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Ina Regen lud zum lautstarken Frauentags-Benefizkonzert

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Es wurde ein lauter, bunter, nachdenklicher und amüsanter Abend, den Ina Regen da auf die Beine gestellt hat: Die österreichische Musikerin hat zum zweiten Mal anlässlich des Internationalen Frauentags ein Benefizkonzert organisiert. Unter dem Titel „Sie - ungewöhnlich selbstverständlich“ lud sie am gestrigen Dienstag in das Wiener Konzerthaus, wo eine illustre Schar an Künstlerinnen mit ihr nicht nur die Bühne, sondern auch ein Anliegen teilte.

Denn man sei hier, „um zu lernen, was es mit der Geschlechtergerechtigkeit auf sich hat“, wie Regen gleich nach einer Eröffnungsnummer das Publikum auf den Abend einstimmte. Der feministische Kampftag am 8. März sollte zum Feiern genutzt werden, selbst wenn vielen angesichts des Krieges in der Ukraine nicht unbedingt danach war. Den Opfern und Vertriebenen wurde mit einer Gedenkminute ebenso wie mit vielen starken und eindringlichen Worten gedacht. „Es passiert einiges in Europa, was unsere Werte stark infrage stellt“, betonte Regen. Letztlich müsse man sich des „Privilegs des Friedens, aber auch der Verantwortung, die damit einhergeht“, bewusst werden.

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Aber zurück zum eigentlichen Thema: Wie schon beim ersten Frauentags-Benefizkonzert von Ina Regen vor zwei Jahren - kurz vor Ausbruch der Coronapandemie - übernahm First Lady Doris Schmidauer den Ehrenschutz. Angesichts der Ereignisse in der Ukraine sei sie zwar mit gemischten Gefühlen hier. „Gleichzeitig ist es ganz wichtig, dass diese Veranstaltung jetzt stattfindet, die der Solidarität, dem Zusammenhalt und der Geschlechtergerechtigkeit dient. Hier wird Frauen die Bühne bereitet, die ihnen längst, längst zusteht.“ In den vergangenen zwei Jahren gab es etliche Rückschritte, alte Rollenbilder seien wieder zum Vorschein getreten, so Schmidauer. Dabei „waren und sind es Frauen, die größtenteils die Mehrfachbelastung gespürt haben“. Daher heiße es nun: „Alarm, Alarm! Wir müssen dem Gegenwirken.“

In eine ähnliche Kerbe schlug auch Moderatorin Mari Lang bei ihrer Keynote. Sie hat für ihren Podcast „Frauenfragen“ in den vergangenen Monaten Männern jene Fragen gestellt, die Frauen üblicherweise zu hören bekommen. In ihrer zugespitzten, mit viel Humor vorgetragenen Rede machte sie deutlich, wie unsichtbar Frauen in vielen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens sind - und wie sehr die Coronapandemie das weiter verstärkt hat. Altersarmut, Care-Arbeit, die Teilzeitfalle - es gebe viele Themen, die nach einer Lösung verlangen. „Ich werde meine Stimme erheben für diejenigen, die es nicht können“, so Lang, die gleichzeitig betonte: „Es gibt nicht die eine richtige Frau, und es gibt auch nicht den einen richtigen Feminismus.“

Die Vielfalt der Stimmen wurde an diesem gut dreistündigen Abend, der trotz der vielen ernsten Töne und gewichtigen Anliegen dennoch etliche heitere Momente bot, jedenfalls mehr als deutlich. Angefangen bei der Gastgeberin selbst, die etwa unterstützt von „Starmania“-Gewinnerin Anna Buchegger ein höchst emotionales „Heast As Net“ anstimmte, über das Singer-Songwriter-Gespann Oska & Änn, das bei „Starstruck“ charmantes Understatement mit großem Pop kombinierte, bis zum swingenden Jazz einer Simone Kopmajer („My Wonderland“) reichte die Bandbreite.

Amy Wald wiederum durfte bei einem anderen Thema unserer Zeit Aufklärungsarbeit leisten: Einerseits gab es mit „Unfertig“ nicht nur den Siegertitel des von Regen mit der Austrian Composers Association ausgerufenen Songwriting-Wettbewerbs zu hören, Wald klärte auch über nichtbinäre Geschlechtsidentität auf. „Es ist ein Prozess, sich selbst zu hinterfragen. Wir alle sind in binäre Strukturen hineinsozialisiert worden“, verwies Wald auf bestehende Rollenbilder und Hierarchien. „Sich davon zu lösen ist ein Prozess, der nicht leicht ist.“ Sprache spiele dabei eine wesentliche Rolle, „es ist ein krasses Machtmittel“, wünschte sich Wald eine Reform und einen neuen Umgang. „Sie hat die Macht, diese neuen Identitätsstrukturen zu manifestieren.“

„Sie - ungewöhnlich selbstverständlich“ war letztlich ein Abend, der ganz viele verschiedene Aspekte unter einem gemeinsamen Banner vereinen konnte. Für die rund 1.400 Besucherinnen und Besucher gab es viele Anstoßpunkte, um selbst weiterzudenken, Dinge zu hinterfragen und Zeichen zu setzen. Zudem wurden rund 8.000 Euro an Reinerlös gesammelt, die Regen verschiedenen Organisationen zugutekommen lässt, die sich für die Unterstützung und Förderung von Mädchen und Frauen einsetzen. Denn deutlich wurde auch: Es braucht noch viel, viel Arbeit. Oder wie es Alexandra Wachter, Vorsitzende des Frauennetzwerks Medien, ausdrückte: „Die Welt wird nicht einfacher, wenn wir einfache Antworten suchen - denn die gibt es nicht.“

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