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„Forst der Finsternis“ am Grazer Schauspielhaus macht Spaß

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Ein Drama von Tschechow, Märchenmotive, Klimadiskussion, Gendergerechtigkeit und eine Portion Slapstick - daraus und aus noch viel mehr Zutaten haben Nele Stuhler und Jan Koslowski einen bunten Theaterabend geschaffen, der durch Frische und abwechslungsreiche Lebendigkeit besticht. So ganz nebenbei wurden viele Themen in Bezug auf Klima und Umwelt abgehandelt, außerdem gab es bei der Uraufführung am Donnerstag im Grazer Schauspielhaus jede Menge Spaß mit der Familie im Wald.

Auf einer giftgrünen Bühne (Lukas Kesler) steht ein stilisierter Baum, der sich als der verstorbene George herausstellt. Die ganze Familie muss eine Nacht im Wald verbringen, um das Erbe - das aus ebendiesem Wald besteht - antreten zu können. In dieser Nacht wird geredet, gegessen und diskutiert, ganz nebenbei werden auch noch Beziehungen geknüpft, hinterfragt oder aufgelöst. So weit der Einfluss von Tschechow, dessen Drama aber nur zur Errichtung eines Grundgerüsts dient.

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Nele Stuhler und Jan Koslowski haben eine Fassung erarbeitet und inszeniert, die den Wald in den Mittelpunkt stellt. Die ökoaktivistischen Gedanken fußen auf dem Tschechow-Text, wurden aber weitergesponnen und aktualisiert. Der Blick auf die Natur ist vielfältig, Zitate von Erich Kästner, Joseph von Eichendorff oder Henry David Thoreau werden herangezogen, um die Vielfalt der Betrachtung zu zeigen. Es geht aber nicht nur um Klima und Umwelt, auch die Genderdiskussion nimmt breiteren Raum ein, beginnend mit den willkürlich zugeordneten Rollen bis hin zur sprachlichen Aufarbeitung, bei der man Sternchen und Doppelpunkt überdeutlich serviert bekommt.

Dass dabei vieles in reinen Klamauk abrutscht, ist vermutlich nicht zu vermeiden, wenn Männer im adretten Kostüm (tragikomisch: Florian Köhler) und als schillernde purpurfarbene Hexe (Raphael Muff) auftreten. Dass die Rolle des Kindes auf ein Mädchen und einen Burschen (Felicia Sobotka und Artur Becksteiner) aufgeteilt ist, ist ebenfalls eine originelle Idee, die den Grundgedanken der geschlechtlichen Nicht-Festlegung unterstützt. Katrija Lehmann zeigt eine beherrschende Witwe, die ihren verlorenen Chancen nicht allzu sehr nachtrauert, sondern resolut das Geschehen in die Hand nimmt. Ein androgynes Künstlerwesen stellt Lisa Birke Balzer auf die Bühne, den Onkel gestaltet Frieder Langenberger mit Wärme und Engagement.

Vieles wird angesprochen, durch das rasante Tempo bliebt nichts in zäher Betrachtung stecken. Auf der Bühne lärmt und qualmt es, wobei man Lautstärkepegel manchmal etwas herunterdrehen hätte können. Die Darstellerinnen und Darsteller schreien über weite Strecken ins Publikum, als müssten sie sich in einem Fußballstadion Gehör verschaffen, was manches der Eindringlichkeit beraubt. Die Kostüme (Marilena Büld) spielen mit verschiedenen Zeiten und Örtlichkeiten, Videos zeigen nicht nur den Wald und seine Zerstörung, sondern auch die Familie in scheinbarer Privatsphäre. Die Musik - zu großen Teilen von Tschaikowsky - sorgt für die nötigen Ruhepunkte in einem sonst sehr quirligen Geschehen.

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