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Belvedere zollt dem Realismus in der Kunst ihren Respekt

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„Lebensnah“ hat das Wiener Belvedere seine neue Schau übertitelt, die, ausschließlich aus Sammlungsbeständen bestückt, sich der realistischen Malerei zwischen 1850 und 1950 widmet. „Mit diesen Sammlungsausstellungen zeigen Museen ihr wahres Gesicht“, unterstrich Direktorin Stella Rollig am Donnerstag die Herausforderung bei einer derartigen Schau, für die man die Archive durchforstet habe.

79 Künstlerinnen und Künstler sind nun mit ihren Arbeiten vertreten. Und doch hat man innerhalb der 100 Jahre Betrachtungszeitraum keine chronologische Hängung gewählt, sondern gruppiert die einzelnen Werke thematisch. So findet sich Sergius Pausers Porträt von Luis Trenker aus 1938 neben Arnold Böcklins Darstellung des Kollegen Franz von Lehnbach aus 1862 oder Kinderdarstellungen von Fritz von Uhde neben jenen von Edmund Krenn. Die Arbeitswelt dient ebenso als Klammer wie die Stadtansicht oder die Dienstboten.

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Die Frage sei natürlich immer, was unter dem von Gustave Courbet geprägten Begriff des Realismus zu verstehen sei. „Für uns ist der Realismus gleichsam eine Geisteshaltung“, betonte Co-Kurator Franz Smola, der mit Kerstin Jesse die Schau gestaltet hat. Es gehe darum, Themen zu zeigen, die bis dato verborgen blieben. Entsprechend breit ist das stilistische Spektrum. Fotorealismus ist keineswegs das verbindende Band dieser Zusammenstellung.

„Realismus kann sehr sozialkritisch sein, aber auch sehr bieder“, fasst Rollig hier ihre Sicht zusammen. Mal gehe es um die „innere Wahrheit“ eines Objekts, mal um die vermeintlich naturalistische Abbildung. „Die Kunstgeschichte besteht nicht nur aus Meisterwerken, sondern aus vielen Werken in der Fülle ihrer Zeit, die sich neu entdecken lassen. Und die bisweilen doch zu Meisterwerken deklariert werden können“, hob die Belvedere-Direktorin den bewussten Ansatz hervor, nicht nur die bekannten Blüten der Sammlung zu zeigen.

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Das bedeutet nicht notwendigerweise, dass sich in „Lebensnah“ keine prominenten Namen fänden. So ist das überraschend naturalistische Porträt der Mathilde Trau von Gustav Klimt aus 1893 ebenso vertreten wie Gustave Courbets „Der Verwundete“ aus 1866 oder Vincent van Goghs „Stillleben mit fünf Flaschen“ aus 1884.

Chronologisch schließt man mit „Lebensnah“ an die abgelaufene Biedermeier-Ausstellung an, schließlich habe man trotz der Neukonzeption der Dauerausstellung 2018 eines festgestellt: „Das Publikum braucht immer neue Anreize“, so Rollig. Zu sehen ist der neue Anreiz nun bis 1. November.

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