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Russische Truppen in Millionenstadt Charkiw eingedrungen

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Vier Tage nach Beginn des russischen Angriffskriegs hat es am Sonntag einen ersten großen Rückschlag für die ukrainische Armee gegeben. Russischen Soldaten ist es nämlich in der Früh gelungen, ins Zentrum der Millionenstadt Charkiw im Osten des Landes einzudringen. „Es gibt einen Durchbruch im Zentrum der Stadt“, teilte die Stadtverwaltung nach Angaben des Onlinemediums „Kyiv Independent“ mit. Die Bewohner der Stadt wurden aufgerufen, in ihren Häusern zu bleiben.

Den Behördenangaben zufolge hatten die Eindringlinge nur „leichte Ausstattung“. Der Durchbruch ereignete sich nach einer Nacht heftiger Kämpfe um die zweitgrößte Stadt der Ukraine. In der Nähe Charkiws war dabei auch eine Gaspipeline explodiert. Sie soll von der russischen Armee in die Luft gejagt worden sein.

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Der ukrainische Verteidigungsminister Olexij Resnikow hatte nur kurz vor Bekanntwerden des Durchbruchs den Soldaten Mut zugesprochen. „Die Dunkelheit wird zurückweichen. Die Morgendämmerung ist nahe“, schrieb er am Sonntag in der Früh auf Facebook. Resnikow sprach von „drei Tagen, die unser Land und die Welt für immer verändert haben“. Dabei sei es den Russen nicht gelungen, wie geplant Kiew zu erobern. „Stattdessen sehe ich eine heldenhafte Armee, eine siegreiche Wache, furchtlose Grenzwächter, engagierte Retter, zuverlässige Polizisten, unermüdliche medizinische Engel.“

Die Ukraine erwarte nunmehr Hilfe, die vor drei Tagen nicht möglich schien, sagte er in Anspielung auf die am Samstag angekündigten Waffenlieferungen mehrerer westlicher Staaten, darunter auch Deutschland. In der Nacht hatte die Armee mitgeteilt, es gebe russische Angriffe „aus allen Richtungen“, denen aber „entschlossener Widerstand“ entgegengesetzt werde.

„Es ist ruhig im Zentrum von Kiew. Am ruhigsten seit dieser Vollidiot in Moskau den Krieg erklärt hat“, schrieb der frühere Botschafter in Österreich, Olexander Scherba, am Sonntag in der Früh auf Twitter. Im Vorort Wassylkowo wurde nach Medienberichten eine Raffinerie von Raketen getroffen und in Brand gesetzt. Das Feuer war auch nach Stunden von Kiew aus zu sehen. Die Behörden riefen die Bewohner auf, ihre Fenster zum Schutz vor giftigen Dämpfen zu schließen. Einem Fernsehbericht zufolge wurde bei den Kämpfen auch ein Lager mit radioaktiven Abfällen in Kiew getroffen. Ersten Messungen zufolge bestand aber keine Bedrohung für die Bevölkerung außerhalb der Schutzzone.

Unbestätigten Berichten zufolge schaltete die ukrainische Armee auch ein tschetschenisches Sonderkommando aus, das offenbar für die Liquidation der politischen Führung ins Land geschickt worden war. Dabei sei auch der Kommandant, General Magomed Tuschajew, getötet worden, wie ein Gefangener später verraten habe, berichtete die Zeitung „Ukrainska Pravda“. Laut dem Onlinemedium „Kyiv Independent“ wurden die Angaben mittlerweile auch vom ukrainischen Präsidialamt bestätigt. Die Zerschlagung des Kommandos soll beim umkämpften Flughafen Hostomel im Norden Kiews erfolgt sein.

Bei Cherson im Süden sei dagegen russischen Einheiten nach erbitterten Kämpfen ein Vorstoß gelungen. Auch in der Region Luhansk tobten demnach schwere Kämpfe. Dort meldeten die Separatisten, dass eine ukrainische Rakete ein Ölterminal in der Stadt Rowenky getroffen habe. Die Angaben ließen sich nicht von unabhängiger Seite überprüfen.

Die ukrainische Armee rief die Bevölkerung auf, den russischen Vormarsch mit allen Mitteln zu stoppen, etwa durch Barrikaden aus Bäumen und Molotow-Cocktails. Die ukrainische Straßenverwaltung rief zudem dazu auf, alle Straßenschilder und Ortstafeln im Land abzumontieren, um die Invasoren zu verwirren.


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