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Schriftsteller Gerhard Roth gestorben

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Sein umfangreiches Werk reicht über die Romanzyklen „Archive des Schweigens“ und „Orkus“ über den Essayband „Portraits“ bis hin zum Fotobuch „Im Irrgarten der Bilder“ und zuletzt den Roman „Es gibt keinen böseren Engel als die Liebe“: Am heutigen Dienstag ist der Autor Gerhard Roth im Alter von 79 Jahren nach langer Krankheit in seiner Heimatstadt Graz verstorben.

Bestätigt wurde sein Ableben von Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer (ÖVP): „Ich war mit Gerhard Roth durch eine enge Freundschaft verbunden, auch wenn ich seine politischen Ansichten nicht immer teilte.“

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Geboren wurde Roth, der 2016 mit dem Großen Österreichischen Staatspreis ausgezeichnet wurde, am 24. Juni 1942 in Graz. Nach dem Willen seines Vaters, einem Arzt, studierte er ab 1961 in seiner Heimatstadt Medizin, brach jedoch 1967 ab. 1966 bis 1977 arbeitete er als Programmierer und Organisationsleiter im Grazer Computerrechenzentrum, um neben seiner literarischen Tätigkeit seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Ab den frühen 1970er-Jahren veröffentlichte er experimentelle Prosa (etwa 1972 „die autobiographie des albert einstein“) und versuchte sich auch als Theaterautor („Lichtenberg“, „Sehnsucht“, „Dämmerung“).

Ein großzügiger Vorschuss des S.Fischer Verlags ermöglichte es Roth schließlich, sich ganz auf die Arbeit an den „Archiven des Schweigens“ zu konzentrieren. 1980 erschien hier „Der stille Ozean“ (eine Verfilmung durch Xaver Schwarzenberger errang 1983 den Silbernen Bären der Berlinale). Mittelpunkt des aus den unterschiedlichsten literarischen Gattungen zusammengesetzten Zyklus, in dem Fiktion und (auch fotografische) Dokumentation ineinanderfließen, ist das 1984 erschienene 800-Seiten-Buch „Landläufiger Tod“. 1991 wurde der Zyklus mit „Die Geschichte der Dunkelheit“ und dem Essayband „Eine Reise in das Innere von Wien“ abgeschlossen.

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Mit „Der See“, dem Auftaktroman seines Zyklus „Orkus“, sorgte Roth 1995 für Aufregung in den Reihen der FPÖ, die in einem populistischen Politiker, auf den beinahe ein Attentat verübt wird, ihren damaligen Parteiobmann Jörg Haider wiedererkannte. Danach erweiterte Roth mit „Der Plan“ (1998) und „Der Berg“ (2000), „Der Strom“ (2002) und „Das Labyrinth“ (2005) seine Schauplätze um Japan, Griechenland, den Balkan, Ägypten, Wien, Madeira und Madrid. Es folgte der Essayband „Die Stadt“, „Das Alphabet der Zeit“ und schließlich 2011 mit „Orkus. Reise zu den Toten“ ein großer Abschlussband, in dem Figuren und Motive aus beiden Zyklen verwoben, Erfundenes und Gefundenes, Dokumentarisches, Essayistisches und Fiktionales verschmolzen wurden.

In seinem Band „Portraits“ wurden Essays versammelt, die Roth im Laufe der Jahrzehnte über Künstler und Politiker, Kollegen und Zeitgenossen geschrieben hat, in dem Fotobuch „Im Irrgarten der Bilder“ ist eine Auswahl seiner Fotos der Gugginger Künstler erschienen. 2014 fügte er seinem Oeuvre mit dem Roman „Grundriss eines Rätsels“ ein weiteres gewichtiges Werk hinzu.

2017 begann er mit „Die Irrfahrt des Michael Aldrian“ eine Romantrilogie, die er in „Die Hölle ist leer - die Teufel sind alle hier“ (2019) fortführte. Nach seinem Bildband „Venedig. Ein Spiegelbild der Menschheit“ erschien im Februar 2021 schließlich der dritte Venedig-Roman „Es gibt keinen böseren Engel als die Liebe.“

Roth ist für sein schriftstellerisches Werk wie auch für seine in Reportagen, Essays und Interviews eingenommene klare politische Haltung vielfach ausgezeichnet worden. „Gerhard Roth hat eine Art von Herzensbildung, die gar nicht anders kann, als Anteil zu nehmen an der körperlichen und geistigen Not anderer“, sagte Laudator André Heller 2003 bei der Verleihung des Goldenen Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien an Roth. Dieser sei ein „Eichmeister der österreichischen Wirklichkeit“.

„Das Schweigen der Lämmer, und sei es noch so friedlich, kann nicht der Maßstab für die Grenzen der Toleranz sein“, meinte Roth selbst anlässlich der Verleihung des Toleranz-Preises des österreichischen Buchhandels 1994. Es folgten zahlreiche weitere Preise, etwa 2015 der mit 15.000 Euro dotierte Jean-Paul-Preis dazu, im selben Jahr wurde ihm auch der Bremerhavener Literaturpreis zugesprochen. Als Krönung wurde ihm schließlich 2016 der Große Österreichische Staatspreis zuerkannt, vor einem Jahr wurde er in den Kunstsenat aufgenommen.


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