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Art Dubai setzt auf globalen Süden und digitale Kunst

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Eine „360-Grad-Übersicht die Landkarte der digitalen Kunst“ und ein starker Fokus auf den globalen Süden: Mit der 15. Art Dubai kehrt die Kunstmesse nach zwei Coronajahren ab Freitag wieder in das exklusive Stadtviertel Madinat Jumeirah zurück. Zwar trägt man auch hier nach wie vor Maske, aber die Freude über das bevorstehende Zusammentreffen internationaler Kunstfans steht allen, die bei mehr als 30 Grad über das Gelände schlendern, zumindest in den strahlenden Augen.

„Wir zeigen Kunst aus Teilen der Welt, die ansonsten oft unterrepräsentiert sind“, zeigt sich Pablo del Val, der künstlerische Leiter der Art Dubai, bei der Pressekonferenz zum Aufakt der Previewtage am Mittwochvormittag stolz auf die inhaltliche Ausrichtung der Messe. Unterstrichen wird dieser Fokus mit der Sektion „Bawwaba“, die nach 2019 erneut einen kuratierten Überblick über das Kunstschaffen aus dem globalen Süden verspricht. Aber auch in der Hauptausstellung, die in die beiden Sektionen „Zeitgenössisches“ und „Moderne“ unterteilt ist, tummeln sich sowohl bei den Galerien als auch bei den ausgestellten Künstlern zahlreiche Akteurinnen und Akteure aus dem Mittleren Osten, Afrika, Zentral- und Südamerika sowie Südasien. Nicht zuletzt durch die pandemiebedingte Zwangspause habe man den Blick nach innen gerichtet und sich gefragt: „Was ist unsere Rolle?“

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Und so gehe es hier in Dubai nicht nur darum, „im Westen nicht vorkommende Kunst zu entdecken und zu ermöglichen, sondern auch darum, die verschiedenen Regionen der Welt näher zusammenzubringen“, so del Val. In der bisher größten Ausgabe der Art Dubai versammeln sich über 100 Galerien aus über 40 Ländern, wobei über 50 Prozent aus dem globalen Süden stammen. Als einzige österreichische Galerie ist Krinzinger vertreten, zu sehen sind unter anderem Arbeiten von Marina Abramovic, Monica Bonvicini oder einem in Dubai arbeitenden Kollektiv, bestehend aus Ramin Haerizadeh, Rokni Haerizadeh (beide Teheran) und Hesam Rahmanian (Knoxville).

Wie Direktor Manfred Wiplinger bei einem Standbesuch der APA erklärt, habe man die drei sehr politisch arbeitenden Künstler hier kennengelernt und ins Programm der Galerie aufgenommen. Die Messe, an der die Galerie Krinzinger seit ihrer Gründung im Jahr 2007 teilnimmt, sei ein „Gateway für den Mittleren Osten“ und darüber hinaus. Man nütze die Zeit vor Ort nicht nur, um das eigene Programm zu präsentieren und internationale Sammler zu treffen, sondern auch, um neue Künstler zu entdecken. Und so finden sich in der Ausstellung der Wiener Galerie auch Werke von Waqas Khan (Pakistan), Radhika Khimji aus dem Oman oder Maha Malluh aus Saudi-Arabien. Die 1959 geborene Künstlerin setzt sich mit der Globalisierung und der Konsumkultur ihrer Heimat auseinander. In der hier zu sehenden Arbeit „Food for Thought“ funktioniert sie etwa Backbleche zu Halterungen für Kassetten aus den 1970er-Jahren um. Diese seien damals - getarnt als Popmusikkassetten - verteilt worden, um radikalislamische Propaganda zu verbreiten.

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Aus Österreich stammt auch Nadine Knotzer, die gemeinsam mit ihrem Partner Kourosh Nouri seit 2008 die Galerie Carbon 12 in Dubai führt und damals eine der Pionierinnen für die Präsentation junger westlicher Kunst gewesen sei, wie sie im APA-Gespräch erzählt. Zu ihren Künstlern gehören etwa die beiden Deutschen André Butzer und Michael Sailstorfer, der Österreicher Bernhard Buhmann oder die aus Abu Dhabi stammende Sarah Almehairi.

Besonders stolz ist man in Dubai auf die neu etablierte Sektion „Art Dubai Digital“, in der das Thema NFT (Non Fungible Token) im Zentrum steht. „Es ist ein 360-Grad-Projekt, mit dem wir die Brücke zwischen digitalem und realem Raum schaffen wollen“, so Pablo del Val. „Wir wollen Realitäten zusammenbringen, die noch nicht jeder nachvollziehen kann.“ Und so finden sich hier auf Videowalls allerlei animierte Kunstwerke, die nicht selten auf KI-Basis entstanden sind. Die Originale können als NFTs erworben werden und befinden sich somit digital im Besitz der Käufer.

„Alle anderen Präsentationen des Werks können Sie sich vorstellen wie Kunstdrucke“, erklärt Abigail Miller, die für die NFT-Plattform „Institut“ arbeitet. Dort unterstützt man Künstlerinnen und Künstler auch dabei, ihre Werke mithilfe der Blockchain in NFTs zu verwandeln. „Wir machen keine Editionen, sondern erschaffen singuläre Werke“, so Miller beim APA-Lokalaugenschein. Gegründet wurde die Plattform im Vorjahr von der britischen Galerie Unit London, um eine Brücke zwischen der traditionellen Kunstwelt und dem wachsenden Digitalmarkt zu schlagen.

Insgesamt finden sich in der Digitalsektion 17 Aussteller. Um noch mehr Licht ins Dunkel zu bringen, widmen sich zahlreiche Diskussionen im Rahmen des „Global Art Forum“ und den „Bybit Talks“ dem Thema Kryptowährung und digitale Kunst. Für das Publikum öffnet die Messe am Freitag und läuft bis Sonntag. Und wer weiß, wie viele Besucher danach viel Geld ausgegeben haben werden, ohne mit physischen Kunstwerken nach Hause zu gehen. Geht es nach Shumon Basar, dem Kommissär des Global Art Forum, hat die Zukunft längst begonnen: „Wir sind nur mehr die Erweiterung unserer Geräte. Das ändert alles.“

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