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Staatspreis für Europäische Literatur geht an Ali Smith

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Der Österreichische Staatspreis für Europäische Literatur geht heuer an die in Schottland geborene Autorin Ali Smith. Diese Juryentscheidung wurde am Freitag bekanntgegeben. Zuletzt war ihre Jahreszeiten-Tetralogie hochgelobt worden, die seit vergangenem Jahr („Sommer“) auch in deutscher Übersetzung vorliegt. Der Preis ist mit 25.000 Euro dotiert und wird im Rahmen eines Festaktes während der Salzburger Festspiele vergeben.

Ali Smith wurde 1962 in Inverness in Schottland geboren und lebt in Cambridge. Sie hat mehrere Romane und Erzählbände veröffentlicht und zahlreiche Preise erhalten. So wurde ihr Roman „Beides sein“ 2014 mit dem Costa Novel Award, dem Saltire Society Literary Book of the Year Award, dem Goldsmiths Prize und 2015 mit dem Baileys Women‘s Prize for Fiction ausgezeichnet. Mit „Herbst“ kam die Autorin 2017 zum vierten Mal auf die Shortlist des Man Booker Prize. Im April soll als Follow-up zum Jahreszeiten-Zyklus ein „Companion piece“ erscheinen.

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„Ali Smith bleibt in ihren Romanen und Erzählungen nah an unserer Gegenwart. Und weil Gegenwart ohne Vergangenheit nicht zu haben ist, stattet sie Figuren mit Biografien aus, in denen sich das 20. Jahrhundert spiegelt“, heißt es in der Jurybegründung. „Als Menschenkennerin weiß Smith, dass es, um Personen nahe zu kommen, nicht ausreicht, sie auf äußere Lebensstationen festzulegen. Sie stattet sie mit Träumen und Erinnerungen, Fantasien und Gedankenspielen aus. Dazu bedarf es eines gewieften ästhetischen Programms, das der Fülle der inneren Zustände gerecht wird. Ali Smith verfügt über die literarischen Mittel, um empathisch, wütend, ironisch, nüchtern, bisweilen in kühne Fantasien ausgreifend, bisweilen dem realistischen Schreiben verpflichtet, die Vielfalt der Gesellschaft wie die Vielfalt des Einzelnen ins Bild zu rücken.“ Die Jury bestand heuer aus Robert Huez, dem Leiter der Dokumentationsstelle für neuere österreichische Literatur im Literaturhaus Wien, den Journalisten Anne-Catherine Simon und Anton Thuswaldner, der Autorin Anna Weidenholzer und dem Germanisten Norbert Christian Wolf.

„Ali Smith folgt in ihren Büchern den verschlungenen Wegen menschlicher Beziehungen. In ihren Romanen und Short Stories begegnen wir uns selbst und finden die großen und kleinen Themen unserer Zeit, unsere Hoffnungen und Ängste wieder“, meinte Kunst- und Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer (Grüne) in einer Aussendung. „Dabei ist ihr Blick auf uns freundlich, interessiert, mitfühlend, beobachtend, ironisch und immer wieder auch voller Witz. Wir alle haben eine Geschichte, die es wert ist, erzählt zu werden - und es ist Ali Smith, die sie in große Literatur verwandelt und lesenswert macht.“

Der Österreichische Staatspreis für Europäische Literatur wird seit 1965 für das literarische Gesamtwerk einer europäischen Autorin bzw. eines europäischen Autors verliehen, das international besondere Beachtung gefunden hat. Zuletzt ging der Preis an Mircea Cărtărescu, Andrzej Stasiuk, Karl Ove Knausgård, Zadie Smith, Michel Houellebecq, Drago Jančar und László Krasznahorkai.


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