimmte Leistungen selbst bezahlen müssen und dass Pflegekräfte „Mittel, die wir zur Arbeit brauchen, nicht zur Arbeit bringen können, weil wir die Schleife über die ärztliche Anordnung ziehen müssen“.

Bei der ambulanten Krebstherapie entstehe immer wieder Streit, „wer ist denn jetzt zuständig, wer bezahlt das Medikament“, berichtete ÖGK-Obmann-Stellvertreter Andreas Huss. „Das ist unwürdig, das darf nicht auf dem Rücken der Patienten stattfinden.“ Er forderte eine gemeinsame Finanzierung und lediglich eine Entscheidung, ob ein Medikament im Spital verabreicht oder direkt an den Patienten abgegeben werde, je nachdem was für den Betroffenen besser sei.

Krebspatienten bräuchten außerdem Betreuung beim Wiedereinstieg ins Berufsleben, sagte der ÖGK-Arbeitnehmervertreter. Es gebe das Modell der Wiedereingliederung, sodass Arbeitnehmer nach einem Krankenstand ihre Arbeitszeit um 50 Prozent reduzieren können und den Rest auf 80 bis 90 Prozent des letzten Einkommens von der Krankenversicherung bezahlt bekommen. Unterschiedlichen Stellen hätten jedoch immer wieder unterschiedliche Ansichten zur Arbeitsfähigkeit einzelner Patienten und es bestehe das Problem, dass Betroffene „durch Versorgungssysteme durchfallen und in Mindestsicherung landen“, sagte Huss.

„Krebs hat eine beachtliche gesamtwirtschaftliche Dimension mit geschätzten Folgekosten von mehr als 100 Milliarden Euro pro Jahr allein in Europa“, sagte Marcus Dietmayer, der die Gesamtverantwortung für die Abteilung Onkologie bei Sanofi Österreich innehat. Die laut jüngsten Zahlen der Statistik Austria rund 375.000 aktiv von Krebs betroffenen Personen in Österreich seien vier Prozent der Bevölkerung. Dass sich mehr als 40 hochkarätige Expertinnen und Experten insgesamt ein dreiviertel Jahr ehrenamtlich für das Weißbuch eingebracht haben, zeige ebenfalls die Bedeutung des Themas, unterstrich Dietmayer.

Die Policy-Vorschläge darin drehen sich u.a. auch speziell um die Krebs-Nachsorge bei Frauen. Persönliche Beziehungen und Psyche sowie Vorsorge sind ebenso Thema. In Sachen Prävention verwies Huss auf Vorarlberg, wo Bewohner ab 50 Jahren aktiv zu Darmspiegelungen (Koloskopien) eingeladen wurden. Damit seien innerhalb von zehn Jahren bei 700 Patienten frühzeitig Polypen im Darm identifiziert und entfernt wurden, bevor Krebs ausgebrochen ist. Das habe neben den Erkrankungen auch 70 Millionen Euro an Folgekosten gespart. „Wir sind dabei, dass wir das auch österreichweit ausrollen“, kündigte der stellvertretende ÖGK-Obmann an.

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