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Bande richtete 3,5 Mio. Euro Schaden durch Leasing-Betrug an

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Eine auf betrügerische Fahrzeugfinanzierungen und Geldwäsche spezialisierte Gruppe hat das Landeskriminalamt (LKA) Oberösterreich in akribischer Kleinarbeit ausgehoben: Vereinfacht gesagt sollen die Rädelsführer Autos mit Strohmännern - meist eigens angeworbenen Bettlern und Obdachlosen aus Osteuropa - geleast und wenige Tage später weiterverkauft haben. Insgesamt 43 Beschuldigte wurden ausgeforscht, der Schaden wird mit mehr als 3,5 Millionen Euro beziffert.

Ins Rollen kam der Fall im November 2020, als ein Autohaus und dessen Leasing-Institut mögliche Unregelmäßigkeiten bei einem Vertrag entdeckt hatten, schilderte LKA-Leiter Gottfried Mitterlehner in einer Pressekonferenz am Freitag. Bald stellte sich heraus, dass der Fall eine organisierte und internationale Dimension hatte, die „Soko Rolex“ ermittelte - benannt nach der Vorliebe eines der Köpfe für hochpreisige Uhren, Reisen und Luxusautos, die in internen Social-Media-Gruppen gerne zur Schau gestellt wurde.

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Die von Wien aus agierende Gruppe habe hierarchisch gearbeitet, schilderten Chefinspektor Rudolf Frühwirth, Leiter der Diebstahlsgruppe im LKA, und der in dem Fall federführende Ermittler Dominik Wildberger. In Ungarn, Bulgarien, der Slowakei und Serbien wurden demnach Strohmänner angeworben und mit dem Versprechen, Geld verdienen zu können, nach Österreich gelockt. Dabei handelte es sich meist um Obdachlose und Bettler, die teils nicht lesen und schreiben konnten und meist selbst um ihren Lohn geprellt wurden, so die Kriminalisten.

Die Köpfe der Gruppe bahnten bei österreichischen Autohäusern per Telefon oder Mail ein Kfz-Leasing für einen angeblichen Verwandten an. Auffällig war, dass nie um den Preis verhandelt wurde. Als Angehörige traten dann die angeworbenen Strohmänner auf - neu eingekleidet und ausgestattet mit perfekt gefälschten Melde- und Einkommensbestätigungen - und holten das Auto ab. Wenige Tage später verkauften die Hintermänner das Fahrzeug privat weiter. Meist wurde es zuvor leicht beschädigt, um es den Interessenten - viele davon auch aus Deutschland - als ein um einige tausend Euro reduziertes Schnäppchen anpreisen zu können. Verkauft wurden Modelle im Wert von 30.000 Euro aufwärts.

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Eine Untergruppe befasste sich auch damit, Firmen zu übernehmen, die nicht mehr operativ tätig waren, aber noch eine UID-Nummer hatten. Als Geschäftsführer wurden wieder Strohmänner eingesetzt und im Namen der „Unternehmen“ Fahrzeuge gekauft.

Insgesamt wurden 43 Beschuldigte im Alter von 20 bis 80 Jahren ausgeforscht, großteils handelt es sich um serbische Staatsbürger, aber auch um Österreicher und Osteuropäer. Acht von ihnen sind in U- oder Strafhaft. In 71 Fällen schaffte es die Gruppe, ein Auto zu leasen, 40-mal blieb es beim Versuch. Wieder sichergestellt wurden bisher 26 Fahrzeuge. Zudem werden der Gruppe elf Geldwäschedelikte zugeordnet - so wurde mit dem Geld aus dem Autokauf im Ausland Luxus-Karossen gekauft, um die Herkunft des Geldes zu verschleiern.


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