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Prag benennt Straße vor russischer Botschaft um

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Die tschechische Hauptstadt Prag will die Straße Korunovacni, in der sich die russische Botschaft befindet, in „Straße der Ukrainischen Helden“ umbenennen. Außerdem soll die nahe gelegene Eisenbahnbrücke nach dem gefallenen ukrainischen Marinesoldaten Witalij Skakun benannt werden. Skakun hatte eine Brücke in Cherson gesprengt, um den Vormarsch der russischen Truppen zu bremsen, und war dabei selbst ums Leben gekommen. In Wien überklebten Aktivisten ein Straßenschild.

Die Prager Stadtvertretung beauftragte den Stadtrat (Stadtregierung) in der Nacht auf Freitag damit, die Umbenennungen zu beschließen. Die geografische Kommission der Hauptstadt, die für die Straßennamen zuständig ist, hatte dem Vorschlag zugestimmt.

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Die Umbenennung der Straße wurde von der oppositionellen Protestbewegung ANO kritisiert. Der ANO-Klubobmann in der Prager Stadtvertretung, Ondrej Prokop, sprach von einer „billigen PR-Geste einiger Prager Vertreter“ und verwies darauf, dass der Name Korunovacni einen „historischen Sinn“ habe. Laut Jan Chabr von der mitregierenden liberal-konservativen TOP 09 werde die Umbenennung der Straße keine Probleme verursachen, weil nur der Name eines Teils der Straße geändert wird - nämlich ausschließlich jener Abschnitt, in dem sich die russische Botschaft befindet. Die Anschriften von Firmen oder Bewohnern seien nicht betroffen.

Bereits vor zwei Jahren hatte Prag eine Namensänderung im Zusammenhang mit der russischen Botschaft beschlossen. Der Platz Pod Kastany („Unter den Kastanienbäumen“), der an das Areal der Botschaft grenzt, wurde nach dem 2015 ermordeten ehemaligen russischen Vizepremier Boris Nemzow, einem Kritiker von Staatschef Wladimir Putin, benannt.

In der litauischen Hauptstadt Vilnius wurde die zur russischen Botschaft führende Straße bereits Anfang März offiziell „Straße der ukrainischen Helden“ benannt. Auch in Wien versuchten Aktivisten eine symbolische Umbenennung der Straße vor der russischen Botschaft und beklebten das Straßenschild in der Reisnerstraße mit der Aufschrift: „Straße der ukrainischen HeldInnen“.

Davon, dass Wien auch offiziell Straßen oder Plätze umbenennt, ist allerdings nicht auszugehen. Denn würde sich der Name von Verkehrsflächen, an denen Bewohner leben bzw. sich Firmen befinden, ändern, erhielten die Anrainer auch eine neue Adresse. Die Stadt betont stets, aus diesem Grund keine Umbenennungen vorzunehmen. Historisch belastete Bezeichnungen erhalten stattdessen Zusatztafeln.

Große Ausnahme war der Lueger Ring. Dieser war nach dem früheren Bürgermeister Karl Lueger (1844-1910) benannt, der als Vorreiter des politischen Antisemitismus gilt. Er hat „seine“ Straße 2012 verloren, als der Lueger-Ring in Universitätsring umbenannt wurde. Der Aktion gingen Gespräche mit den betroffenen Bewohnern und Einrichtungen voran.


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