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Grazer ÖVP wählte Hohensinner zum neuen Parteiobmann

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Die Grazer ÖVP hat sich am Dienstag beim Stadtparteitag von ihrem Obmann Siegfried Nagl verabschiedet und den neuen Weg mit Kurt Hohensinner eingeschlagen. Er wurde mit 97,3 Prozent der Delegiertenstimmen zum neuen Obmann gewählt. Die Wahlschlappe vom September 2021 lag den Grazer Schwarzen noch im Magen, doch der neue Stadtparteiobmann will sie in der steirischen Landeshauptstadt wieder mit Elan nach vorne bringen: „Die Zeit des Wundenleckens ist heute vorbei.“

Für die Rückeroberung des Bürgermeistersessels muss der passionierte Läufer Hohensinner eine Marathondistanz ins Auge fassen: Die KPÖ mit Elke Kahr hatte Hohensinners Vorgänger, den ehemaligen Bürgermeister Nagl, klar auf den zweiten Platz verwiesen. Nagl musste nach mehr als 18 Jahren im Amt überraschend abdanken und zog sich noch am Wahlabend zurück.

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Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer versuchte zum Auftakt des Parteitags mit motivierenden Worten Anschub zu geben: „Wer kämpft, hat noch nicht gewonnen. Wer nicht kämpft, hat schon verloren. Wir müssen kämpfen.“ Schützenhöfer dankte dem scheidenden Stadtparteiobmann Nagl: „Was Graz heute ist, ist untrennbar mit Sigi Nagl verbunden.“ Applaus kam im Saal im Steiermarkhof auf - und der hielt so lange an, bis der frühere Bürgermeister in der ersten Reihe aufstand und sich bedankte.

Danach leitete Schützenhöfer über: „Nun gehen wir in die Zukunft.“ Er sei Hohensinner dankbar, dass er nach der Wahlniederlage sein Wort gehalten habe und geblieben ist. „Du wirst einen neuen Weg gehen.“ Doch der Landeshauptmann mahnte auch: „Was vor uns steht, ist ein langer Ritt über den Ho-Chi-Minh-Pfad.“ Hohensinner sei dafür „der Richtige an der richtigen Stelle - und du hast einen langen Atem.“

Bundesparteichef Bundeskanzler Karl Nehammer legte seine Worte ähnlich an und dankte zunächst Nagl: „Du warst ein Vorbild für innovatives Tun.“ Mit Hohensinner an der Spitze sieht Nehammer die Chance, das Bürgermeisteramt zurückzuerobern: „Ja, es wird vielleicht länger dauern, aber wir werden als Volkspartei zusammenstehen.“ Er wünschte dem neuen Mann an der Spitze, er möge „aus der Niederlage heraus Kraft gewinnen“.

Nagl, der nach der Wahlniederlage sehr geknickt war und sich aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hatte, trat beim Stadtparteitag wieder mit frischem Mut auf die Bühne. Einen Rückblick auf seine Zeit in der Politik wollte er nicht geben: „Die Rückspiegel habe ich in der Politik abmontiert.“ Aber er habe Erkenntnisse mitgenommen: „Uns ist wahnsinnig viel gelungen.“ Bis zu seinem 23. Jahr als Parteiobmann sei er von der Volkspartei getragen worden. „Heute beginnt die Ära von Kurt Hohensinner. Er braucht euch und ich erwarte, dass ihr ihn genauso tragt wie mich“, forderte Nagl ein.

Ein paar Worte hatte er auch noch für seine früheren politischen Mitstreiterinnen und Mitstreiter übrig: „Ich glaube meiner Nachfolgerin ist auch schon aufgefallen, dass ein Netzwerk hilft.“ Er dankte daher dem Landeshauptmann, dass er sich stets an ihn wenden konnte: „Wir sind Hand in Hand gegangen“, lobte er die Zusammenarbeit mit Schützenhöfer, die aber bekanntlich nicht immer friktionsfrei war.

Genugtuung findet der frühere Bürgermeister - Altbürgermeister möchte er nicht genannt werden, das Wort sei „schrecklich“ - wenn ihn Menschen auf der Straße oder am Markt ansprechen: „Toter Indianer, guter Indianer, kennt man eh, aber ich bekomme jetzt viel Dankeschön in der Stadt.“ Geradezu gut gelaunt, ohne einen erkennbaren Funken Wehmut, verabschiedete er sich mit den Worten: „Der Sigi is furt, es lebe der Kurt.“ Die Delegierten dankten mit Standing Ovations.

Hohensinner sagte gleich zu Beginn seiner Rede: „Die Zeit des Wundenleckens ist heute vorbei. Wir beginnen bei Kilometer Null“, eine Anlehnung an einen Marathon. „Strategie, Ausdauer und mentale Stärke“ sei nötig, es werde Teilabschnitte mit Sonne im Gesicht geben, aber auch jene, wo die Luft ausgeht. „Wir wollen Schrittmacher sein, die Menschen aber nicht überfordern.“ An Schützenhöfer wolle er Anleihe nehmen. Dieser habe 2005 (Ende der Ära Klasnic, Anm.) wohl Ähnliches erlebt. Er dankte ihm auch, dass er direkt nach der Wahlniederlage als Unterstützer für ihn und die Partei da war.

Der neue Obmann versuchte die Delegierten zu motivieren: „Wir müssen raus aus unseren Büros, auf die Straße, die Plätze, in die Firmen.“ Er wolle die Bezirke mehr unterstützen, denn „das kommt um ein Vielfaches zurück“. Er sprach auch die „unappetitlichen Chats“ an, die auf Bundesebene bekannt wurden: „So sind wir nicht. Wir sind eine Partei der Fleißigen, Couragierten und Mutigen.“ Das V in ÖVP soll für Vertrauen stehen, „daran müssen wir arbeiten“. Und es stehe auch für Verantwortung und Verlässlichkeit.

In seiner Rede streifte er so viele Bereiche wie möglich, beim Thema Familie fiel aber auf: „Auch Homosexuelle ziehen liebevoll Kinder auf. Auch das ist für mich Familie.“ Damit geht er im Vergleich zu seinem Vorgänger einen liberalen Schritt weiter. Denn dieser hatte sich beispielsweise jahrelang geweigert, den Trauungssaal im Rathaus für die eingetragene Partnerschaft homosexueller Paare zu öffnen. Hohensinner will auch mehr Frauen in der Grazer ÖVP sehen.

„Wenn ihr wollt, werden wir heute den Marathon starten. Ich bin bereit voranzulaufen, aber wir wollen gemeinsam ans Ziel kommen. Und das Ziel ist zu gewinnen, Erster zu werden“, schloss er seine Rede und erntete dafür Standing Ovations.

Letztlich stimmten 97,3 Prozent der 187 Delegierten für Hohensinner. Als seine Stellvertreterinnen und Stellvertreter wurden - alle mit über 90 Prozent - Martina Kaufmann, Anna Hopper, Karlheinz Kornhäusl, Georg Topf und Claudia Unger gewählt. Hohensinner meinte nach der Wahl: „Ich war heute nervös, aber hoffentlich wird es noch weitere Parteitage für solidere Reden geben. Ihr gebt mir Kraft.“ Er wolle mit den Funktionären „gemeinsam an einem Strang ziehen“: „Starten wir den Marathon und in spätestens viereinhalb Jahren werden wir auf die Überholspur kommen“, zeigte der neue Parteichef Zuversicht.


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