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Austropopgott Wolfgang Ambros ist 70 Jahre alt

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Er ist der „Godfather des Austropop“: Heute feiert Wolfgang Ambros, der mit dem „Hofa“ und zahlreichen weiteren Hits Musikgeschichte schrieb, seinen 70. Geburtstag. Und im Juni steht noch das 50-jährige Bühnenjubiläum des Austropoppers an - der mit dem Begriff allerdings bis heute hadert. „Ich weiß bis heute nicht, was ein Austropop ist“, raunt Ambros im Interview mit der APA. Und doch hat „Wolferl“, wie ihn Fans liebevoll nennen, Millionen mit seiner Musik glücklich gemacht.

Zur Welt kommt Wolfgang Ambros in der Wiener Semmelweisklinik, die Kinderjahre verbringt er in Wolfsgraben in Niederösterreich. Der Vater ist dort Volksschuldirektor und schickt seinen Sohn in ein Gymnasium mit Internat nach Wien. Dort muss er nicht nur den militärischen Drill der Lehrer aushalten, sondern auch die Mitschüler: „Ich war ja so was von armselig, unwissend. Die bösen Stadtkinder, die mit allen Wassern gewaschen waren, sind auf mich losgegangen. Ich war Kanonenfutter für die“, blickt Ambros zurück. Seine Mutter sagt irgendwann: „Jetzt reicht‘s“, wie in Ambros‘ neuem Buch „A Mensch möcht i bleib‘n“ nachzulesen, der Bub darf die Schule wechseln.

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Später landet Ambros für ein Jahr in London, arbeitet 1971 in einem Plattengeschäft in der Wiener Innenstadt und singt am Abend am Theseustempel im Volksgarten - u.a. „Da Hofa“, ein vertontes Gedicht von seinem alten Klassenkameraden Joesi Prokopetz, später langjährigen kreativen Partner und Freund. Über Vermittlung einer Kundin im Plattengeschäft wird daraus eine Single, die sich an die Spitze der Austrocharts setzt. Dabei ist der 19-Jährige mit der Aufnahme zunächst nicht zufrieden. „Das war vermutlich meinem grundsätzlichen Unvermögen geschuldet, kommerzielle Potenziale zu erkennen“, sagt er als 69-Jähriger. „Ich habe damals nicht verstanden, dass dieses Lied deshalb so interessant ist, weil es kein normaler Rumsti-Bumsti-Rock ist.“

Das erste Album „Alles andere zählt nicht mehr...“ kommt heraus, der Absatz hält sich in Grenzen. Ebenfalls 1972 entsteht die Urversion des Musicals „Watzmann“, eine Zusammenarbeit von Ambros, Prokopetz und „Cafe Hawelka“-Bekanntschaft Fredi Tauchen, 1974 folgt die LP „Der Watzmann ruft“, das Stück selbst wird über Jahrzehnte aufgeführt. 1975 landet das Album „Es lebe der Zentralfriedhof“ (1975) an der heimischen Chartspitze. Das gelingt Ambros ab 1980 bis zur Mitte des Jahrzehnts fünf Mal in Serie: mit den LPs „Weiß wie Schnee“, „Selbstbewusst“, „Der letzte Tanz“, „Der Sinn des Lebens“ und „No. 13“. Lieder wie „Zwickt‘s mi“, „Gezeichnet fürs Leben“, „Die Blume aus dem Gemeindebau“ und „Tagwache“, seinerzeit ein Skandal, sind längst Klassiker, ebenso wie die Hymne „Schifoan“.

Für „Wie im Schlaf“ (1978) singt Ambros Lieder von Bob Dylan ins Deutsche übertragen - was auch im Nachbarland gut ankommt. Eine Konzertreise durch Deutschland, auf der das legendäre Doppelalbum „Live (Auf ana langen, finster‘n Stroß‘n)“ mitgeschnitten wird, ist die erste große Tournee, wie Ambros im Rückblick erzählt: „Von einem Tag auf den anderen waren wir eine gefragte Band. Bis dorthin haben wir irgendwo gespielt und sind herumgedümpelt, so wie Tausende andere auch. Plötzlich sind wir jeden Tag vor Tausenden Leuten gestanden. Natürlich war das eine der wesentlichsten und prägendsten Tourneen meines Lebens.“

1982 heiratet Ambros „seine“ Margit, Sohn Matthias kommt einen Monat später zur Welt. 2004 lässt sich das Paar scheiden.

1984 gelingt es Ambros, dreimal die Wiener Stadthalle auszuverkaufen. 1986 landet er den Hit „Langsam woch‘s ma z‘samm“. Doch ein Bootsunglück in Griechenland, bei dem ein Passagier des Popstars ums Leben kommt, bremst die Euphorie. 1988 wird Ambros der fahrlässigen Tötung freigesprochen. 1989 singt der „Wolferl“ vor 120.000 Beobachtern auf der Wiener Donauinsel, er selbst spricht sogar von 200.000: „Das war unglaublich.“ Zugabe: 150.000 Besucher erleben Ambros 1994 „unplugged“ beim Donauinselfest.

In den 90ern erlebt der Barde mit Austria 3, einem Benefizprojekt von Ambros, Fendrich und Georg Danzer, dem weitere gemeinsame Auftritte folgen, erneut einen Höhenflug. Zu Beginn des neuen Jahrtausends bekommt die Legende das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien verliehen.

Im Mai 2010 werden Ambros und seine neue Partnerin Eltern von Zwillingen. Dann brechen schwere Zeiten an: Ambros erkrankt an Krebs, leidet enorm an Rückenschmerzen, die sich nach einer Operation verschlimmern, wird von seiner Freundin verlassen und damit von den Kindern getrennt. Aber nach einer zweiten Operation geht es aufwärts: Zwar kann Ambros nur noch mit Stöcken gehen, aber die Schmerzen verschwinden - und eine neue Liebe entflammt.

Ambros polarisiert nicht nur mit Liedern, sondern auch mit seinem bisweilen grantigen Erscheinungsbild, das Biografen als „authentisch“ und „nicht angepasst“ beschreiben. „Wie man in den Wald hineinruft... Es waren halt manche Leute nicht besonders nett zu mir“, schmunzelt der Musiker, im APA-Interview darauf angesprochen.

Auch wenn der Jubilar auf der Bühne „nicht mehr herumspringen“ kann, tritt er weiter mit Leidenschaft auf. Was für ihn dabei wichtig ist: „Dass man identifizierbar bleibt, dass es der Wolfgang Ambros ist, der schon vor 40 Jahren dasselbe Lied gesungen hat, aber ein anderer war - rein äußerlich, aber innerlich dann doch nicht.“ Am 15. Juni wird in der Wiener Stadthalle das 50-jährige Bühnenjubiläum begangen.

Ob es noch ein neues Studioalbum geben wird, darauf will sich Ambros nicht festlegen. „Ich suche noch nach irgendwas zum Durchstarten. Aber das wird immer schwerer“, gesteht er. An Alterswerke im Stil von Johnny Cash denkt er nicht: „Das wäre zu naheliegend. Aber dann bin ich der Johnny Cash von Österreich - na!“

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