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Erwin Wurm zeigt Würstel und Salzstangerl aus Marmor

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Dieses Würstelstand-Menü würde einem schwer im Magen liegen: Knacker und Frankfurter, Langsemmel und Salzstangerl, Kärntner Wurst und Kipferl sind nicht nur übermannshoch, sondern auch in Marmor ausgeführt. Bis zu drei Tonnen wiegen die Skulpturen von Erwin Wurm, die ab heute, Donnerstag, Abend in der zweiten Ausstellung der König Galerie im Kleinen Haus der Kunst (KHK) in Wien zu sehen sind. „Der Aufbau war eine Herausforderung“, stöhnt Katharina Abpurg beim APA-Rundgang.

Zwölf Arbeiten des prominenten Künstlers, die allermeisten ganz neu und direkt aus Carrara nach Wien transportiert, sind bis 14. April in der Ausstellung „Subject“ im ehemaligen Verkehrsbüro vis-à-vis der Secession zu sehen. Während man sich an seine Gurken in unterschiedlichen Größen und Materialien schon gewöhnt hat - ein großes weißes Gurkerl spielt aktuell auch in Martin Kušejs „Geschlossene Gesellschaft“-Inszenierung am Burgtheater mit, sind Würstel und Gebäck relativ neu im Formenkanon des 1954 in Bruck an der Mur geborenen Künstlers, dessen „Fat Sculptures“ heute in Museen auf der ganzen Welt zu finden sind.

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„Die Wurst und die Semmel ist das einfachste Menü und war auch für mich als Kind und später als Student ein alltägliches Nahrungsmittel. Es ist für mich ein Sinnbild für ein soziales Umfeld und für gesellschaftliche Haltungen“, wird Erwin Wurm in den Presseunterlagen zitiert. „Es steht auch für eine bestimmte Kategorie an weißen Männern, die sich am Würstelstand über ihr Weltbild unterhalten - ein Weltbild, das von Enge, Vorurteilen und Intoleranz geprägt ist, von antifeministischer Haltung gar nicht zu sprechen.“

Ob es nun um Profanierung des ansonsten für hohe, hehre Formen dienenden Materials - verwendet wurde weißer Carrara und Paonazzo Marmor, grauer Marquina Marmor und rosa Breccia - gehe oder eher um höhere Kunst-Weihen profaner Lebensmittel - darauf will sich Abpurg, Representative Austria der in Berlin ansässigen König Galerie, nicht festlegen. Sicher ist nur, dass die Arbeiten um fünf- und sechsstellige Summen käuflich zu erwerben sind - und dass man zumindest mehrere starke Männer für den Transport braucht. Selbst ein auf dem Balkon ausgestelltes kleines marmoriertes Wurstbrot habe bei der Aufstellung acht Männer benötigt, schildert sie. Und die sechs im Hauptraum aufgestellten Groß-Skulpturen mussten auf breite, graue Sockel gestellt werden, um die Lasten besser zu verteilen. „Wir haben hier die U-Bahn unter uns“, weiß Abpurg. „Die zulässige Punktlast beträgt 500 Kilogramm.“

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Natürlich muss man das alles nicht so schwer nehmen und darf auch darüber schmunzeln. „Humor ist eine Waffe“, sagt Erwin Wurm. Sein Werk führe uns auch das Drama der Belanglosigkeit unserer Existenz vor Augen, heißt es: „Ob man sich ihr durch Philosophie oder durch eine Diät nähert, am Ende zieht man immer den Kürzeren.“

Einige der ausgestellten Skulpturen waren bereits in der Galerie Thaddaeus Ropac in Salzburg zu sehen. In seiner Pariser Galerie zeigt Ropac schon ab 2. März die nächste Ausstellung von Erwin Wurm. In „Skin“ präsentiert sich Wurm deutlich schlanker. Seinen „Fat Sculptures“ setzt er „Flat Sculptures“ entgegen. „Gequetscht und abgeflacht oder auf eine sehr dünne Form reduziert, haben meine neuen Arbeiten eine gewisse Fragilität, die mir gefällt: Sie werden fast abstrakt“, kommentiert Wurm die Pariser Schau, in der auch Malerei von ihm zu sehen sein wird.

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