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„Titanic“ als authentisches und berührendes Musical in Linz

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Fast genau 110 Jahre nach ihrem Untergang im April 1912 hat die Titanic am Sonntagabend in Linz abgelegt. Erstmals in Österreich als Indoor-Produktion zu sehen, ließ das Musical im Musiktheater das Publikum eintauchen in den Mythos der „schwimmenden Stadt im Meer“. Authentische Kulissen und Kostüme und wandelbare Klänge bescherten dem Publikum trotz der allseits bekannten dramatischen Handlung einen sehenswerten Premierenabend.

„Gigantismus“, wie Regisseur Simon Eichenberger es formuliert, ist wohl das treffendste Wort für die „Titanic“, die nicht nur dem Namen nach enorme Ausmaße hatte und alles an Glanz und Glamour bot, was man sich zur damaligen Zeit vorstellen konnte. Das als unsinkbar geltende Schiff lockte das Who‘s Who der amerikanischen und europäischen Gesellschaft zur Jungfernfahrt Richtung New York. Eine Reihe an kleinen Problemen und Fehlentscheidungen ließ sie jedoch in sternenklarer Nacht mit einem Eisberg kollidieren und das Unheil nahm seinen Lauf.

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Von den an realen Biografien orientierten Figuren steht in der Musicalversion von Maury Yeston (Story und Buch) und Peter Stone (Musik und Gesangstexte) keine besonders im Mittelpunkt. Vielmehr werden mehrere kleine - vielleicht einen Tick zu viele - Geschichten erzählt: Vom Heizer Barrett (Christian Fröhlich), der seiner Geliebten mit der nigelnagelneuen Funktechnik am Schiff einen Heiratsantrag übermittelt, über Alice Bean (Daniela Dett), Passagierin der zweiten Klasse, die ihren Kopf stets nach der ersten Klasse reckt, bis hin zur forschen Auswanderin Kate (Hanna Kastner), die sich auf der Überfahrt gleich einen Mann für das Leben in der „neuen Welt“ angelt.

Im Mittelpunkt der Handlung stehen trotz allem die Passagiere der ersten Klasse, unter ihnen das „wahre“ Liebespaar des Musicals, das alte Ehepaar Straus (Martin Berger und Luzia Nistler), das auch den letzten Weg gemeinsam geht. Spannend ist auch der Blick auf das Trio aus Kapitän E. J. Smith (Dean Welterlen), Erbauer Thomas Andrews (David Arnsperger) und Reedereibesitzer J. Bruce Ismay (Karsten Kenzel), das sich unweigerlich der Schuldfrage stellen muss.

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Authentisch sollte die Linzer Titanic für Regisseur Eichenberger sein, und er nutzt dafür die Bühnentechnik vollumfänglich aus: Die Wechsel zwischen Kommandobrücke und Funkkämmerchen oder Speisesalon erster und Aufenthaltsraum dritter Klasse gelingen fließend. Detailverliebt bildet Bühnenbildner Charles Quiggin Relings und Taue, den Heizraum, die Holzvertäfelungen der Gänge genauso wie den Erste-Klasse-Salon nach und verdeutlicht so, warum der Titanic ihr ganz besonderer Ruf vorauseilte. Ähnliches gilt für die zeitgenössischen Kostüme von Aleš Valášek, die noch einmal den Unterschied zwischen erster und dritter Klasse unterstreichen.

Das Bruckner Orchester Linz unter der Leitung von Tom Bitterlich gleitet von subtilen, die Handlung unterstreichenden Tönen - etwa den Morsezeichen des Funkers oder dem Rattern der Schiffsschraube -, über filmisch anmutende, harmonische Melodien bis hin zu kraftvollen symphonischen Passagen und erntet dafür wiederholt Zwischenapplaus. Die zahlreichen Solisten und der Chor des Landestheaters sorgen für stimmgewaltige Momente; Ragtime und Irish Jig unterstreichen auch in dieser Hinsicht noch einmal die Klassenunterschiede.

Am Ende wird weder versucht, den spektakulären Untergang in all seiner Dramatik nachzubauen - mehr als ein fußballgroßes Stück Eis findet sich zu keinem Zeitpunkt auf der Bühne -, noch kämpfen im kalten Wasser erfrierende Menschen um ihr Leben - zum Glück. Denn es geht mindestens so sehr unter die Haut, die letzten Stunden und Minuten von Menschen, die sich dem Untergang geweiht wissen, vor Augen geführt zu bekommen.

„Titanic“ in Linz ist berührend, authentisch, natürlich auch erschütternd. Doch dank der beschwingten Schlussnummer verlässt man den Saal zwar nachdenklich, aber doch frohen Mutes. Standing Ovations und ausdauernder Schlussapplaus belohnen eine gelungene Umsetzung, die es trotz des bekannten Ausgangs wert macht, nach Linz zu kommen.

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