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Verzettelte „wortwiege“ in den Kasematten Wiener Neustadt

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Unter dem Motto „Szene Österreich“ steht der neue Spielzyklus des Projekts „wortwiege“ von Anna Maria Krassnigg in den Gewölben der Kasematten in Wiener Neustadt. Am Donnerstagabend ist das Stück „Herr Grillparzer fasst sich ein Herz und fährt mit einem Donaudampfer ans Schwarze Meer“ von Erwin Riess zur Aufführung gelangt - in einer tatsächlich verzettelten Fassung.

Als „szenische Skizze“ bezeichnet Krassnigg das Regiekonzept, das im Grunde eine szenische Lesung darstellt. Im Programmheft wird das so umschrieben: „Die schlichten szenischen Mittel und teils lesenden Schauspieler:innen stellen die Texte selbst in den Vordergrund und bieten so ein Theatererlebnis der besonderen Art.“

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Das Zweipersonenstück, in dem Grillparzer, dessen Todestag sich heuer zum 150. Mal jährt, auf einer Schiffsreise eine junge Dienstbotin kennenlernt, deren Anhänglichkeit ihn letztlich in Verlegenheit bringt, entbehrt nicht witziger Dialoge und hübscher Passagen. Doch wenn in Jerome Junods Inszenierung die beiden Darsteller jeweils mit dem Ablesen ihrer Zettelwirtschaft beschäftigt sind, irritiert das mehr, als es dramaturgisch einbringt, und erweckt eher den Eindruck einer Leseprobe.

Während Horst Schily den alternden Dichter etwas gar deklamatorisch anlegt, gewinnt Saskia Klar ihrer Rolle als Csilla ebenso intensive wie differenzierte Präsenz ab. Ganz im Abseits spielt die Pianistin Raphaela Schober Klaviermusik von Erik Satie. Der Raum (Bühne und Kostüm: Lydia Hofmann) wird im Hintergrund durch ein dunkles Mobile bestimmt, das wohl die Bewegung des Wassers symbolisiert. Ein Koffer, ein Bett, ein Schreibtisch - die Utensilien sind karg. Auffallendes Detail: Csillas Schürze und Grillparzers Leintuch weisen das gleiche Muster auf.

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Österreichische Literatur auf die Bühne zu bringen ist jedenfalls ein definitives Vorhaben der „wortwiege“, das mit einer dramatisierten Fassung von Theodora Bauers Roman „Chikago“ am 3. März seine Fortsetzung findet. Auch dieses Jahr lädt zudem der „Salon Royal“ zu Sonntagsmatineen mit Kulturwissenschaftler Wolfgang Müller-Funk und Theatermacherin Krassnigg ein, die mit Wynfrid Kriegleder, Daniela Strigl und Riess sprechen.

Von April bis Juni sind weitere Vorstellungen der Vorjahrsproduktion „Dantons Tod“ von Georg Büchner zu sehen. Im Herbst stehen bei „Europa in Szene“ - in Nachfolge von „Bloody Crown“ - Königsdramen sowie „europäische Narrative und Mythen“ auf dem Programm.


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