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Über die Vergänglichkeit: „Zeit gestalten“ im Belvedere 21

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Hier ticken die Uhren anders - so sie es überhaupt tun. Auf Günther Selichars großformatiger Fotografie „Screen, cold #12“ ist das Display der gezeigten Digitaluhr erloschen. Nur wenige Schritte daneben sind es bei Andreas Duscha wiederum 12 mittels Lochkamera aufgenommene Pflanzen, die die Vergänglichkeit ohne Zahnräder und Zeiger festhalten. Beide Werke sind Teil der neuen Ausstellung „Zeit gestalten“ im Belvedere 21, die von 24. März bis 4. September zu sehen ist.

Gezeigt werden insgesamt sieben Künstlerinnen und Künstler, deren Werke aus der Sammlung des Hauses sowie der Artothek des Bundes stammen und die sich fotografisch (oder im Falle von Ugo Rondinone filmisch) mit Zeit auseinandersetzen. „Es herrscht eine gewisse Stimmungslage oder Atmosphäre, die man als elegisch und besinnlich beschreiben könnte“, sinnierte Belvedere-Generaldirektorin Stella Rollig bei der Presseführung am Mittwoch. Tatsächlich verströmt die sehr kompakte Präsentation einen ganz eigenen Reiz.

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Ausgangspunkt für das Ausstellungsprojekt war Peter Köllerers Werkserie „NAMEN“, die er dem Belvedere im Vorjahr als Schenkung überließ. Der in Wien lebende Künstler hat aus einem Klumpen Plastilin meist abstrakte Gesichter geformt, denen er die Absender von Spam-E-Mails als Namen verpasst hat. Diese Skulpturen wurden fotografiert und anschließend zerstört, um direkt im Anschluss aus demselben Material den nächsten Kopf zu formen. 80 solcher Gebilde bevölkern nun dicht gehängt die rückwärtige Seite des Raumes.

Entstanden in der Coronapandemie, habe diese das Konzept der Ausstellung naturgemäß beeinflusst, gab Harald Krejci, der die Schau gemeinsam mit Rollig kuratiert hat, zu bedenken. „Was passiert in dieser Krise mit uns, mit dem Museum, mit der Kunst?“ Das Zeitgefühl sei für viele in den vergangenen zwei Jahren ein anderes, ein ungewohntes gewesen. Und nun habe der Krieg in der Ukraine einen neuen Einschnitt mit sich gebracht.

Weitere Werke in der Ausstellung kommen von Eva Schlegel, die mit vorgefundenen Fotografien und Unschärfe spielt, oder Anja Ronacher. Ihre Serie „Die Namenlosen“ besteht aus Fotos von antiken Museumsobjekten, denen sie durch extrem lange Belichtung einen ganz eigenen Charakter verleiht. Zwar heben sich bestimmte Konturen und Linien auf den Gefäßen oder Masken stark hervor, andererseits verschwinden sie halb in einem undurchdringbaren Schwarz, entziehen sich also dem Blick der Betrachter.

Für Krejci ist die Beziehung zwischen den einzelnen Positionen essenziell. „Ein Einzelobjekt kann strahlen, aber es braucht auch seinen Nachbarn.“ Das passt wohl auch zur Wahrnehmung von Zeit als Zeitspannen, Zyklen oder Zeiträume, die eben von Beziehungen geprägt sind - nicht zuletzt der zwischen dem Individuum und seiner, eben auch künstlerischen Umgebung. Begleitet wird „Zeit gestalten“ von einem umfangreichen Rahmenprogramm mit Artist-Talks und Workshops.

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